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Finanzierung von Startups

Malte Brettel
Die Zeiten für Jungunternehmer sind härter geworden. Bekamen sie 1999 für fast jede Idee das notwendige Geld, so sind die Investoren heute kritischer.
Die Zeiten für Jungunternehmer sind härter geworden. Bekamen sie 1999 für fast jede Idee das notwendige Geld, so sind die Investoren heute kritischer: Wenn Gründer überhaupt einen Wagnisfinanzierer für ihr Konzept begeistern können, müssen sie teilweise große Abschläge bei der Bewertung des Unternehmens hinnehmen. Und je niedriger die Bewertung, desto höher ist - bei gleichem Investment - der Anteil des Wagniskapitalgebers (Venture Capitalist, VC). Doch die Bewertung ist gar nicht entscheidend. Viel wichtiger sind die Klauseln, mit denen der Beteiligungsvertrag gespickt ist. So erklärte mir kürzlich ein Wagnisfinanzierer: "Wenn ich die Klauseln nach meinen Wünschen gestalten kann, streite ich mich bei der Bewertung nicht um ein paar Millionen."

Die Fußangeln warten schon bei der Verhandlung: Bei der Bewertung Ihres Unternehmens müssen Sie zwischen Pre-money und Post-money unterscheiden. Im ersten Fall ist der Unternehmenswert vor der Finanzierungsrunde gemeint, Post-money bezeichnet den Unternehmenswert inklusive des durch den VC eingebrachten Kapitals. Will ein VC also zwei Millionen Euro in ein Unternehmen investieren, so erhält er bei einer Pre-money-Bewertung von vier Millionen Euro einen Anteil von 33 Prozent: Zum Wert von vier Millionen Euro werden seine zwei Millionen Euro addiert und dann der Anteil berechnet. Bei einer Post-money-Bewertung enthalten die vier Millionen Euro bereits das eingebrachte Kapital - der Anteil des Kapitalgebers beträgt also 50 Prozent. Keine Frage, was Gründern lieber sein sollte.

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Wichtig ist auch, was bei einem Verkauf des Unternehmens passiert. Oft behalten sich VC Liquidationspräferenzen vor. Bei einem Verkauf erhalten sie einen Teil der Verkaufssumme vorab ausgezahlt. Erst dann werden die Auszahlungsbeträge anteilig berechnet. Besitzt ein VC 30 Prozent eines Unternehmens, in das er zwei Millionen Euro gesteckt hat, und hat er sich eine einfache Liquidationspräferenz gesichert, so erhält er bei einem Verkauf für zehn Millionen Euro vorab seine zwei Millionen Euro ausgezahlt - und dann vom Restbetrag von acht Millionen Euro auch noch 30 Prozent, also 2,4 Millionen Euro. Hat er sich sogar eine zweifache Liquidationspräferenz vorbehalten, wird ihm vorab die doppelte Investitionssumme ausgezahlt. Was das in Zeiten bedeutet, in denen Börsengänge schwierig und Unternehmensverkäufe oft der einzige Ausweg sind, ist leicht nachzuvollziehen.

Spannend ist aber auch die Frage, an welche Meilensteine die Finanzierung geknüpft ist. Hat ein junger Gründer einen bestimmten Umsatz in seinen Businessplan geschrieben, so wird dieser im Vertrag mit dem VC oft als zu erreichendes Ziel aufgenommen. Das wird mitunter als so genannter "Ratchet" bezeichnet. Wird das Ziel nicht erreicht, so hat der Kapitalgeber unter Umständen einen Anspruch auf einen höheren Eigenkapitalanteil. Realisieren kann er das durch eine Wandelanleihe, die er in Aktien umwandelt, falls das Ziel verfehlt wird. Damit steigt sein Anteil, ohne dass er weiteres Geld in das Unternehmen investiert.

Das wird mitunter trickreich eingefädelt: Erst verhandelt der VC über seinen Anteil und offenbart dann, dass er einen Teil als Wandelanleihe investiert. Das begleitet er durch den Satz: "Die Anleihe wird nur gewandelt, wenn Sie als Unternehmer Ihre von sich selbst gesetzten Umsatzziele nicht erreichen. Aber das ist ja sehr unwahrscheinlich." Was kann ein Jungunternehmer dem schon entgegnen, da er die Umsätze doch selbst prognostiziert hat?

Daneben existieren noch eine Reihe weiterer Vertragsklauseln, die die Bewertung oder die Rechte der Parteien beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel Drag-along-Rechte oder -Pflichten, also in der Regel die Pflicht eines Jungunternehmers, seine Anteile mit zu verkaufen, wenn der Investor das tut. Diese Pflicht kann sich vor allem in Kombination mit einer Liquidationspräferenz negativ auswirken. Diese und die weiteren Klauseln sollte man sich als Unternehmer genau ansehen und auch rechtlich prüfen lassen. Sonst ensteht ein Vertragsgebilde, das im Ernstfall unter dem Druck der Klauseln wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.07.2001