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Fit für die Welt

Text und Foto: Astrid Oldekop
Ihre Kombination aus China-Kompetenz und Wirtschaftswissen ist unschlagbar. Die sino-europäische Business School CEIBS in Schanghai ist Shootingstar der MBA-Rankings. Für Deutsche bietet die Schule den idealen Start in eine internationale Karriere.
Im Wasser spiegeln sich die filigranen Fenstergitter aus Suzhou-Ziegeln. Kühle Kreuzgänge verschlucken die Stimmen der Studenten, die in die Mensa strömen. "Im Wasser wohnen die Drachen, sagen die Chinesen." Thorsten Seeger zeigt auf die glatten Wasserflächen zwischen den Gebäuden: "Drachen stehen hier für Talente." In den 18 Monaten an der China European International Business School (CEIBS) hat der 28-jährige Böblinger den MBA gemacht, seine Talente entwickelt und seiner Karriere einen kräftigen Schub verliehen. Im Sommer startet er bei der englischen Bank Barclays in London.

Einzigartige Mischung

Die besten Jobs von allen


Die CEIBS bietet mit ihrer Kombination aus westlichem Business-Know-how und östlicher Erfahrung für Ausländer wie Seeger das ideale Sprungbrett in eine internationale Karriere. Die einzigartige Mischung zeigt sich auch auf dem Campus, wo der sino-amerikanische Stararchitekt I.M. Pei, Schöpfer der Pariser Glaspyramide am Louvre, westliche Klosterarchitektur mit asiatischen Elementen verschmolzen hat. Die spanischen Anspielungen gehen zurück auf den geschäftsführenden Rektor Pedro Nueno.

Die CEIBS in Zahlen
Dauer: 18 Monate in fünf Trimestern
Kosten: 27.500 US-Dollar (für Ausländer)
MBA-Studenten: 180, davon ein Drittel aus dem Ausland; mit durchschnittlich 5,6 Jahren Arbeitserfahrung und mind. 610 GMAT-Punkten
Unterrichtssprache: Englisch
Akkreditierung: Equis; AACSB 2008 erwartet
Executive MBA: berufsbegleitend, 600 Studenten, davon ein Zehntel Ausländer
Orte: MBA nur in Schanghai, EMBA auch in Peking (Campus für 2009 geplant) und Shenzhen
Partner: 30 Schulen in Europa, Asien und USA
Gründungspartner: Europäisches Netzwerk EFMD und die Jiaotong Universität, Schanghai
Die weiten Arkadengänge schützen im feuchtheißen Schanghaier Sommer vor Hitze und sorgen dafür, dass niemand im Juli-Monsun nass wird, wenn er vom Hörsaal oder aus einem der 360 Wohnheimzimmer in die Bibliothek wechselt. Der Garten mit seinen großen Wasserflächen bietet Raum zur Ruhe und überraschende Ecken zum Diskutieren zwischen Bambushainen

In nur zwölf Jahren hat es die CEIBS auf Platz elf der weltweit führenden Business Schools und auf Platz eins in Asien im renommierten Ranking der Financial Times geschafft. In China boomt der MBA-Markt. Viele Anbieter kooperieren mit westlichen Business Schools und haben deren Konzepte übernommen. Unter ihnen sind die Peking-Universität, die Schanghaier Fudan sowie die Qinghua in Peking. Die CEIBS, als von der EU und der chinesischen Regierung gegründetes Joint Venture, sticht als unabhängige Institution heraus und ist daher auch erste Wahl für Deutsche in China

Als sich die Volksrepublik zaghaft gegenüber dem Westen öffnete, baute der Deutsche Rolf Cremer 1982 als Gastdozent in Peking die Vorgängerschule CEMI mit auf, aus der 1994 die CEIBS in Schanghai hervorging. Nach Abstechern nach Macao und Neuseeland kehrte er 2002 nach China zurück. Seit 2004 ist er CEIBS-Dean. "Die Schule ist zugeschnitten auf die Vision, die den chinesischen Wirtschaftsreformen zugrunde liegt, die Öffnungspolitik", resümiert er. In den Gründerjahren transportierte sie westliches Business-Know-how nach China. Heute entsteht etwas Neues, ein echter Austausch zwischen den Kulturen: Je ein Drittel der 40 fest in Schanghai lebenden Professoren kommt aus Europa, China und den USA. "Wir drängen uns in den Kreis der intellektuellen Vorreiter und erforschen internationales Business unter chinesischen Bedingungen", freut sich Cremer. Die Wissenschaftler des "Leadership Behavioural Laboratory" analysieren beispielsweise multi?nationale Diskussionen, Schwerpunkt des "Euro-Chinese Center for Responsibility" ist gesellschaftliche Verantwortung.

Zurück nach Deutschland

Ein Drittel der 180 MBA-Studenten kommt aus dem Ausland, derzeit sind vier Deutsche unter ihnen. In jeder MBA-Arbeitsgruppe ist ein Ausländer - wie die beiden Deutschen Jörg Bentlage und Oliver Bruns, die seit Sommer 2006 in Schanghai und inzwischen gute Freunde sind. Die Unterrichtssprache ist Englisch, aber immer wieder fallen die Teams ins Chinesische zurück. "Manchmal zählt meine Meinung als Westler gar nichts, zum Beispiel wenn es bei China Cases um die Rolle der Regierung als Problemlöser geht", sagt Bentlage. "Bei anderen Themen übernehmen die Kommilitonen ohne Diskussionen meine Argumente." In der Schule lerne man, wie Chinesen arbeiten, sagt der 24-Jährige: "Während wir in Deutschland relativ klar eine Entscheidung treffen, diskutieren die Chinesen immer weiter." Darüber hinaus werde die Anpassungsfähigkeit der Ausländer getestet. Unlängst traf sich die Arbeitsgruppe zum Essen, es gab rohe Innereien. "Augen zu und durch", erinnert sich Bentlage. "Hätte ich nicht gegessen, wäre das nicht die richtige Botschaft gewesen.

Bentlage und Bruns wurden von ihren Unternehmen, den Pharmakonzernen Lanxess und Bayer, nach China geschickt. Ihr Wochenplan ist mit sechs Unterrichtsstunden pro Tag gedrängt, es herrscht Anwesenheitspflicht. Fünf Mal pro Woche büffeln die beiden zusätzlich privat und in der Schule Chinesisch. In den Pausen, beim Essen oder am Wochenende in der Disco sprechen die Kommilitonen Chinesisch untereinander. Die Zeit an der CEIBS reiche zwar nicht aus, um am Ende auf Chinesisch zu verhandeln. Doch die Sprache bleibe der Schlüssel zum Verständnis, ist die Erfahrung des 25-jährigen Bruns: "Wenn ich in einer angespannten Situation in der Arbeitsgruppe zwei chinesische Sätze einwerfe, sind die Lacher auf meiner Seite, die Lage ist gerettet.

Die CEIBS liegt in Pudong, dem Teil der 16-Millionen-Metropole, der in den 90er Jahren auf sumpfigem Hinterland in atemberaubendem Tempo erschlossen wurde. Ein Stadtteil der Superlative: längster Unterwasser-Fußgängertunnel, höchster Fernsehturm Asiens, engste Wolkenkratzer-Dichte. Doch die ländliche Vergangenheit bleibt präsent. Hinter der Schule beackern Bauern ihre Felder. Bentlage und Bruns haben einen Schul-club gegründet, der die Probleme der Bauern anhört, Kleiderspenden sammelt und regelmäßig die Dörfer besucht. Die beiden Deutschen wohnen mit einem Italiener und einem Schweden in einer WG. Bei der Einweihungsparty ohne Karaoke wunderten sich ihre chinesischen Kommilitonen über die fehlende Animation.

Nur am Wochenende fahren die beiden Deutschen mit dem Taxi für fünf Euro die 45 Minuten von Pudong nach Puxi in die Stadtmitte Schanghais. An den Bund, den kolonialen Prachtboulevard am breiten Huangpu-Fluss mit seinen prunkvollen Bank- und Handelshäusern. Oder ins Bonbon oder Attica, Bentlages Lieblingsclubs mit futuristischem Design und internationalen DJs. Französische Restaurants, deutsche Brauhäuser, chinesische SMS-Dating-Partys, Karaoke-Bars - nichts, was es in Schanghai nicht gibt. Die internationale Community ist groß, 8.000 Deutsche leben am Huangpu.

Obwohl den CEIBS-Studenten nicht viel Zeit für das Nachtleben bleibt, sind sie ebenso fasziniert von der Vitalität der Metropole wie die Professoren. "Hier tut sich rund um die Uhr etwas, die Energie dieses Aufbruchs ist überall zu spüren", sagt Oliver Bruns. "Die Stadt ist eine der größten Marken der Business Welt", schwärmt Dean Rolf Cremer. "Hier leben Millionen Menschen voll Optimismus und Selbstvertrauen."

Nach ihrem Studium werden Bentlage und Bruns zu ihren Unternehmen zurückkehren, beide möchten später in China arbeiten. Ihre chinesischen Kommilitonen, ihre Mentoren aus dem berufsbegleitenden EMBA?-Programm - Bruns' Mentor ist Direktor eines Joint Ventures des Autobauers Shanghai Automotive und General Motors - sowie die 5.000 CEIBS-Alumni bieten dafür ein großartiges Netzwerk.

Bruns und Bentlage repräsentieren den neuen Typ des ausländischen CEIBS-Studenten. 80 Prozent der Ausländer, die sich 2004 an der CEIBS eingeschrieben haben, sind in China geblieben. Wer sich vor drei Jahren zum Studium an der CEIBS entschloss, hatte China bereits zu seiner Lebensperspektive gemacht und erst im zweiten Schritt die Schule gewählt. Wer sich dagegen heute einschreibt, wählt meist zuerst die CEIBS. Ob er sein Arbeitsleben in China verbringen wird, ist noch ungewiss. Mit dem steigenden Ausländeranteil steigt deshalb auch die Zahl derjenigen, die nach dem Studium in den Westen zurückkehren, mit der Hoffnung auf ein späteres Expat-Dasein in Asien

Zwar hat das Forbes-Magazin in China die CEIBS zum dritten Mal zu derjenigen Business School Chinas gekürt, die am meisten bringt. Das gilt aber nur für chinesische Absolventen. Ihr Jahreseinkommen liegt mit 30.000 Euro landesweit vorn und steigt am schnellsten. Ausländer, die sofort in China einsteigen, müssen sich an das Landesniveau anpassen und Einbußen hinnehmen, ihr Jahres?einkommen liegt bei 50.000 Euro. "Die CEIBS ist keine Abkürzung zu einem bequemen Expatriat-Dasein", warnt Dean Cremer.

Gleich in China bleiben

Das weiß auch der Deutsche Wolfram Stein. Dennoch sieht der 31-Jährige seine Zukunft im Reich der Mitte, wo er bereits 1997 studiert hat. An der London School of Economics machte er den Master of Sciences und las Konfuzius. Seinen festen Job als Senior Investment Manager bei der Deutschen Beteiligungs AG gab er für das Studium an der CEIBS auf. "Die Chinesen können etwas mit der Marke CEIBS anfangen, schließlich ist sie die beste Business School Asiens", sagt der Bremer.

Zurzeit arbeitet Stein noch hart an seiner Eintrittskarte, der Sprache. Er wohnt in einer WG mit einem Chinesen, mit Freunden chattet er auf Chinesisch, seit Herbst hat er eine chinesische Freundin. Sein Ziel: Aus seinem Umgangs-Chinesisch sicheres Business-Chinesisch zu machen. Dean Cremer begrüßt Steins Entscheidung: "Wer auf Chinas Arbeitsmarkt will, muss sich auf die Sprache einlassen. Es hat nicht viel Zweck, China, die CEIBS, den MBA zu wählen und nicht Chinesisch zu lernen." Wolfram Stein weiß um die Konkurrenz durch hervorragend ausgebildete, Englisch sprechende Chinesen. Der Bremer, der sich den chinesischen Namen Wo Lan, Schlafender Wolf, gegeben hat, weiß aber auch um die Chancen, die ihm China und die CEIBS bieten: "Chinesische Unternehmen fangen an, in Europa zu kaufen. Und europäische Unternehmen, die mit Chinesen sprechen, brauchen einen westlichen Vermittler. Mich."
Dieser Artikel ist erschienen am 26.06.2007