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Fliegender Pendler

bdo
Wenn Patrick Temmerman sich morgens auf den Weg zur Arbeit macht, folgen ihm die neidischen Blicke der Autofahrer. Denn der 38-Jährige fliegt dem Stau per Gleitschirm mit eingebautem Propeller und Liegefahrrad davon.
Wenn Patrick Temmerman sich morgens auf den Weg zur Arbeit macht, folgen ihm die neidischen Blicke der Autofahrer. Denn der 38-Jährige fliegt dem Stau per Gleitschirm mit eingebautem Propeller und Liegefahrrad davon. 20 bis 30 Minuten, je nach Windverhältnissen, braucht der Inhaber einer Beachvolleyball-Anlage für die 45 Kilometer Luftlinie zwischen seinem Wohnort im westfälischen Werl und dem Arbeitsplatz in Witten.

"Mich nervt die morgendliche Aggressivität der Autofahrer", sagt Temmerman, der sich beim Fliegen gerne mit Musik entspannt. Bis zu 330 Meter darf er hochsteigen. "Ich fühle mich so frei da oben, das ist fast schon eine Sucht." Angst vor Absturz? I wo. Schließlich gibt es relativ gesehen mehr Auto- als Gleitschirmunfälle. Aufs Auto steigt er nur um, wenn es regnet oder mehr als Windstärke drei angesagt ist. Mit drei Litern Benzingemisch pro Stunde ist das Fluggerät zudem sehr sparsam. Ohne Behördenstempel geht allerdings auch hier nichts: Für die Start- und Landewiesen neben Wohnhaus und Sporthalle brauchte Temmerman eine offizielle Genehmigung. Welches Verkehrsmittel sein Steuerberater gegenüber dem Finanzamt angibt, weiß er zwar nicht so genau. "Aber bis jetzt habe ich die Fahrtkosten immer absetzen können."
Dieser Artikel ist erschienen am 07.01.2005