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Finanzchef Fiebig: Ein kühler Rechner, ein mutiger Radler

Von Eberhard Krummheuer
Norbert Fiebig tritt am heutigen Dienstag seinen Posten als Finanzvorstand bei Rewe an. Merken wird das wohl vor allem die Touristiksparte, das zweite Standbein neben dem Handel.
FRANKFURT. Auf den ersten Blick hielt ihn mancher aus der Branche nicht unbedingt für die erste Wahl: Was wollte der nüchterne Zahlenmensch Norbert Fiebig, der so emotionslos, so staubtrocken wirkt, ausgerechnet in der ein wenig schillernden Welt der Touristiker? Zehn Jahre ist das her: Finanzfachmann Fiebig war im Gefolge des damaligen Bahnvorstands Heinz Neuhaus von Mannesmann zur Bahn gekommen und Geschäftsführer des Reiseveranstalters Ameropa geworden.Für den 46-Jährigen hat sich seine Flexibilität bezahlt gemacht. Ab heute ist Fiebig neuer Finanzvorstand der Handels- und Touristikgruppe Rewe. Dort soll er mithelfen, die beiden Bereiche des Konzerns besser zu integrieren und das Touristikgeschäft an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Denn wie sein Vorgänger Gerd Bruse ist Fiebig auch Rewe-Touristikvorstand.

Die besten Jobs von allen

Bruse hielt sich allerdings aus dem Touristikgeschäft weitgehend heraus. Spekulationen, dass das mit ihm nun anders werde, würde Fiebig wohl zurückweisen. Sein Ehrgeiz ist mit taktischer Zurückhaltung gepaart, und bei aller Zielstrebigkeit entspricht es seinem Naturell nicht, schon vor dem Amtsantritt in Köln für Unruhe zu sorgen.Dennoch bedeutet der Karrieresprung für den Rheinländer aus dem Dorf Düssel ? bei Wuppertal, nicht zu verwechseln mit der Stadt am Rhein ? nicht allein die Rückkehr eines Zahlenmenschen zu seinen Wurzeln. In seinem neuen Doppeljob kann Fiebig seine Stärken endlich voll entfalten.Nicht nur wegen des abrupten Wechsels in der Führungsriege haben sich die Zeiten bei Rewe geändert. Die Touristiker führten lange im Konzern der Händler ein Eigenleben. Geführt wurden die Aktivitäten von zwei Urgesteinen der Branche, die beide als ?Sprecher? der nicht einmal als Dachmarke existierenden Rewe Touristik agierten: Peter Landsberger leitete in Frankfurt die ?Bausteintouristik? der DER-Gruppe (Deutsches Reisebüro) um die Veranstalter Dertour, Meier?s Weltreisen und ADAC Reisen. Dietmar Kastner ist der Boss der Pauschaltouristik in Köln mit Veranstaltermarken wie ITS, Jahn-Reisen, Tjaereborg und einer Beteiligung an der Ferienfluggesellschaft LTU.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Fiebig ist keineswegs ein lockerer Schlaks.Als Landsberger 2004 in Ruhestand geht, wird Fiebig, seit 1997 bei Rewe, DER-Chef. Seitdem wurde in der Branche wiederholt gemunkelt, das Führungsduo habe ein Generationen-, ja sogar ein Harmonieproblem. Sollte es so sein, wird es auf dem Arbeitsplan des jungenhaft wirkenden, die meisten seiner Gesprächspartner jedoch überragenden Managers aber kaum an erster Stelle stehen. Das Touristikgeschäft, das sich nach Attentaten, Krisen und Kriegen mühsam berappelt hat, ist in vielerlei Hinsicht im Umbruch: So stellt der Boom der Billigflieger die klassische Pauschalreise in Frage, und das Internet verändert radikal die Buchungsgewohnheiten, die den Vertriebsweg Reisebüro erschüttern.Außerdem muss sich Fiebig als neuer Vorstand mit einem millionenschweren Spezialproblem der Rewe-Gruppe befassen ? der Zukunft der seit Jahren kränkelnden Airline-Beteiligung LTU.Wer in Fiebig bisher den lockeren Schlaks sah, der gerne im Tonfall seiner Heimat freundlich gemeinte Frotzeleien an den Mann bringt, wird andere Seiten kennen lernen: den bis zur Arroganz kühlen Analytiker, den harten Verhandler, der unangenehme Wahrheiten anspricht.Denn kräftig zu würzen ? das versteht der begeisterte Hobbykoch. Hindernisse schrecken ihn nicht, überquert er doch als Freizeitradler sogar Alpenpässe.In Frankfurt sieht man ihn ungern gehen. Sein kooperativer Führungsstil und sein direkter Umgang mit Mitarbeitern machen Fiebig zum beliebten Chef. Dass er die Aufgabe in Köln meistert, ist zumindest für Walter Krombach klar, als Ameropa-Geschäftsführer vor zehn Jahren Zeuge von Fiebigs Einstieg in die Touristik: ?Als Bruse ging, war für mich klar, dass Fiebig das macht. Es gibt einfach keinen Besseren.?
Dieser Artikel ist erschienen am 04.10.2005