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Flucht in den Osten

Jobverlagerung in Billiglohnländer ­ darauf müssen sich jetzt auch hochqualifizierte Mitarbeiter gefasst machen. Betroffen sind nicht nur Arbeitsplätze in der EDV, sondern auch in Verwaltung und Management. Allein bei Banken und Versicherungen seien 100.000 Jobs bis 2008 in Westeuropa vom so genannten Offshoring betroffen, prophezeit die Beratung A.T. Kearney. Sie müssten ihre Kosten senken, um international mithalten zu können. "Alle standardisierbaren und personalintensiven Prozesse eignen sich für eine Verlagerung", sagt Berater Andreas Pratz: IT Services, Transaktionsabwicklung, Finanzen, Rechnungswesen, Callcenter.

Die Deutsche Bank überlegt derzeit, Teile ihres IT-Bereichs Global Technology and Operations an externe Dienstleister zu vergeben oder in Niedriglohnländer zu verlagern. Zwar weist die Bank die Spekulation zurück, dass dadurch bis zu 5.500 Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Prinzipiell stünde aber alles auf dem Prüfstand.

Die besten Jobs von allen


Offshoring-Vorreiter sind IT-Firmen und Finanzdienstleister in den USA wie Citigroup und American Express. Die Europäer folgen, wenn nicht nach Indien, so doch nach Osteuropa. Forrester Research prognostiziert, dass bis 2015 allein in den USA 3,3 Millionen Arbeitsplätze verloren gehen. Rechne man Verlagerungen aus den G7-Staaten wie Deutschland, Japan und Großbritannien dazu, verdoppele sich die Zahl leicht.
Allerdings könne Offshoring auch Jobchancen bieten, meint der A.T. Kearney-Berater Pratz: für gewiefte Prozessmanager und Anbieter von Verlagerungsdienstleistungen.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.09.2003