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Fehler

Fehler passieren. Auf Denglish "Shit happens." Fehler zu machen ist im Privatleben wie im Beruf normal, und auch eigentlich nicht der Rede wert, denn die wenigsten Fehler werden mit Absicht gemacht. Jeden Fehler vermeiden zu wollen, ist eine gewaltige Anstrengung, die unterm Strich garantiert erfolglos und obendrein noch nicht einmal wirklich sinnvoll ist, sieht man von Diktaten, Mathematikhausaufgaben und Kochrezepten einmal ab.
Fehler passieren. Auf Denglish "Shit happens." Fehler zu machen ist im Privatleben wie im Beruf normal, und auch eigentlich nicht der Rede wert, denn die wenigsten Fehler werden mit Absicht gemacht. Fehler und ihre Folgen können zwar unangenehm, peinlich, ärgerlich, teuer oder sonst wie unerfreulich sein. Aber jeden Fehler vermeiden zu wollen, ist eine gewaltige Anstrengung, die unterm Strich garantiert erfolglos und obendrein noch nicht einmal wirklich sinnvoll ist, sieht man von Diktaten, Mathematikhausaufgaben und Kochrezepten einmal ab.Die Energiesparer folgern daraus gerne, dass die ideale Lösung im Nichtstun liegt: "Wer etwas macht, macht Fehler. Wer nichts macht, macht keine Fehler und wird befördert." (Reinhard K. Sprenger: Das Prinzip Selbstverantwortung, S. 192) Diese Sicht der Dinge hat etwas Einleuchtendes. Ein Erfolgsrezept für eine steile Karriere ist sie jedoch in Wirklichkeit eher selten.

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Fehler erkennen. Dass völlige Fehlerfreiheit ein kaum erreichbares Ziel ist, macht Fehler an sich noch lange nicht zu lächerlichen Lappalien im großen Strom des Lebens. Wer einen Fehler macht, ärgert andere oder manchmal nur sich selbst (was auch schon schlimm genug sein kann). Deshalb bemüht er sich in der Regel darum, möglichst wenige Fehler zu machen. Und dafür gibt es ein paar gute Methoden:
  • Sie können schon im Vorfeld nach möglichen Fehlerquellen suchen und versuchen, sie so gut wie möglich unter Kontrolle zu bekommen. Ein paar Fragen an erfahrenere Kollegen fördern vielleicht nervtötende Banalitäten, aber garantiert auch ein paar wertvolle Ratschläge zutage. Was könnte alles schief gehen? Wo sind die Schwachpunkte? Welche wichtigen Details könnten übersehen werden? Wer könnte sich als unzuverlässig erweisen? Wenn Sie die Antworten darauf auswerten, ist das eine ideale Grundlage für eine Checkliste. Und die ist Fehlervermeider Nummer eins.


  • Fehlervermeider Nummer zwei: Es lohnt sich, nicht nur das auf Fehler zu kontrollieren, was Sie sehen, zum Beispiel in Berichten, Kalkulationen, Angeboten, Ablaufplänen, Checklisten - sondern auch systematisch nach Dingen suchen, die dort nicht zu sehen sind. Zum Beispiel, dass der Auftritt auf der Messe zwar bis ins kleinste Detail geplant und kalkuliert ist, aber nie jemand daran gedacht hat, auch eine Versicherung dafür abzuschließen. So etwas könnte ins Auge gehen.


  • Die meisten Fehler werden erst in dem Moment problematisch, in dem sie von anderen erkannt werden. Also ist es garantiert keine Zeitverschwendung, frühzeitig nach Fehlern zu suchen, die Sie vielleicht schon gemacht haben, aber noch ausbessern könnten, bevor sie an die Öffentlichkeit (Ihren Chef, Ihre Kunden, Ihre Partner) gelangen. Zum Beispiel durch Korrekturlesen, Technik-Proben oder doppelte Kontrolle (denglisch: double-check) durch einen Vertrauten.


  • Je mehr Fehler Sie finden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich irgendwo noch weitere verstecken. Das sollte im Kopf behalten, wer schon über die ersten entdeckten Fehler in Hektik gerät. Klar ist es wichtig, sich um Korrektur zu bemühen, aber genauso wichtig ist es, den Blick für das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Sonst sind am Ende fünf Fehler gründlich beseitigt - und drei andere bleiben unentdeckt, bis es zu spät ist.
  • Fehler zugeben. Wer einen Fehler gemacht hat und befürchtet oder weiß, dass er nicht folgenlos bleiben wird, der hat keine Wahl: Er muss seinen Fehler zugeben, ohne lange Rechtfertigungsreden die Verantwortung dafür übernehmen und seine Arbeitsumgebung genau informieren. (Chefs trifft es hier besonders hart, denn sie müssen im Zweifel die Verantwortung für Fehler ihrer Mitarbeiter übernehmen.) Das Ganze ist möglichst frühzeitig fällig, denn dann bleibt wenigstens noch Zeit für Rettungsversuche; außerdem macht es einfach einen besseren Eindruck, wenn man zu seinen Fehlern steht, anstatt zitternd darauf zu warten, dass die anderen irgendwann dahinter kommen. Und das eindeutig Beste ist es, zusammen mit der Beichte gleich den einen oder anderen Lösungsvorschlag zu präsentieren.So weit jedenfalls das, was der Anstand für den Umgang mit Fehlern vorsieht. Niemand behauptet, dass es immer einfach ist, so zu handeln. Wesentlich simpler ist es natürlich, Fehler zu vertuschen in der Hoffnung, dass keiner was merkt (und wenn doch: dass keiner herausfindet, wer dafür verantwortlich ist) oder Fehler auf andere zu schieben ("Was der Meyer mir als Arbeitsgrundlage geliefert hat, war unter aller Kanone!")Aus Fehlern lernen. Es gibt Leute, die halten es für den goldenen Mittelweg, sich mit einem gemurmelten "Tut mir Leid" aus der Affäre zu ziehen. Das ist ja schließlich fast so etwas wie eine Entschuldigung. Doch mit der ist es nun mal nicht getan: Fehler ausbessern und es beim nächsten Mal besser machen, ist genauso angesagt. Wer diesen Teil der Fehlerbewältigung regelmäßig überspringt, gemütlich immer wieder dasselbe falsch macht und hinterher anderen das Aufräumen überlässt, hat wenig Chancen darauf, zum Mitarbeiter des Monats gewählt zu werden.
    Dieser Artikel ist erschienen am 17.05.2004