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Externe Manager übernehmen bei Otto

Nach 26 Jahren an der Spitze des Handels- und Dienstleistungskonzerns will sich Michael Otto im Oktober dieses Jahres in den Aufsichtsrat zurückziehen. In Zukunft sollen seit 26 Jahren wieder familienfremde Manager an der Spitze des Konzerns stehen.
Hans-Otto Schrader wechselt an die Spitze der Otto Group. Foto: dpa
HB HAMBURG. Mit Hans-Otto Schrader und seinem Stellvertreter Rainer Hillebrand übernehmen zwei erfahrene Handelsmanager, die schon seit Jahrzehnten bei dem Hamburger Unternehmen in verantwortlicher Position arbeiten. Die beiden 50-Jährigen kennen sich gut aus der Arbeit im Vorstand der Stammfirma Otto; Schrader als Einkaufschef und Hillebrand als Vertriebs- und Marketing-Manager. Hillebrand ist zudem der Otto- Experte für E-Commerce, einem der wichtigsten Wachstumsfelder des Unternehmens. Mit Günter Nawrath hatte von 1966 bis 1981 zum letzten Mal ein familienfremder Manager das von Michael Ottos Vater Werner gegründete Unternehmen geführtDie neue Spitze soll nach den Worten des Hauptgesellschafters Michael Otto langfristig den Konzern führen. ?Das ist keine Übergangslösung, selbst wenn mein Sohn in unser Unternehmen eintreten sollte?, sagte Otto am Mittwoch in Hamburg. Der 63-jährige hatte bereits mehrfach öffentlich angekündigt, den Vorstand des Konzerns noch vor dem 65. Lebensjahr verlassen zu wollen und die Leitung einem familienfremden Manager zu übergeben. Otto führt den Familienkonzern seit 1981, nachdem er zuvor bereits zehn Jahre dem Vorstand angehört hatte.

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Zwei ?sehr gleichwertige Kandidaten?Der 31-jährige Benjamin Otto, der sich erfolgreich in Berlin selbstständig gemacht hat, würde sicherlich zunächst bei Tochtergesellschaften Erfahrungen sammeln, ehe er den sehr komplexen Gesamtkonzern übernehmen würde. Das werde Jahre dauern und bislang sei nicht einmal absehbar, wann Benjamin Otto eine Aufgabe in dem Familienunternehmen übernehmen möchte. ?Er will es und das freut mich, aber der Zeitpunkt ist offen.?Die Entscheidung zwischen Hans-Otto Schrader und Rainer Hillebrand bei der Auswahl des neuen Vorstandsvorsitzenden sei nicht einfach gewesen, sagte Michael Otto. ?Es waren sehr gleichwertige Kandidaten und sie werden ja auch beide befördert und erhalten mehr Verantwortung.? Für Schrader habe gesprochen, dass er in 30 Berufsjahren im Unternehmen viele nationale und internationale Positionen erfolgreich ausgefüllt und Aufgaben gelöst habe. Als ehemaliger Personalvorstand habe er zudem eine enge Beziehung zu den Arbeitnehmern - ?und die müssen immer mitgenommen werden?. Schraders künftiger Stellvertreter Hillebrand nehme als Verantwortlicher für das Wachstumsfeld E-Commerce und für den gesamten deutschen Universalversandhandel ebenfalls eine herausragende Position für die Zukunft des Unternehmens ein.Otto kündigte an, er selbst werde sich künftig verstärkt um seine ehrenamtlichen Engagements in den Bereichen Natur- und Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Kultur und Kunst zu kümmern. Im Zentrum stehe dabei die Michael Otto Stiftung für Umweltschutz, die sich vor allem für die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen einsetzt.Otto übt eine Vielzahl von Ehrenämtern aus. Er führte sein Unternehmen nicht nur nach kaufmännischen, sondern auch nach ethischen Zielen. So müssen sich die Otto-Lieferanten einem systematischen Auswahlverfahren unterziehen, in dem nicht nur die Qualität der Produkte, sondern ebenso die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitnehmer geprüft werden. Michael Otto erhielt für seine beruflichen und ehrenamtlichen Leistungen zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der neue Otto-Mann kam 1977 zum UnternehmenDer neue Vorstandsvorsitzende Schrader kam 1977 als Betriebswirt zu Otto und durchlief im Konzern zahlreiche Stationen im In- und Ausland, unter anderem als Einkaufsleiter in Hongkong und Direktor der Importorganisation der Otto Group. Schrader lebt in Hamburg und hat zwei erwachsene Kinder. Seit seiner Zeit in Asien hegt er Interesse für die chinesische Kultur. Der neue Mann an der Otto-Spitze liest gern, vor allem geschichtliche und philosophische Literatur und geht gern ins Theater. In seiner Freizeit besucht er auch Rockkonzerte, joggt und fährt Mountainbike.Als Schrader schon bei Otto anheuerte, beendete Hillebrand gerade seine Offiziersausbildung und begann ein Wirtschaftsstudium an der Universität der Bundeswehr in Hamburg, das er später mit einem Doktortitel abschloss. Er stieg 1990 als Leiter der Strategie- Entwicklung beim Otto Versand ein und managte später das gesamte Katalog- und Sortimentsmarketing. Hillebrand ist verheiratet und hat ein Kind.Eine strategische SchlüsselentscheidungDer Otto-Konzern soll auch nach dem Wechsel im Vorstandsvorsitz an Vielfalt und Breite gewinnen und so das stabile Wachstum der vergangenen Jahrzehnte fortsetzen. ?In fünf bis zehn Jahren wird die Otto Group einen größeren Anteil ihres Umsatzes mit Online-Geschäften machen?, sagte Michael Otto. ?Das stationäre Einzelhandels-Geschäft wird einen größeren Anteil einnehmen und auch der Auslandsanteil wird wachsen, vor allem in Osteuropa und Asien.?Als strategische Schlüsselentscheidung seiner 26-jährigen Amtszeit wertete Otto die Expansion in neue Regionen und Märkte. ?Wir hatten uns vorgenommen, unser Knowhow international einzusetzen und verschiedene Unternehmen zu gründen oder zu übernehmen. Auf dem nationalen Markt haben wir die Otto Group ebenfalls auf eine breitere Basis gestellt und bedienen mit mehreren Unternehmen unterschiedliche Kundengruppen.? Otto habe so Schwankungen in den einzelnen Märkten ausgleichen können und eine stabile Entwicklung erreicht.?Ich habe nie erlebt, dass alle Unternehmen gleichzeitig florierten, aber es hatten eben auch nie alle Probleme.? Bei der Expansion sei Otto unternehmerische Risiken eingegangen und es habe auch Fehlschläge gegeben. ?Die Risiken waren aber beherrschbar; wir hätten niemals für ein Projekt die Existenz des gesamten Unternehmens aufs Spiel gesetzt?, sagte der Vorstandschef, der im Oktober in den Aufsichtsrat wechselt.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Otto: Vom Versandhandel zum weltweit aktiven Handels- und Dienstleistungskonzern Die Hamburger Unternehmensgruppe, an deren Spitze die beiden langjährigen Mitarbeiter künftig stehen werden hat sich längst vom reinen Versandhandel zu einem weltweit aktiven Handels- und Dienstleistungskonzern entwickelt. Neben dem Hamburger Stammhaus Otto gehören dazu Versandhändler wie Heine, Schwab und Baur, Einzelhandelsketten wie SportScheck und Zara-Deutschland, Großhändler wie Actebis, der Finanzdienstleister EOS und die Logistik-Gruppe Hermes. Zu den vielfältigen und verzweigten Konzern-Aktivitäten zählen weiterhin Tourismus sowie Bank-, Inkasso- und Versicherungsdienstleistungen. Insgesamt umfasst die Gruppe 123 Unternehmen in 19 Ländern.Im Ausland, das mehr als die Hälfte zum Otto-Umsatz beiträgt, unterhält die Otto Group Versandhandelshäuser in den großen Industrieländern sowie diverse andere Aktivitäten wie zum Beispiel das US-Einrichtungshaus Crate&Barrel. Otto setzte von Beginn an auf innovative Multichannel-Konzepte, das heißt auf verschiedene Vertriebswege zum Kunden. Nach starkem Wachstum im Online-Geschäft ist Otto der zweitgrößte Online-Händler weltweit nach Amazon. Nach dem aktuellsten vorliegenden Geschäftsbericht 2005/06 (28.2.) erreichte die Otto Group einen Umsatz von 14,57 Milliarden Euro und beschäftigt mehr als 55 000 Mitarbeiter. Der Gewinn vor Steuern betrug 459 Millionen Euro.Verschachtelte EigentümerstrukturDie Eigentümerstruktur ist vielfach verschachtelt zwischen den Mitgliedern der Familie Otto und diversen Holdings, Zwischenfirmen und operativen Gesellschaften. Michael Otto gehören die meisten Anteile und er kann den größten Einfluss ausüben. Mit einem Anteil von 25 Prozent sind die Eigentümer der Essener WAZ-Gruppe, die Familien Brost und Funke, an Otto beteiligt.Die Mitglieder der Familie Otto - Firmenpatriarch Werner Otto ist zum dritten Mal verheiratet und hat insgesamt fünf Kinder - sind auch außerhalb des Otto-Konzerns erfolgreich unternehmerisch tätig. So zählt zum Beispiel die ECE-Gruppe, die bundesweit Einkaufszentren betreibt, ebenso zum Familien-Imperium wie eine Beteiligung an der börsennotierten Aktiengesellschaft Deutsche Euroshop AG oder Immobilien in Nordamerika. Die Familie Otto gehört zu den reichsten in Deutschland.Otto kündigte an, sich künftig verstärkt um seine ehrenamtlichen Engagements in den Bereichen Natur- und Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Kultur und Kunst zu kümmern. Im Zentrum stehe dabei die Michael Otto Stiftung für Umweltschutz, die sich vor allem für die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen einsetzt.Otto übt eine Vielzahl von Ehrenämtern aus. Er führte sein Unternehmen nicht nur nach kaufmännischen, sondern auch nach ethischen Zielen. So müssen sich die Otto-Lieferanten einem systematischen Auswahlverfahren unterziehen, in dem nicht nur die Qualität der Produkte, sondern ebenso die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitnehmer geprüft werden. Michael Otto erhielt für seine beruflichen und ehrenamtlichen Leistungen zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.01.2007