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Flop oder Top?

Liane Borghardt, Lea Deworetzki, Jan Wochner
Sechs Traumberufe auf dem Prüfstand: Die Jobampel zeigt euch auf einen Blick, wo die Zukunft grün, gelb oder rot aussieht.

Unternehmensberater

Der Beruf: Ein Mittelständler will ins Ausland expandieren, eine Behörde soll effizienter werden oder ein Konzern möchte seinen Online-Vertrieb aufbauen: Überall, wo es um Wachstumsstrategien, Optimierung von Abläufen oder Kostenersparnis geht, sind Unternehmensberater gefragt. Dafür sind sie meist vor Ort beim Kunden im Einsatz. Leben aus dem Koffer ist für Consultants daher die Regel.

Die Ausbildung: Gemischte Teams kommen zu den besten Lösungen. Daher steht die Beratung Absolventen aller Fachrichtungen offen - vom Theologen über den Sinologen bis zum Pharmazeuten. Ein gängiger Weg ist nach wie vor das BWL-Studium. Besonders gefragt sind zurzeit Ingenieure und Naturwissenschaftler. Unabhängig vom Studienfach: Analytisches Denken, Teamarbeit und Kommunikationstalent sind im Beraterjob durchweg vorausgesetzt.

Die besten Jobs von allen


Die Fakten: Die fünf größten Strategieberatungen in Deutschland sind McKinsey, Roland Berger, The Boston Consulting Group (BCG), Mercer Consulting und Booz Allen Hamilton. Zu den großen IT-Beratungen zählen Accenture, IBM Global Business Services, Capgemini Consulting oder Bearing Point. Daneben gibt es eine Vielzahl von mittleren und kleinen Beratungen, die auf bestimmte Branchen oder Themen spezialisiert sind. Unternehmen wie DaimlerChrysler, Deutsche Post, Siemens oder Bertelsmann haben hauseigene Beratungsabteilungen. Ständig unterwegs, wenig Zeit fürs Private, 60 Wochenstunden oder mehr anspruchsvolle Arbeit: Unternehmensberatungen wissen, dass sie den Einsatz ihrer Mitarbeiter entlohnen müssen. So steigen bereits Hochschulabsolventen mit einem Jahresbrutto von 40.000 bis 58.000 Euro ein, dazu kommen oft Dienstwagen und Leistungsboni.

Die Zukunft: Der Branche geht es gut, und das schlägt sich auch in neuen Arbeitsplätzen nieder. Besonders die großen Beratungshäuser wollen in den nächsten Jahren zusätzliche Berater einstellen. Eine Zielgruppe, die zurzeit alle heftig umwerben: Frauen. Flexibles, mobiles Arbeiten oder Kinderbetreuung sind wichtige Schlagwörter.

Ingenieur

Der Beruf: Die Einsatzbereiche für Ingenieure könnten vielfältiger nicht sein: Sie entwickeln die Flugzeuge von morgen oder optimieren die Fahrsicherheit von Autos. Andere bauen Eisenbahntunnel, Häuser, Windräder oder konstruieren medizinische Hilfsmittel. Jobmöglichkeiten für Ingenieure gibt es auch im Marketing, im Vertrieb oder im technischen Produktmanagement.

Die Ausbildung: Ingenieurwesen kann man an Unis und Fachhochschulen studieren. Die großen Bereiche sind Maschinenbau/Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen sowie Bauingenieurwesen/Architektur. Daneben entstehen neue spezialisierte Studienfächer oder interdisziplinäre Studiengänge, wie etwa Mechatronik, ein Fach, das Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik verbindet. Für alle Ingenieurfächer gilt: Mathematisches Verständnis und Interesse an Technik sollte man unbedingt mitbringen.

Die Fakten: Der Metall- und Elektroindustrie geht es glänzend, im Maschinen- und Anlagenbau sind deutsche Unternehmen Weltmarktführer. "Ingenieure, verzweifelt gesucht", schallt es daher von überall her aus der Wirtschaft: Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hat bereits heute jedes sechste Unternehmen, das Ingenieure beschäftigt, Probleme bei der Besetzung offener Stellen. 2006 fehlten nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) bundesweit fast 50.000 Fachkräfte. Trotz der guten Aussichten studieren nicht genügend junge Leute technische Fächer. Vor allem im Bereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen werden Absolventen schon vor dem Hochschulabschluss von Unternehmen umworben. Für Bauingenieure und Architekten sieht der Arbeitsmarkt etwas schlechter aus, doch auch die Baubranche erholt sich gerade. Ingenieure können je nach Studienrichtung und Abschluss mit Einstiegsgehältern zwischen 35.000 und 45.000 Euro jährlich rechnen.

Die Zukunft: Weiterhin rosig! Besonders zukunftsträchtig sind Bereiche wie Lasertechnik, Optische Technologie oder Nanotechnologie. Sozialkompetenzen wie Teamfähigkeit und internationale Erfahrungen werden aber immer wichtiger.

Informatiker

Der Beruf: Wer dabei an Computer-Nerds denkt, die einsam vor ihrem geliebten Laptop hocken, liegt falsch. Informatiker arbeiten heute meist in Teams. Ohne IT kommt kein Bereich mehr aus. Informatiker sind daher in allen Branchen zu finden, zum Beispiel sind sie als Berater tätig oder entwickeln neue Software. Gefragt sind sie auch in Anwendungsbereichen wie der Pharmaforschung, in der Medizin oder in den Medien. Dafür sind die Anforderungen gestiegen: Nur IT reicht meist nicht mehr aus: BWL- und Fremdsprachenkenntnisse, Soft Skills wie Kommunikations- und Präsentationsfähigkeit werden immer wichtiger.

Die Ausbildung: Unis und FHs bieten zahlreiche Studiengänge an, dabei sind verschiedenste Spezialisierungen möglich. Besonders beliebt bei Studienanfängern sind momentan die so genannten "Bindestrich-Studiengänge" wie Wirtschaftsinformatik, Technische Informatik oder Medieninformatik. Wer es praktischer und anwendungsbezogener mag, kann sich beispielsweise zum Fachinformatiker mit Fachrichtung Anwendungsinformatik, zum IT-Systemelektroniker oder zum Informatikkaufmann/-frau ausbilden lassen.

Die Fakten: Angesichts rückläufiger Studentenzahlen sorgt sich die Informations- und Kommunikationsbranche um ihren Nachwuchs. Dazu kommt, dass 57 Prozent aller Informatikstudenten an der Uni und 45 Prozent an der FH ihr Studium abbrechen oder den Fachbereich wechseln. Informatiker verdienen gut: Einstiegsgehälter liegen zwischen 40.000 und 50.000 Euro jährlich. Nach wie vor gibt es wenig Informatikerinnen; nur 14 Prozent der Studierenden sind weiblich. In Fächern wie Bio-Informatik oder Medizinische Informatik ist der Anteil höher.

Die Zukunft: Die Aussichten sind blendend: Die Stellenangebote für IT-Berufe nehmen deutlich zu und es besteht großer Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs. Den zukünftigen jährlichen Bedarf der Wirtschaft schätzt der Branchenverband Bitkom auf rund 20.000 Hochschulabsolventen. Berufe mit Zukunft sind unter anderem Software-Entwickler, Berater oder Projektmanager.

Journalist

Der Beruf: Sie schreiben Artikel für Zeitungen, Magazine oder das Internet und produzieren Beiträge für Radio, Fernsehen oder Online-Redaktionen. Viele sind auch in den Pressestellen von Unternehmen oder in Public-Relations-Agenturen tätig.

Die Ausbildung: Einen Königsweg gibt es nicht: Ein Studium oder der Besuch einer Journalistenschule wird erwartet. Medienstudiengänge sprießen überall aus dem Boden. Doch nicht überall, wo Medien draufsteht, ist Journalistik drin. Deshalb: Gut informieren und auf die Schwerpunkte achten. Eine - oft sogar bessere - Alternative ist ein Fachstudium. Das Handwerk lernt man ohnehin am besten in der Praxis: Durch Hospitanzen, Praktika, freie Mitarbeit oder im Volontariat. Früh die Fühler ausstrecken!

Fakten: Laut einer Studie der Uni Hamburg gab es 2005 etwa 48.000 hauptberufliche Journalisten (ohne PR-Fachleute). Drei Viertel davon arbeiteten festangestellt in Redaktionen, ein Viertel als Freiberufler. Ein Redakteur im ersten Berufsjahr verdient laut Tarif 2.765 Euro pro Monat, kleinere Verlage oder Sender zahlen oft erheblich weniger.

Zukunft: Die Konkurrenz ist groß, Festanstellungen sind rar. Verlage und Sender sparen Geld und lagern Tätigkeiten aus. Das Internet macht den klassischen Medien immer mehr Konkurrenz. Wer beides bedienen kann, hat Vorteile. Spezialisten im Wissen und Generalisten in der Darstellung werden in Zukunft die besten Chancen haben.

Jurist

Der Beruf: Juristen können in vielen Bereichen arbeiten. Rund 80 Prozent wählen jedoch den Anwaltsberuf, etwa fünf Prozent gehen als Richter oder Staatsanwalt in den Staatsdienst. Die anderen kommen in der Wirtschaft, bei Verbänden oder in der Politik unter.

Ausbildung: Als Anwalt oder Richter braucht man das Staatsexamen, das man nach dem Uni-Studium plus praktischer Ausbildung im Referendariat erwirbt. Mit dem Bachelor of Laws (zum Beispiel in Wirtschaftsrecht) kann man auch in Unternehmen arbeiten. Ob und wann die Juristenausbildung auf das Bachelor- und Master-System umgestellt wird, steht noch in den Sternen.

Die Fakten: Jura ist mit 20.000 Studienanfängern pro Jahr eines der beliebtesten Studienfächer. Die Zahl der Anwälte hat sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt, der Stellenmarkt eher verkleinert. Die Examensnote spielt auf dem Arbeitsmarkt eine große Rolle: Viele Jungjuristen mit durchschnittlichen Abschlüssen schlagen sich mit Zeitverträgen durch - Gehälter von 20.000 Euro im Jahr sind keine Seltenheit - oder akquirieren als Selbstständige mühsam Mandanten. Kandidaten, die ihr Staatsexamen mit Prädikat abschließen, können sich dagegen die Stellen oft aussuchen. Kommen dann noch spezielle Fachkenntnisse und Auslandserfahrung dazu, werden in den großen internationalen Top-Kanzleien bis zu 100.000 Euro pro Jahr als Einstiegsgehalt gezahlt.

Zukunft: Die Talfahrt auf dem Arbeitsmarkt ist gestoppt. Für Absolventen, die nicht zu den besten zehn Prozent gehören, bleibt es aber schwierig. Der Einheitsjurist ist eine eher aussterbende Spezies, daher: Unbedingt Nischen suchen.

Arzt

Der Beruf: Halbgott in Weiß - das war einmal. Vor allem junge Mediziner arbeiten viel, hart und für wenig Geld. Die Arbeitsbedingungen locken viele ins Ausland, andere wählen den Weg in die Pharmaindustrie.

Ausbildung: Das Medizinstudium dauert mindestens sechs Jahre. Es besteht aus einem vorklinischen Teil, in dem vor allem naturwissenschaftliche Grundlagen gepaukt werden, und einem klinischen Teil, in dem die medizinischen Teilgebiete gelehrt werden. Im Anschluss sammelt man im Praktischen Jahr (PJ) Berufserfahrung. Mit Bestehen der Ärztlichen Prüfung darf man praktizieren und kann sich optional noch als Facharzt weiterbilden.

Fakten: Die Arbeitslosenquote von Ärzten liegt bei unter zwei Prozent. Der Anteil der unter 35-Jährigen aller im Beruf stehenden Ärzte ist auf knapp 15 Prozent gesunken. Viele niedergelassene Ärzte gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand und finden keinen Nachfolger. Das Einstiegsgehalt an einer Uni-Klinik beträgt 3.600 Euro pro Monat.

Zukunft: Gebraucht werden junge Mediziner auf jeden Fall, doch die Frage ist, zu welchen Konditionen sie arbeiten müssen. Im vergangenen Jahr haben Ärzte für bessere Arbeitsbedingungen, mehr Geld und weniger Überstunden gestreikt - teilweise mit Erfolg. Abzuwarten bleibt, ob es gelingt, den in den letzten Jahren enorm gewachsenen Bürokratieaufwand zu verringern. Niedergelassene Ärzte haben bessere Chancen, wenn sie sich in Zentren zusammenschließen, um gemeinsam alle medizinischen Fachgebiete abzudecken. Das schafft Verbundvorteile, weil man nicht mehr als Einzelkämpfer unterwegs ist und sich teure medizinische Geräte auch gemeinsam anschaffen kann.



Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2007