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Fördertöpfe

Für begabte Studenten gibt es Stipendien. Drankommen ist hart. Begabtenförderwerke, wie sich Studienstiftungen auch nennen, gucken zwar auch auf schulische Leistungen, vor allem aber auf Persönlichkeit, Engagement und Begeisterungsfähigkeit. Gute Chancen hat manchmal, wer ganz besondere Steckenpferde hat.
Als die Vize-Rektorin sie kurz vor dem Abi ansprach und für ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes vorschlagen wollte, war An Wei erst mal baff: "Dass ich dafür in Frage komme, hätte ich echt nicht gedacht." Dabei ist An, die heute im vierten Semester Medizin in Tübingen studiert, genau der Typ, den Stiftungen, die begabte Studenten unterstützen, suchen: mit Top-Noten, aber voll im Leben und an allem interessiert. Genau so kommt die gebürtige Chinesin auch rüber: Wenn die quirlige 21-Jährige erzählt, glaubt man ihr sofort, dass sie überall mitgemischt hat: im Schulchor, in der Theatergruppe, in der Badminton-AG

Persönlichkeiten gesucht.
Begabtenförderwerke, wie sich Studienstiftungen auch nennen, gucken zwar auch auf schulische Leistungen, vor allem aber auf Persönlichkeit, Engagement und Begeisterungsfähigkeit. Das musste An wie alle Bewerber in einem zweitägigen Auswahlverfahren unter Beweis stellen. "Ich war total aufgeregt, weil ich gar nicht wusste, was da so auf mich zukam.

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Am Ende war alles halb so schlimm: "Die anderen Kandidaten hatten genauso schlotternde Knie wie ich, und die Leute von der Stiftung waren superfreundlich", erzählt An. Neben verschiedenen Gruppenarbeiten werden die Kandidaten von der Auswahlkommission ins Kreuzverhör genommen: "Die wollten alles Mögliche wissen. Die einen hielten sich an meinen Lebenslauf, andere wollten meine ethischen Standpunkte erfahren oder fragten, warum ich Medizin als Fach gewählt hatte." Vorbereiten, so An, könne man sich auf ein solches Auswahlverfahren nicht, aber sie hat Tipps auf Lager: "Auf keinen Fall schauspielern oder versuchen, die anderen Bewerber auszustechen. Wer gut im Team arbeitet, kommt besser an.

An Wei hat es geschafft: Kurz nach dem Auswahlseminar bekam sie die Zusage. Das Geld, das die Geförderten von einer Stiftung bekommen, bemisst sich in der Regel am Einkommen der Eltern. An bekommt "nur" 80 Euro Büchergeld im Monat, andere erhalten bis zu 525 Euro. "Viel wichtiger als das Geld", meint An, "ist aber die ideelle Förderung." Die Studienstiftung des Deutschen Volkes bietet zum Beispiel Sommerakademien zu den verschiedensten Themen oder Sprachkurse an. Dabei lernt man auch andere der rund 5.000 Stipendiaten aus dem gesamten Bundesgebiet kennen. Connections, die einem später im Leben weiterhelfen können

Insgesamt gibt es mehrere hundert Organisationen, die Studierende fördern. Einige, etwa das Cusanuswerk der katholischen Kirche, sind konfessionell, andere, wie etwa die Konrad-Adenauer- oder die Friedrich-Ebert-Stiftung, stehen den Parteien nahe. Starke Leistungen belohnen auch die Stiftung der Deutschen Wirtschaft sowie etwa 100 Unternehmensstiftungen. Gute Chancen hat manchmal, wer ganz besondere Steckenpferde hat: So fördert die Yak-Kamel-Stiftung nur Biologen, die über doppelhöckrige Kamele oder asiatische Hochgebirgsrinder forschen.
Jean David Maillot/Dorothee Fricke

www.begabtenfoerderungswerke.de - Zusammenschluss der 14 größten Förderwerke;
www.e-fellows.de - Stipendiendatenbank mit über 600 Programmen von mehr als 400 Organisationen

Dieser Artikel ist erschienen am 16.06.2006