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Fondsmanager wechseln häufiger den Arbeitgeber

Von Ingo Narat
Der Markt für Fondsmanager in Frankfurt kommt langsam in Bewegung. Damit nehmen nun auch die Personalwechsel zu, doch Personalberater warnen vor einer Überbewertung des zunehmenden Wechsels.
HB FRANKFURT/M. Die Personalberater warnen zwar vor einer Überbewertung der zunehmenden Wechsel. Sie sehen in der leichten Wiederbelebung keinen Vorboten eines neuen Booms. Wichtig ist ihnen aber die grundsätzliche Trendwende. So registriert Yvonne Beiertz: ?Die Zeiten des generellen Personalabbaus und des Kosten Sparens bei den Fondshäusern sind vorbei.? Nach Ansicht der Bereichsleiterin Financial Services Europe bei der internationalen Agentur Spencer Stuart ?geht es jetzt darum, sich schlagkräftig aufzustellen?.Ähnlich sieht auch Karin Schambach die Lage ?Der Personalmarkt ist etwa seit Jahresbeginn nicht mehr so schwierig?, sagt die für Asset-Management zuständige Beraterin beim spezialisierten Haus Smith & Jessen. Auch sie konstatiert: ?Die Gesellschaften wollen sich zukunftsfähig zu machen. Es gibt Bereitschaft zur Rekrutierung von Portfoliomanagern.? Ob damit auch branchenweit ein Personalaufbau verbunden ist, diese Frage wird aber unterschiedlich beantwortet.

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Jüngste Meldungen stützen zumindest die Einschätzung einer leicht steigenden Zahl von Wechseln. So ging eine Gruppe von Bondspezialisten von Deutsche Asset Management (DeAM) zu UBS in Frankfurt. ?Wir haben das Anleiheteam von zwei auf sieben Leute aufgestockt?, erläutert ein UBS-Sprecher. Bei den zur Deutsche- Bank-Gruppe gehörenden DWS und DeAM heißt es: ?Die Zahl unserer Portfoliomanager ist gestiegen und wird weiter steigen.? Union Investment baut ebenfalls sukzessive aus. ?Und wir verstärken uns weiter?, sagt ein Sprecher.Treibende Kraft für die Wechsel ist ?nicht eine stark zunehmende Wechselbereitschaft der Manager?, wie Christine Kuhl betont. Die Partnerin bei Ray & Berndtson leitet den Bereich Financial Services und argumentiert: ?Dazu ist die Angst zu groß, vom Regen in die Traufe zu kommen.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine wichtige Rolle bei Personalveränderungen spielen Umstrukturierungen in Zeiten steigenden Performancedrucks.Eine wichtige Rolle bei Personalveränderungen spielen Umstrukturierungen in Zeiten steigenden Performancedrucks. ?Einige Häuser haben extreme Probleme mit ihren Anlageergebnissen?, sagt Beiertz von Spencer Stuart. ?Da kann man davon ausgehen, dass Personen ausgewechselt werden.?In diesem Zusammenhang spielt oft der Schwenk zu stärker disziplinierten und computergestützten internen Abläufen vom Research über die Portfoliokonstruktion bis hin zu deren Umsetzung (?Investmentprozess?) eine Rolle. Das ist mit einer Spezialisierung der Aufgaben der Manager verbunden. Ein derartiges Modell hatte beispielsweise Deka Investment vor einiger Zeit eingeführt. ?Manager alter Couleur identifizieren sich kaum mit diesem Branchentrend, denn sie werden ein Stück in ihrer Freiheit beschnitten?, sagt Kuhl.Schambach beobachtet, ?dass seit Jahresbeginn einige Gesellschaften bei dieser Entwicklung wieder zurückrudern, dem Manager wieder mehr Freiheiten geben?. Sie stellt fest: ?Der klassische starke Manager mit Mut zur Meinung ist wieder gefragt - da gibt es Bedarf.? Nach Ansicht verschiedener Experten aber ist trotz mancher ?Rollen rückwärts? der grundlegende Trend zur stärkeren Disziplinierung und Spezialisierung kaum zu stoppen.Neben derartigen Umbauten kann die unsichere Zukunft einer Adresse Grund für Personalbewegungen sein. Das gilt etwa für die Frankfurt-Trust mit ihrer Mutter ING. ?Dort sind viele ansprechbar für einen Wechsel?, sagt ein Personalberater.Ein weiterer Grund für die steigende Zahl von Wechseln sind veränderte Berufsbilder und die daraus abgeleitete Nachfrage. ?Es gibt jetzt früher ganz unbekannte Positionen, etwa im Schnittfeld von Portfoliomanagement und Vertrieb, wenn dem Kunden Anlageinhalte vermittelt werden sollen?, sagt Beiertz.Eine wichtige Rolle spielt auch die Europäisierung des Geschäftes. ?Einen Chef-Anlagestrategen für Aktien in Deutschland sucht man jetzt nicht nur in Frankfurt, sondern beispielsweise auch in den Niederlanden und der Schweiz?, sagt Beiertz.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.09.2004