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Finanzspritzen bei Jobverlust

Ulrike Heitze, Katja Stricker
Arbeitslosigkeit nagt nicht nur am Selbstbewusstsein, sondern auch am Geldbeutel. 50 Tipps, wie Sie die Durststrecke zum neuen Job überbrücken, wie es um Arbeitslosengeld und Finanzspritzen bestellt ist und mit welchen Strategien Sie jetzt Ihre Ausgaben in den Griff kriegen.
Einnahmen rauf!

Arbeitslosengeld sofort beantragen

Innerhalb von sieben Tagen nach Erhalt des Kündigungsschreibens persönlich beim Arbeitsamt melden. Gilt auch bei Aufhebungsverträgen. Bei befristeten Verträgen muss man drei Monate vor Ablauf vorstellig werden. Wer diese Fristen versäumt, bekommt bis zu 1.500 Euro weniger Geld.

Die besten Jobs von allen


Anspruchszeiten auf Vollständigkeit prüfen

Arbeitslosengeld gibt es für alle, die in den vergangenen drei Jahren insgesamt 360 Tage beitragspflichtig beschäftigt waren, inklusive Mutterschutz und Elternzeiten. Geld gibt es für unter 45-Jährige maximal ein Jahr lang; vorausgesetzt, man hatte in den letzten sieben Jahre 24 Monate einen versicherungspflichtigen Job. Wer nur zwölf Monate zusammenbekommt, hat sechs Monate Anspruch.

Höhe der Unterstützung checken

Wie viel es gibt, berechnet sich aus dem durchschnittlichen Bruttogehalt der letzten 52 Wochen, inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Obergrenze ist die Beitragsbemessungsgrenze (2003: 61.200 Euro West, 51.000 Euro Ost). Davon werden abgezogen: Einkommensteuer, Soli-Zuschlag und Kirchensteuer (auch für Ausgetretene und Konfessionslose), Beiträge zur Krankenkasse (Durchschnitt aller Kassen) sowie Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Vom so berechneten fiktiven Nettogehalt - meist weniger als das tatsächliche Netto - bekommen Arbeitslose ohne Kinder 60 Prozent, mit Kindern 67 Prozent. Die Sozialversicherungsbeiträge übernimmt das Arbeitsamt.

Private Krankenversicherung ruhen lassen

Arbeitslose werden automatisch in der Gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Das Arbeitsamt zahlt die Beiträge. Privat Versicherte sind in dieser Zeit also doppelt abgesichert und müssen die Kosten für die Private selbst zahlen. Lösung: für die Zeit der Arbeitslosigkeit freistellen lassen oder private kündigen und ganz zurück in die gesetzliche.

Teilzeitwunsch für sich behalten

Arbeitslose, die künftig beispielsweise wegen Kinderbetreuung nicht mehr voll arbeiten wollen, erhalten weniger Geld, als ihnen aufgrund ihrer Vollzeitstelle vor dem Jobverlust zustehen würde. Daher besser nichts von Teilzeitwünschen sagen.

Für Vieljobber: Teilarbeitslosengeld

Wer mehrere versicherungspflichtige Jobs - keine Minijobs - gleichzeitig hat und einen verliert, kann sich teilarbeitslos melden. Voraussetzung: Beim alten Job wurden mehr als 15 Wochenstunden gearbeitet und ein solcher wird wieder gesucht. Geld gibt's für maximal sechs Monate.

Keine Sperre bei der Stütze riskieren

Wer ohne wichtigen Grund selbst kündigt oder einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, bekommt eine Sperre von bis zu zwölf Wochen. Das Gleiche gilt für Arbeitslose, die ein zumutbares Jobangebot vom Arbeitsamt ablehnen oder sich einer Weiterbildung verweigern. Das Geld ist futsch, denn die Sperre verkürzt den Anspruch auf Arbeitslosengeld.
Wichtige - sperrfreie - Gründe für eine Eigenkündigung sind, wenn der Ehe- oder Lebenspartner in eine andere Stadt zieht. Wer sich allerdings nicht rechtzeitig um eine Stelle in der neuen Stadt bemüht, muss trotzdem mit weniger Geld rechnen. Das Arbeitsamt darf keine Sperre verhängen, wenn ein Aufhebungsvertrag nur unterschrieben wird, um einer sicheren betriebsbedingten Kündigung zuvorzukommen.

Weniger Gehalt akzeptieren

Ein Arbeitsloser kann ein Jobangebot vom Arbeitsamt nicht ablehnen, weil es nicht seiner Qualifikation entspricht. In den ersten drei Monaten ohne Job muss ein Lohn von 80 Prozent des früheren Verdienstes akzeptiert werden, danach 70 Prozent, ab dem siebten Monat auf Arbeitslosengeld-Niveau. Pendler müssen bis zu zweieinhalb Stunden für Hin- und Rückfahrt hinnehmen. Ein Umzug ist nach vier Monaten zumutbar. Ausnahmen: bei Arbeitslosen mit berufstätigem Partner, schulpflichtigen Kindern oder kranken Angehörigen. Wer sich weigert, den angebotenen Job anzunehmen, oder das Vorstellungsgespräch mutwillig verpatzt, bekommt eine Sperre von drei bis zwölf Wochen. Während der ersten vier Sperrwochen muss der Arbeitslose seine Krankenversicherung selber blechen. Bei insgesamt 21 Wochen Sperre erlischt der Anspruch auf Arbeitslosengeld komplett. Dann müssen erst neue Anwartschaftszeiten her.

Säumnisstrafen umgehen

Wer ohne wichtigen Grund (wie Krankheit, Vorstellungsgespräch) einen Termin beim Arbeitsamt verpasst, muss mit Strafe rechnen. Beim ersten Mal wird das Geld für zwei Wochen, beim zweiten Mal so lange gestrichen, bis der Delinquent der Vorladung folgt - mindestens aber für weitere vier Wochen. Die Krankenkasse muss er in dieser Zeit selber zahlen.

Auch als arbeitsloser Krankmelden

Das Arbeitslosengeld läuft bei Krankheit in voller Höhe weiter; die Anspruchszeit auch. Ab sechs Wochen Krankheit zahlt die gesetzliche Kasse Krankengeld in Höhe des bisherigen Arbeitslosengeldes. Vorteil: Es mindert die Anspruchsdauer nicht.

Arbeitslosengeld auch im Urlaub > Jobsuchende können bei vollem Arbeitslosengeld bis zu drei Wochen im Jahr Urlaub machen. Wer länger bleibt, riskiert die Unterstützung. Urlaub, auch Kurztrips, mindestens eine Woche im Voraus genehmigen lassen. Das Okay gibt es meist auch nur kurzfristig. Es kann verweigert werden, wenn ein Stellenangebot ansteht.

Abfindung unangetastet kassieren

Wer einen Rauswurf mit verkürzter Kündigungsfrist akzeptiert und dafür eine Abfindung bekommt, muss während der gesamten Frist ohne Arbeitslosengeld auskommen oder so lange, bis gewisse Teile der Abfindung aufgebraucht sind. Wurde die Kündigungsfrist eingehalten, bleibt die Abfindung komplett unangetastet. Wichtig: So lange es kein Geld gibt, zahlt das Amt keine Sozialversicherungsbeiträge.

Nebenher verdienen

Arbeitslose dürfen nebenher arbeiten - angestellt oder selbstständig, aber weniger als 15 Stunden pro Woche. Der Nebenverdienst mindert das Arbeitslosengeld. Aber: Man darf monatlich 20 Prozent der Stütze, mindestens 165 Euro, ohne Kürzung dazuverdienen. Wichtig: Das Amt über jeden Nebenjob informieren, sonst drohen Sanktionen.

Praktikum machen

Fällt bis acht Wochen unter betriebliche Weiterbildung inklusive Arbeitslosengeld. Zudem werden Fahrtkosten und unter Umständen Teile der Unterbringungskosten erstattet. Gibt es Geld, gelten die Anrechnungsregeln für Nebenverdienst. Das Praktikum muss vom Arbeitsamt abgenickt werden. Praktika in anderen Städten werden anstandslos genehmigt, wenn es kein vergleichbares Angebot am Wohnort gibt. Was "vergleichbar" ist, liegt im Ermessen des Amtes.

Selbstständig machen...

Wer Anspruch auf Arbeitslosengeld oder -hilfe hat, kann Überbrückungsgeld oder einen Existenzgründungszuschuss für eine Ich-AG bekommen. Leute mit viel Arbeitslosengeld fahren mit Überbrückungsgeld besser. Beide Zuschüsse müssen bei einer Pleite nicht zurückgezahlt werden. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld wird eingefroren. Restansprüche bleiben bis zu vier Jahre nach der Gründung bestehen.

... mit Überbrückungsgeld

Diesen Zuschuss gibt es sechs Monate lang in Höhe des Arbeitslosengeldes plus 65,5 Prozent für die Sozialabgaben. Der Gründer muss sich selbst versichern. Das Geld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Zwei Haken: Die Förderung gibt es nur so lange, wie Geld in der Staatskasse ist. Eine Erfolgsprognose einer fachkundigen Stelle, etwa Handelskammer, Fachverband oder Steuerberater, ist nötig.

... als Ich-AG

Zuschuss: drei Jahre lang, im ersten monatlich 600, im zweiten 360 und im dritten Jahr 240 Euro - insgesamt 14.400 Euro. Voraussetzung: Der Gewinn (Umsatz minus Kosten) pro Jahr bleibt unter 25.000 Euro. Vorteile: Rechtsanspruch auf Förderung. Ein offizielles Gutachten zur Erfolgsaussicht wird nicht verlangt. Seit neuestem dürfen Mitarbeiter eingestellt werden. Rentenversicherung ist Pflicht (West: 230 Euro/Monat, Ost: 195 Euro). Krankenversicherung in Eigenregie.

Mit Arbeitslosenhilfe anknüpfen

Arbeitslosenhilfe kann im Anschluss ans Arbeitslosengeld beantragt werden. Berechtigt ist jeder, der im letzten Jahr mindestens einen Tag Arbeitslosengeld bekommen hat und als bedürftig durchgeht.
Bedürftig ist, wer mit Einkommen oder Vermögen unter der ihm zustehenden Arbeitslosenhilfe bleibt. So gut wie jegliche Einkünfte werden angerechnet - auch die von Ehe- und Lebenspartnern -, ebenso vermietete Immobilien und in der Regel die Altersvorsorge. Ungestraft behalten darf man 200 Euro Geldvermögen pro Lebensjahr und Nase, meist eine angemessene Wohnung/Haus sowie Auto. Der Rest muss verscherbelt werden, wenn man Arbeitslosenhilfe erhalten möchte.
Höhe: 53 Prozent vom fiktiven Nettolohn (57 Prozent für Eltern), wird jährlich gekürzt. Dauer: zeitlich unbegrenzt.

Unterhalt steuerlich absetzen

Wird einem Arbeitslosen die Stütze verweigert, weil der Lebens- oder Ehepartner zu viel verdient, kann dieser seine monatliche Unterstützung steuermindernd als außergewöhnliche Belastung absetzen.

Private Versicherung anzapfen

Wer rechtzeitig eine private Arbeitslosenversicherung abgeschlossen hat, kann sich jetzt je nach Vertrag die Raten fürs Eigenheim oder Auto zahlen lassen, Beiträge für Versicherungen abwälzen oder damit das gesetzliche Arbeitslosengeld aufstocken.
Ob so eine Versicherung sinnvoll ist, muss jeder für seinen eigenen Schuldenberg kalkulieren. Denn: die Tarife sind teuer, müssen auch im Versicherungsfall weitergezahlt werden; die Versicherung zahlt erst nach mehrjähriger Berufstätigkeit.

Mobi-Hilfen nutzen

Das Arbeitsamt greift (ehemaligen) Arbeitslosen bei der Job-Aufnahme unter die Arme (siehe unten). Mobi(litäts)-Hilfen können alle Arbeitslosen beantragen, egal ob Anspruch auf Arbeitslosengeld/-hilfe oder nicht. Auch berechtigt: alle von Arbeitslosigkeit Bedrohten. Nachweis mit Kündigung oder befristetem Arbeitsvertrag. Mobi-Hilfen gibt es nur, so lange Geld im Haushalt ist. Alle Förderungen müssen vor Jobantritt und Inanspruchnahme beantragt werden.

Pendeln bezahlen lassen

Wer einen neuen Job annimmt, kann sich sechs Monate lang die Hin- und Rückfahrt sponsern lassen: in der Regel Bundesbahn-Kosten, bei schlechter Anbindung auch per Auto.

Zweitwohnung sponsern lassen

Wer sich statt Pendeln eine Zweitwohnung leistet, kann die "Doppelte Haushaltsführung/Trennungskostenbeihilfe" kassieren: Fürs erste halbe Jahr im neuen Job gibt es 260 Euro/Monat. Für Paare und Singles.

Umzug finanzieren lassen

Wer außerhalb des Tagespendelbereichs (150 Minuten Fahrzeit/Tag) einen Job antritt, kann bis zu 4.500 Euro Umzugshilfe für Speditionskosten bekommen - im Inland für alle Arbeitslosen und Jobbedrohten, ins Ausland nur für Geld-/Hilfe-Bezieher. Kann innerhalb der ersten zwei Jahre nach Jobantritt in Anspruch genommen werden.

Übergangsbeihilfe leihen

1.000 Euro auf Pump für den Lebensunterhalt bis zum ersten Gehalt.

Bewerbungskosten erstatten lassen

Bis zu 260 Euro/Jahr für Bewerbungsfotos, Mappen, Porto etc. Gezahlt wird gegen Quittung ab dem Tag der Meldung .

Arbeitsamt bezahlt Anreise

Zahlt das zum Bewerbungsgespräch einladende Unternehmen die Reisekosten nachweislich nicht, springt das Arbeitsamt bis zu 300 Euro im Jahr ein.

Vermittlungsgutschein abholen

Wer Anspruch auf Arbeitslosengeld/-hilfe hat und nach drei Monaten noch auf der Straße steht, bekommt einen Vermittlungsgutschein und bezahlt damit einen privaten Arbeitsvermittler seiner Wahl. Wert der Scheine: 1.500 Euro bei drei bis sechs Monaten ohne Job, 2.000 bei sechs bis neun und 2.500 Euro ab neun Monaten.

Für Bewerbungen trainieren lassen

Arbeitslose und von Jobverlust Bedrohte können an Bewerbungs- und Berufsqualifikationstrainings teilnehmen. Dauer: bis zu acht Wochen für Praktika und berufliche Kurse, plus vier Wochen für Bewerbungstrainings. Gezahlt werden zum Beispiel Kursgebühren, Fahrtkosten und Prüfungsgebühren. Zusätzlich gibt's für Anspruchsberechtigte weiter Arbeitslosengeld/-hilfe.

Per Bildungsgutschein lernen

Das Arbeitsamt fördert die Teilnahme an Kursen, die berufliche Kenntnisse beibringen, erweitern oder auf dem neuesten Stand halten. Meist als Vollzeitveranstaltung, unter Umständen auch in Teilzeit, berufsbegleitend oder in Fern-/Selbststudium, falls nötig auch im Ausland.
Der so genannte Bildungsgutschein berechtigt zur Teilnahme an einem zugelassenen Kurs, den der Arbeitslose selbst suchen kann und dann bezahlt bekommt. Vorlage beim Arbeitsamt vor Seminarstart. Zeitgleich muss noch ein Antrag auf Förderung gestellt werden. Geld gibt es nur so lange, wie die Haushaltskasse gefüllt ist.
Den Gutschein bekommen: Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte versicherungspflichtig Arbeitende. Bezahlt werden der Kurs, Fahrtkosten, Hotel, Verpflegung, Kinderbetreuung. Wer Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann zusätzlich Unterhaltsgeld für seine Lebenshaltung bekommen, weil das Arbeitslosengeld beim Kursbeginn endet. Unterhalt gibt es beim Vollzeitkurs in Höhe von Arbeitslosengeld oder -hilfe, reduziertes Teilunterhaltsgeld ab einem Zwölf-Stunden/Woche-Kurs.

Ausgaben von der Steuer absetzen

Arbeitslose, die Lehrgänge besuchen, um sich beruflich weiterzubilden, können nicht vom Arbeitsamt übernommene Kosten von der Steuer absetzen - und zwar auch als vorab entstandene Werbungskosten. Das mindert in einem späteren Jahr die Steuerlast. Gilt auch für Bewerbungskos-ten, Fahrten zum Arbeitsamt und zur Fortbildung, Fachliteratur und (vor der Arbeitslosigkeit anerkannte) Arbeitszimmer.
Ausgaben runter!

Problem ernst nehmen

Klingt banal, trotzdem tun es die wenigsten. Nach dem Rauswurf gönnen sich viele erst mal einen Urlaub, um den Schock zu verdauen. Erst peu à peu dämmert die Erkenntnis, dass 60 Prozent vom Nettoverdienst verdammt wenig für den aktuellen Lebensstandard sind und die Suche länger dauern kann als geahnt. Deshalb sofort: Kosten runter.

Haushaltsbuch führen

Ist ein echter Augenöffner. Bei den Kosten auch an die (viertel-)jährlich anfallenden Rechnungen für Kfz-Steuer, Versicherungen oder Nebenkostennachzahlungen denken. Häufige Erkenntnis: Wenige große, meist fixe Ausgaben pro Monat und viele, viele kleine von Eis bis Kino. Die Hälfte davon sparbar.

Kleinvieh macht Ganz viel Mist

Das Schnell-Spar-Programm: ADAC-Mitgliedschaft kündigen (bei Panne kann man gleich wieder eintreten), Fitnessstudio gegen Lauftreff oder Verein tauschen, DVDs statt aus der Videothek in der Stadtbücherei leihen, Kreditkarte abschaffen, TV-Magazin kündigen (in der Tageszeitung liegt auch eines), übrige Abos durchforsten, Tankstelleneinkäufe sind tabu, Arbeitslosentarife in Schwimmbädern oder Kino nutzen, bei Tauschringen mitmachen (www.tauschring.de).

Luxus besser timen

Friseurbesuche strecken, einmal statt dreimal pro Woche in die Kneipe, einmal gut statt viermal mäßig Essen gehen, Kinotage, All-you-can-eat-Abende und Happyhours nutzen, Großanschaffungen über Ebay oder Fabrikverkäufe, Urlaub in der Nachsaison.

Versicherungen checken

Ausmisten ist angesagt: Welche Verträge sind überflüssig? Wer es finanzieren kann, sollte die Beitragszahlung auf jährlich umstellen - spart bis zu zehn Prozent. Bei den Raten nicht schludern, ruckzuck ist der Schutz weg. Arbeitslose haben keine Lobby.

Von Zuzahlungen befreien lassen

Wer weniger als 952 Euro pro Monat bekommt (Single; 1.309 Euro mit einem Angehörigen), wird von der Krankenkasse von den Zuzahlungen für Rezepte befreit.

Kfz-Versicherung herabstufen

Müssen Voll- oder Teilkasko tatsächlich sein oder reicht die normale Haftpflicht?

Kapital-LV einfrieren

Lebensversicherungen komplett zu kündigen ist selten sinnvoll. Meist sind die Verluste hoch und der Versicherungsschutz erlischt. Besser:
1) Beiträge ganz oder teilweise stunden lassen, heißt: die Raten werden herab- oder ausgesetzt. Vertrag kann später reanimiert werden.
2) Vertrag beitragsfrei stellen. Bis zum Laufzeitende wird nicht mehr eingezahlt, Versicherung kann nicht wiederbelebt werden, am Ende gibt es das bis zur Freistellung eingezahlte Kapital.
3) Laufzeiten strecken oder Versicherungssummen herabsetzen. Reduziert die Beiträge.
4) Laufende Beiträge werden aus den bereits angesammelten Überschüssen gezahlt. Anspruch hat man nur auf Kündigung und Freistellung, der Rest ist Kulanz.

Hausratversicherung verzichtbar

Würde es einen ruinieren, wenn der Hausstand durch Wasserschaden oder Einbruch flöten geht? Wenn nein: Vertrag kündigen.

Rechtschutz abschaffen

Bei knappem Budget eher die Luxusversicherung. Arbeits- und Sozialrechtsprozesse (etwa gegen das Arbeitsamt) sind relativ günstig.

Haftpflicht behalten

Die Schäden, die man durch kleine Missgeschicke anrichten kann, können einen lebenslang ruinieren. Ist daher für jeden ein Muss.

Berufsunfähigkeit nicht antasten

Da dieser Vertrag die Arbeitskraft für die Zukunft absichert, sollte das der absolut letzte Vertrag sein, der gekündigt wird. Bei BUs mit Kapitallebensversicherung besteht häufig die Möglichkeit, Beiträge aus dem angesparten Kapital zu bezahlen. Der Risikoschutz bleibt bestehen, die Kapitalauszahlung am Schluss fällt geringer aus. Alternativ: den LV-Beitrag einfrieren und nur noch den Risikoschutz zahlen.

Sparverträge ausmisten

Hier ist eine Kosten-Nutzen-Analyse zwingend. Was bringt das Auflösen des Vertrags? Kann man Sparraten einfrieren oder reduzieren? Wie sieht die Verzinsung dann aus? Riskiert man Boni bei vorzeitiger Kündigung? Braucht man das Geld dringend oder kann man bis zum Laufzeitende warten? Beratung bei Bank oder Verbraucherzentrale.

Depot im Auge haben

Wer wegen akuter Geldnot gezwungen ist, Aktien und Fonds zu Niedrigkursen zu verkaufen, hat Pech gehabt. Wer es sich leisten kann, sollte auf bessere Zeiten warten - und dann aber verkaufen. Sonst sind die Kurse wieder im Keller, wenn Geld gebraucht wird. Eher Anleihen als Aktien verscherbeln. Die sind weniger schwankungsfreudig.

Kredit-/Leasing-Raten reduzieren

So schnell wie möglich weg mit den Schulden. Eine Abfindung wäre hier gut investiert. Hilfe für alle, die sich das nicht leisten können: Darlehensraten runtersetzen. Haken: Kredit läuft länger und wird teurer.
Vorsicht: Wer allzu zahlungsunfähig daherkommt, läuft Gefahr, dass ihm der Kredit oder der Leasing-Vertrag direkt gekündigt wird - Gleiches gilt bei ausstehenden Raten. Und wenn Haus oder Auto unter Wert versteigert werden, muss der Kunde die Differenz auch noch abstottern.
Deshalb vor einem Gespräch sein Vertrauen zum Kundenberater hinterfragen.

Wohnung untervermieten

Wer eine teure Wohnung hat, will sich den Fixkostenblock oft mit einem Umzug vom Hals schaffen. Schlechte Idee, denn: Jeder Umzug geht ins Geld, Arbeitslose kriegen schwerer schöne Wohnungen und womöglich muss man für einen neuen Job noch mal umziehen.
Alternative: Untervermieten. Ist das im Mietvertrag nicht ausgeschlossen, darf ein Vermieter einen Dauergast nur ablehnen, wenn der wirklich unzumutbar ist.
Das hartzt auf Sie zu

Geplante Änderungen ab 1.1. und 1.4.2004:

Schneller Geld weg: Sperrzeiten - egal, aus welchem Grund - werden addiert. Bei einer Gesamtdauer von 21 Wochen erlischt der Anspruch auf Arbeitslosengeld komplett. Neu: Auch Sperren für Eigenkündigung zählen dazu. Wer also selbst kündigt und dafür zwölf Wochen gesperrt wird, hat nur noch neun Wochen für spätere Sperren.

Verschärfte Bedingungen: Die Rahmenfrist für Anwartschaftszeit wird von drei auf zwei Jahre verkürzt. Wer in dieser Zeit zwölf Monate sozialversicherungspflichtig angestellt war, hat Anspruch auf Arbeitslosengeld. Die verkürzte Sechs-Monats-Anwartschaft für Wehr- und Zivildienstler entfällt

Weniger Nebenverdienst: Beim Zubrot entfällt der relative Freibetrag von 20 Prozent des Arbeitslosengeldes; für alle gelten dann einheitlich 165 Euro im Monat. Wer mehr verdient, bekommt den Verdienst auf die Unterstützung angerechnet. Minimalstütze: Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe werden zum Arbeitslosengeld II: 297 Euro/West, 285 Euro/Ost plus 140 Euro Kinderbonus.
Arbeitslos nach dem Diplom

Für Studenten, die nach dem Abschluss keinen Job finden, sieht es in Sachen Arbeitslosengeld düster aus. Die wenigsten haben durch Nebenjobs oder die Zeit vor dem Studium die erforderlichen Anspruchsvoraussetzungen erworben.

Das gibt's: Bis zu 260 Euro für Bewerbungskosten, Fahrtkosten fürs Vorstellungsgespräch und bis zu 4.500 Euro Umzugsbeihilfe, um dem neuen Job hinterherzuziehen. Unter Umständen wird sogar Weiterbildung gesponsert, allerdings nur die Lehrgangs- und keine Lebenshaltungskosten.

Das gibt's nicht: Überbrückungsgeld, Ich-AG-Zuschüsse sowie Vermittlungs- und Weiterbildungsgutscheine.

Voraussetzung für Zuschüsse: Arbeitslosmeldung bei den Hochschulteams der Arbeitsämter. Damit handelt sich der Ex-Student auch alle Rechte und Pflichten eines Arbeitslosen ein.

Last Exit Sozialhilfe: Absolventen können sich um Sozialhilfe bemühen, das Vermögen der Eltern und des Lebenspartners wird bei der Bewilligung allerdings angerechnet.

Krankenkasse: In der Krankenversicherung kann der Jobsuchende nicht mehr als Student versichert bleiben, es sei denn, er schreibt sich noch mal für ein anderes Fach ein. Alternativ kann er zurück in die Familienversicherung der Eltern, sofern er noch keine 25 ist, möglicherweise beim Ehepartner familienversichert werden oder sich selbst versichern. In der freiwilligen gesetzlichen Kasse kostet das rund 120 Euro pro Monat, in der privaten Versicherung abhängig vom Alter, dem gewählten Tarif und dem Gesundheitszustand. Unter Umständen beteiligt sich das Sozialamt.

Schlaumacher

Eine umfangreiche Link- und Literaturliste haben wir für Sie bereitgestellt: www.jungekarriere.com/ArbeitslosigkeitzumNachschlagen
Dieser Artikel ist erschienen am 25.09.2003