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Ford-Chef holt Banker an Bord

Von Jens Eckhardt
Der Amerikaner Kenneth Leet bringt langjährige Erfahrung von Goldman Sachs mit. Nun arbeitet er für den angeschlagenen Autobauer Ford. Und wenn ein US-Unternehmen einen Investmentbanker anheuert, zumal einen Übernahmespezialisten, schlägt sofort die öffentliche Phantasie Kapriolen.
PORTLAND. Wenn ein US-Unternehmen einen Investmentbanker anheuert, zumal einen Übernahmespezialisten, schlägt sofort die öffentliche Phantasie Kapriolen. Was soll verkauft werden? Welche Firmen kommen als neue Partner in Frage?Bei Ford Motor, die jetzt den langjährigen Goldman-Sachs-Banker Kenneth Leet an Bord geholt hat, konzentrieren sich die Spekulationen auf die Nobelmarke Jaguar. Der 48-jährige Amerikaner Leet arbeitete viele Jahre in England und sitzt noch im Verwaltungsgremium des Londoner Theaters Old Vic. Er kennt damit die britischen Verhältnisse.

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Und Jaguar hat Ford seit der Übernahme 1989 für 2,6 Milliarden Dollar nie Freude gemacht. Zuletzt hat sich die jetzige Nummer zwei im Konzern, Mark Fields, an der Sanierung von Jaguar die Zähne ausgebissen. Da Ford auf dem Heimatmarkt mittlerweile weniger Fahrzeuge verkauft als der japanische Konkurrent Toyota, will der Konzern offenbar in Übersee Ballast abwerfen.Leet ist ein Gewächs der führenden US-Investmentbank Goldman Sachs. Und es waren die ehemaligen Goldmänner Robert Rubin und John Thornton im Verwaltungsrat von Ford, die ihn für seinen neuen Pos-ten beim kränkelnden Autoriesen empfahlen. Bei Ford ist er ganz hoch angesiedelt und berichtet direkt an den Konzernchef William Clay Ford.Im Gegensatz zu Jerry York, der beim Not leidenden Konkurrenten General Motors als Berater mehr im Hintergrund wirkt, ist Leet kein Autofachmann. Er studierte an der Brown University und machte seinen MBA an der Harvard Graduate School of Business.Er begann seine Karriere bei der New Yorker Bank Manufacturers Hanover Trust und wechselte von dort zu der im Übernahmegeschäft (Mergers & Acquisitions) tätigen Private-Equity-Firma Odyssey Partners.Von dort führte sein Weg 1986 di-rekt zu Goldman Sachs. Da arbeitete er sich stetig nach oben und stieg nach 18 Jahren zum Geschäftsführer der Investment Banking Group für den Industriebereich in London auf.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Snow wollte Leet zu seinem Staatssekretär machenAls Goldman-Banker beriet Kenneth Leet 1999 die führende US-Eisenbahngesellschaft CSX bei dem Verkauf ihrer Container-Reederei Sea-Land Services. Der damalige CSX-Chef, John Snow, wurde später Finanzminister und wollte Leet 2003 zu seinem Staatssekretär machen. Das war anscheinend nicht im Sinne Leets. Jedenfalls zog er im Oktober 2003 seine Nominierung aus nicht näher erläuterten gesundheitlichen Gründen zurück.Kurze Zeit später endete seine Karriere bei Goldman Sachs. Leet wechselte als Chef des Investment-Bankings für Europa mit Sitz in London zur Bank of America Corp. Von diesem Posten jedoch trat er nur gut ein Jahr später, im April dieses Jahres, wieder zurück.Nach einem Bericht des ?Wall Street Journals? soll Leet bei Ford nicht nur den möglichen Verkauf von Jaguar vorbereiten, sondern auch die übrigen Marken von Fords europäischer Luxusabteilung Premier Automotive Group auf den Prüfstand stellen. Dazu gehören neben Jaguar auch Volvo, Aston Martin und Land Rover.Überdies, so heißt es, soll er die Frage untersuchen, ob Partnerschaften mit anderen Unternehmen Ford Vorteile bringen könnten. Die mögliche Dreieckskooperation zwischen Nissan, Renault und GM hatte Ford aufgeschreckt. Der Konzern fürchtet offenbar, bei einer weltweiten Konsolidierung der Autobranche den Anschluss zu verpassen.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2006