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Flexibilität im Job entscheidend

Quelle: WirtschaftsWoche
Wer erfolgreich sein will, muss flexibel bleiben - in Ausbildung und Beruf genauso wie bei der Wahl des Wohnortes, der Aneignung von Wissen und neuen Erfahrungen. Entscheidend dabei ist die richtige Balance zwischen Job- und Privatleben zu finden.
DÜSSELDORF. Wer Erfolg haben will, muss sich in wechselnde Teams integrieren können und bereit sein, seinen Wohnort zu verändern, wenn es erforderlich ist. Ein weiterer Baustein, um in der sich rasant wechselnden Arbeitswelt mithalten zu können und seine Karriereziele zu erreichen, ist die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzubilden, neue Fähigkeiten zu entwickeln und - manchmal sogar mehrmals im Leben - den Beruf zu wechseln.Dies betrifft nahezu alle Berufe. Juristen müssen zunehmend fit im internationalen Recht sein, Sozialarbeiter benötigen längst auch betriebswirtschaftliches Know-how und Ingenieure wiederum gute Kenntnisse im Projekt- und Vertriebsmanagement. Vor allem durch die Informationstechnologien (IT) und das Internet haben sich zahlreiche Berufsbilder geändert - und tun es noch. Beispiel Buchhändler oder Reisebürokaufleute. Immer mehr Menschen kaufen ihre Literatur oder buchen ihre Reisen heute via Web - und demnächst sogar per Handy. Fotografen wiederum müssen sich heute immer häufiger mit der digitalen Bildbearbeitung, Zahntechniker mit der computergestützten Herstellung von Zahnersatz auseinandersetzen.

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Neue Tätigkeitsbereiche entstehen dabei vor allem an den Schnittstellen zweier Berufe. Ingenieure mit juristischer Zusatzausbildung werden Patentanwälte. Promovierte Biochemiker sitzen in Redaktionen von Finanzmagazinen und bewerten die Zukunftschancen von Biotechnologie-Fonds. Doch auch innerhalb der Unternehmen ist zunehmend Flexibilität gefragt. Denn vorgezeichnete Karrierewege sind längst passé.Für die Jüngeren ist der Wechsel des Arbeitsplatzes dabei offenbar kein Problem. So bezeichnen 40 Prozent der 18- bis 29-Jährigen ihre Wechselbereitschaft als sehr hoch bis hoch. Die Immobilität kommt jedoch mit dem Alter: Über alle Altersgruppen hinweg stehen immerhin schon rund zwei Drittel einem Stellenwechsel eher ablehnend gegenüber. Das ergab eine Umfrage bei über 1000 Beschäftigten zwischen 18 und 50 Jahren, die von Jobware Online-Service bei Emnid in Auftrag gegeben wurde. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Verweildauer in einem Job. Während die 18- bis 29-Jährigen gut drei Jahre in der gleichen Position beschäftigt sind, bleiben die 30- bis 39-Jährigen knapp sieben Jahre am selben Arbeitsplatz.Mögliche Gründe: die Familie, das Haus und der mit dem Jobwechsel meist verbundene Umzug. Welche Probleme sich aus Versetzungen für die Familie ergeben, wissen auch die Unternehmen. ?Wenn ein Mitarbeiter nicht umziehen kann, weil seine Kinder kurz vor dem Abitur stehen, nehmen wir es ihm nicht übel?, sagt Hans Höller, Leitung Recruiting und Resourcing in der Zentralabteilung Personal bei Siemens in München. Aber damit verringere er eben seine Karrierechancen. So sei der Aufstieg in eine Schlüsselfunktion des Konzerns heute ohne Auslandsaufenthalt nicht mehr möglich.Immobilien machen immobil. Das scheint ein typisch deutsches Problem zu sein. Denn im europäischen und internationalen Vergleich sind die Deutschen gerade in puncto Moblität alles andere als flexibel. Nach einer Umfrage des Informationszentrums der deutschen Versicherungen bei 4000 Europäern waren nur 49 Prozent der Deutschen bereit, umzuziehen, wenn es der Job verlangt. In Großbritannien waren es dagegen schon 60 Prozent, in Frankreich gar 64 Prozent. Damit rangieren die Deutschen unter den 15 einbezogenen Ländern auf Platz elf.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.05.2002