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Experten-Chat: So schlagen Sie mehr Gehalt raus!

Viele Fragen kamen beim Online-Chat von Junge Karierre. Gehaltsexperte Christof Schössler hat sie beantwortet.
Frage von Heidrun: Mein Chef will mir keine Gehaltserhöhung geben - obwohl ich sie verdient habe. Wie lange soll ich warten bis zum nächsten Versuch?

Gehaltsexperte Christof Schössler: Das ist eine Frage der Atmosphäre sowie der Hintergründe des Gesprächs mit Ihrem Chef. Wie hat er Ihnen den abschlägigen Bescheid auf Ihre Bitte denn begründet?

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Heidrun: Mein Chef sagt, das Unternehmen habe zur Zeit kein Geld. Darauf habe ich ihn auf meine Leistungen hingewiesen. Er hat mich auch gelobt. Dennoch konnte er mir keine Zusage machen.

Sie haben zwei Möglichkeiten: Dass es dem Unternehmen schlecht geht, deckt sich tatsächlich mit Gerüchten und Eindrücken, die Sie bereits selbst gewonnen haben. Vielleicht gab es ja auch schon entsprechende Presseberichte. Dann bleibt Ihnen wohl zunächst nichts anderes übrig, als die Aussage Ihres Chefs für bare Münze zu nehmen und mit der Gehaltserhöhung warten - bei natürlich gleichem Engagement wie bisher. Oder aber Sie recherchieren die Situation noch einmal selber nach. Sollte sich dann herausstellen, dass es der Firma tatsächlich sehr gut geht, sollten Sie Ihren Chef damit noch einmal konfrontieren.

Frank: Kann ich schon während des Bewerbungsgespräches die Frage nach einer Gehaltserhöhung (z. B. nach der Probezeit) stellen?

Das sollten Sie sogar. Allerdings sollten Sie nicht mit der Tür ins Haus fallen und zuerst genau diese Frage stellen. Vielmehr sollten Sie diese Frage anschließen, wenn das aktuelle, das Einsteigergehalt also bereits diskutiert wurde. Ihre Frage zeigt dem Chef - eine entsprechende Leistung natürlich stets vorausgesetzt - Ihren Willen, weiter zu kommen.

Ulf: Die Lage am Arbeitsmarkt ist ja gerade nicht so toll. Ist es da überhaupt angebracht, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen? Zeit wäre es.

Die aktuelle Wirtschaftskrise wird zu sehr verallgemeinert. Es gibt immer noch viele Unternehmen, die gute Gewinne machen. In Ihrem Fall ist es also eine Frage, wie es Ihrem Unternehmen wirtschaftlich geht. Sind die Zahlen und Perspektiven okay, sieht es gut aus für eine Gehaltserhöhung - wenn die entsprechende Leistung stimmt. Geht es dem Unternehmen hingegen schlecht, wurden vielleicht sogar bereits erste Kündigungen ausgesprochen, sollten Sie entweder mit Ihrem Anliegen warten, oder sich vorsichtshalber nach einem neuen Job erkundigen.

Theo: Ich habe letzte Woche zwar mehr Geld rausgehandelt, bin aber trotzdem nicht zufrieden. Kann ich nachverhandeln?

Das ist jetzt natürlich ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Mein Tipp: Engagieren Sie sich wie bisher in Ihrem Tätigkeitsfeld, notieren Sie Ihre Leistungen und bewahren Sie sich den Nachschlag für die nächste Gehaltsrunde auf. In zwölf Monaten etwa.

Grisu: Mir wurde schon vor zwei Monaten eine Gehaltserhöhung versprochen. Bisher ist aber nichts passiert. Und mein Chef hat viel zu tun. Soll ich ihn trotzdem drauf ansprechen?

Selbstverständlich. Jeder kann schließlich einmal etwas vergessen. Sogar Chefs. Allerdings sollten Sie dabei weder beleidigt wirken, noch schüchtern. Fragen Sie ihn einfach ganz normal, wie es um seine Zusage steht.

Thomas: Ist es legal, dass ein Kollege auf einmal mehr verdient als ich, obwohl wir praktisch den gleichen Job (Computeradministrator) machen?

Vorausgesetzt, Sie haben beide die gleiche Qualifikation (Uni-Abschluss etc), legen das gleiche Engagement an den Tag, liefern dem Unternehmen die gleichen Ergebnisse, sind gleich lange dort beschäftigt und haben in etwa das gleiche Alter, unter diesen Umständen ist eine ungleiche Bezahlung natürlich zumindest subjektiv ungerecht. Doch hüten Sie sich davor, zu Ihrem Chef zu gehen und damit zu argumentieren, dass Ihr Kollege mehr verdient. Eine solche Vorgehensweise schätzen Vorgesetzte gar nicht. Sie verrät nämlich, dass Sie sich - wahrscheinlich sogar wider Ihres Arbeitsvertrages - mit Dritten über das Gehalt unterhalten. Tipp: Gehen Sie zu Ihrem Chef, überzeugen ihn von Ihren Leistungen und Arbeitsergebnissen und bitten um eine angemessene Gehaltserhöhung (fünf bis zehn Prozent).

Grisu: Würden Sie einem Kollegen, mit dem Sie sich gut verstehen, von der Gehaltserhöhung erzählen, wenn Sie wissen, dass er selbst vergeblich gefragt hat?

Nein. Ihr Gehalt geht niemanden etwas an. Das stiftet erfahrungsgemäß nur Unfrieden. Selbst zwischen Leuten, die sich sonst sehr gut verstehen. Bedenken Sie vor allem, dass Ihr Kollege keine Gehaltserhöhung bekommen hat. Er wird nicht besonders begeistert sein, wenn er von Ihrem Erfolgserlebnis hört.

Frank: Ein Freund hat in einem Gespräch einfach mal zehn Prozent mehr für sich rausgeholt. Aber er arbeitet in einer völlig anderen Branche als ich. Kann man das irgendwo nachlesen, wer wieviel mehr verlangen kann?

Zehn Prozent ist ein guter Wert für eine Gehaltsverhandlung. Unabhängig von der Branche gilt normalerweise die Faustregel: Gehaltserhöhungen in der selben Firma liegen bei fünf bis zehn Prozent. Bei einem Jobwechsel zwischen zehn und zwanzig Prozent. Eine verbindliche Tabelle, wieviel man in Gesprächen mit dem Chef mehr verlangen kann, gibt es nicht. Dafür sind die Situationen viel zu individuell.

Emira: Die Gehälter sind in den verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich. Gibt es unabhängig von der Branche Richtlinien, die bestimmte Gehaltsforderungen rechtfertigen, auch wenn die Zulagen mehr als 20 Prozent des letzten Gehalts betragen?

Diese Richtlinien gibt es nicht. Es liegt in der Regel im Ermessen des Chefs, mit welchem Betrag er die Mehr-Leistung seiner Mitarbeiter belohnt. Manche Vorgesetzte sind freigiebiger, andere etwas knauseriger.

Kube: In welchen Zeitabständen kann man Gehälter neu verhandeln?

In der Regel gelten Abstände von zwölf bis 18 Monaten als Zeitkorridore bis zur nächsten Gehaltserhöhung.

Minnie: Hallo zusammen. Ich finde es immer sehr schwierig, den richtigen Zeitpunkt für ein Gehaltsgespräch abzupassen und schiebe das immer vor mir her. Gibt es Tipps dafür?

Die nächste Gehaltserhöhung ist immer dann fällig, wenn Sie objektiv der Meinung sind, einen Zuschlag verdient zu haben. Verdient zu haben durch nachweisbare Leistungen für das Unternehmen. Jeder Chef wird bestrebt sein, gute, engagierte Mitarbeiter weiter zu motivieren.

Sabine: Ich arbeite als Texterin/Redakteurin in einer kleinen PR-Agentur (zehn Mitarbeiter) und habe jetzt zwei Jahre Berufserfahrung. Wie hoch sollte mein Jahreseinkommen liegen?

Vor allem in so genannten freien Branchen wie Werbung oder PR gibt es keine verbindlichen Fixmarken für Gehälter. Hier ist vor allem die wirtschaftliche Situation der Agentur entscheidend. Zur Orientierung: Mit zwei Jahren Berufserfahrung und einem abgeschlossenen Studium vornweg sollte sich Ihr Jahresgehalt in etwa zwischen 60.000 und 70.000 Mark bewegen. Gehaltstabellen für Journalisten gibt es zur Ergänzung und Vertiefung jedoch zum Beispiel beim Deutschen Journalisten Verband.

Uli: Ich hab das dumme Gefühl, ich bin bei meinem Jobeinstieg zu billig eingestiegen. Meine Kollegen verdienen alle viel besser. Hab ich ne Chance, das jemals wieder nachzuverhandeln oder ist das einfach Pech?

Sie werden in Ihrem Berufsleben immer wieder die Chance haben, Ihr Gehalt aufzubessern. Voraussetzung dafür: Engagement, Weiterqualifizierung, gute Arbeitsergebnisse liefern. Auf diese Weise machen Sie es jedem Chef schwer, einen Wunsch nach Gehaltserhöhung abzuwehren. Jeder Chef ist schließlich an guten, motivierten Mitarbeitern interessiert. Allerdings sollten Sie eine gewisse Zeit verstreichen lassen, bis Sie bei Ihrem Vorgesetzten vorstellig werden. Etwa zwölf bis 18 Monate sind die üblichen Zeiträume, die zwischen Gehaltsgesprächen liegen.

Gernold: Wenn der Chef nicht mehr zahlen will, sollte man dann versuchen, wenigstens ein paar Extras (z.B. neuer Computer, Mobiltelefon auch für private Zwecke, etc.) herauszuschlagen?

Sehr guter Gedanke. Vor allem so genannte "steuerfreie Gehaltsextras" sind hierfür bestens geeignet. Davon profitieren beide Parteien, da weder Steuern, noch Sozialabgaben anfallen. Steuerfreie Gehaltsextras sind zum Beispiel: die Übernahme von Weiterbildungskosten, die Übernahme von Kindergartenkosten für Ihre Kinder durch den Chef, ein Essenszuschuss für die Kantine, die Übernahme einer Direktversicherung, ein Fahrtkostenzuschuss, mit Einschränkungen sogar ein zinsloses Arbeitgeberdarlehen oder der Firmenwagen auch zur privaten Nutzung. Nicht zu unterschätzender Vorteil: Von steuerfreien Gehaltsextras profitieren Sie in voller Höhe, während von einer üblichen Bruttogehaltserhöhung meist 40 Prozent durch Abgaben wieder aufgefressen werden.

Sabine: In Stellenanzeigen wird oft nach der Gehaltsvorstellung gefragt. Sollte man diese tatsächlich im Bewerbungsanschreiben nennen (als Gehalt p.a.) oder dies lieber auf das Bewerbungsgespräch vertagen? Wenn im Anschreiben: Wie könnte man den Satz formulieren, ohne zu plump oder fordernd zu wirken und Verhandlungsbereitschaft zu signalisieren?

Wenn explizit nach der Gehaltsvorstellung gefragt wird, dann sollte man sie in den Bewerbungsunterlagen auch beantworten. Wie Sie schon richtig ahnen, sollten Sie sich dabei allerdings auf das aktuelle Jahresbrutto beschränken. Dies lässt dem Unternehmen die Möglichkeit, Sie einzuschätzen und zu wissen, ob Sie in die Gehaltsstruktur des Unternehmens passen. Dass Sie natürlich mehr verdienen wollen, ahnt selbstverständlich jeder Personalverantwortliche. Möglicherweise formulieren Sie offen in einem Nachsatz: Mein Jahreseinkommen beträgt derzeit XXX DM brutto. Damit legen Sie weder sich, noch den möglicherweise künftigen Arbeitgeber fest und schaffen Verhandlungsspielraum.

Emira: Muss man im Bewerbungsgespräch auf Anfrage seine Gehaltsvorstellung nennen oder kann man dieses vielleicht geschickt umgehen? Ich gehe davon aus, dass jedes Unternehmen seine eigenen Gehaltsrahmen bereits gesetzt hat. Und 2.: Gibt es zuverlässige Gehaltsstudien in der Veranstaltungsbranche?

Geschickterweise legen Sie sich nicht auf eine fixe Summe fest. Es heißt ja auch "Gehaltsverhandlung". Verbauen Sie sich nicht selbst die Möglichkeit, flexibel zu reagieren. Nennen Sie statt einer festen Summe einen Spielraum. Sagen Sie zum Beispiel: "Meine Gehaltsvorstellungen bewegen sich zwischen XXX und YYY." So beweisen Sie Ihrem Gegenüber Flexibilität und schaffen für das Gespräch Verhandlungsspielraum. Zu 2.: Die Veranstaltungsbranche gehört zu den so genannten "freien Branchen". Hier gibt es keine allgemein gültigen Gehaltstabellen. Welchen Beruf üben Sie aus? Vielleicht ist auf diesem Weg eine Einordnung zu finden.

Kube: Hi Experte, wo kann ich aktuelle Gehaltstabellen für (Elektro-) Ingenieure (Absolventen) erhalten?

Hi Kube. Das Institut der deutschen Wirtschaft gibt in Übereinstimmung mit dem Statistischen Bundesamt das Durchschnittsbrutto für Elektro-Ingenieure aktuell mit 5.800 DM pro Monat an. Eine sehr dezidierte Aufstellung gibt es in der Studie "Anfangsgehälter für akademischen Nachwuchs" von der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) in Düsseldorf. Niederkasseler Lohweg 16. Telefon: 0211 - 5978-207

Sabine: Wie reagieren Personalchefs, wenn man zu weit vorgeprescht ist und eine völlig überhöhte Gehaltsforderung gestellt hat? Ist das schon ein Grund, als Kandidat auszuscheiden?

Kein gutes Zeichen. Ein solcher Patzer verrät Ihrem Chef nämlich, dass Sie sich offensichtlich nicht auf das Gehaltsgespräch eingestellt haben. Denn eine gute, gewissenhafte Vorbereitung und Recherche schließt solch wirklich grobe Patzer in der Regel aus.

Hexe: Eigentlich bin ich ein total fauler Mensch und will eigentlich nur meinen Job gut machen. Aber alle Welt spricht davon, dass man um sein Gehalt pokern muss. Komm ich denn auf gar keinen Zweig, wenn ich aufs Verhandeln verzichte?

Wichtig ist allein, dass Sie zufrieden sind. Niemand zwingt Sie, um Ihr Gehalt zu pokern. Am wenigsten Ihr Chef. Für ihn sind motivierte, zufriedene Mitarbeiter entscheidend. Und solange Sie mit Ihrer Arbeit ausgefüllt sind und es Ihnen sonst an nichts fehlt, sind Sie bereits auf dem grünen Zweig. Sie sind ein beneidenswerter Mensch.

jojo: Ich habe gelesen, dass man nur zu Gehaltsverhandlungen antreten sollte, wenn man ne tolle Leistung vorzuweisen hat. Ich bin Junior Consultant in einer Beratung und da wird vorausgesetzt, dass man bis zum umfallen arbeitet und immer gut ist. Wie soll man denn da noch eins draufsatteln, um ne Verhandlungsgrundlage zu haben?

Der ärgste Feind des Guten ist stets das Bessere. Will heißen: Einen Zustand, eine Arbeitsleistung, die nicht mehr zu optimieren wäre, gibt es nicht. Das ist vor allen Dingen aber auch keine Frage der Arbeitsquantität, sondern der Arbeitsqualität. Beides hängt nicht zwingend voneinander ab.

master: Ich bin gerade dabei, meinen Doktor zu machen. Bin ich dann damit auch mehr wert?

Ohne jede persönliche Wertung ist es in der Tat so. Akademische Grade werden in der Wirtschaft allgemein mit höheren Gehältern belohnt. Wie hoch, ist natürlich eine Frage der Branche.

Tom: Bei uns im Unternehmen gibt es regelmäßige "Lohnrunden", wo dann so gut wie alle fünf bis sechs Prozent mehr kriegen. Kann ich darüber hinaus noch nach mehr fragen (bin eigentlich recht erfolgreich in meinem Job) oder wird das als unverschämt angesehen?

Wenn Sie aufgrund guter Arbeitsleistungen eine höhere Lohnaufbesserung erhalten wollen, müssen Sie zwingend danach fragen. Als unverschämt wird dies Ihr Chef dann nicht ansehen, wenn Sie Ihre (angemessene) Forderung mit plausiblen Argumenten untermauern können.

Sabine: Oft endet das erste Bewerbungsgespräch mit der Frage an den Kandidaten "Haben Sie noch Fragen?" Sollte man die Gelegenheit nutzen, hier nach dem Gehalt zu fragen, oder wartet man damit besser bis zum zweiten oder gar dritten Gespräch? Am Ende wird es als "Mangel" bewertet, wenn man zu spät fragt, oder nicht?

In der Regel endet kein Bewerbungsgespräch, ohne das Gehaltsthema diskutiert zu haben. In den meisten Fällen sollte es ohnehin Ihr Gesprächspartner sein, der hierauf zu sprechen kommt. Ist dies tatsächlich einmal nicht der Fall, dann sollten Sie die Frage "Haben Sie noch Fragen" tatsächlich zum Anlass nehmen und das Gehaltsgespräch beginnen. Denn: Welchen Sinn würden zweite und dritte Gesprächsrunden noch machen, wenn sich möglicherweise schon im ersten Durchgang unüberbrückbare Differenzen in der Gehaltsfrage auftun?

Grit: Ich mache eine Ausbildung in einer klitzekleinen PR-Agentur und mein Chef zahlt total wenig Gehalt. Wie schlage ich mehr raus?

Stellen Sie sich zunächst einmal die Frage: Wie ist die wirtschaftliche Lage der Agentur? Stellen Sie sich danach die Frage: Welche besonderen Leistungen rechtfertigen eine Gehaltsaufbesserung? Kommen Sie dabei zu Ergebnissen, die ein Gespräch mit dem Chef aussichtsreich erscheinen lassen - holen Sie sich schnell einen Termin.

eni: Als Young Professional (ca. zwei Jahre Berufserfahrung) möchte ich mich für eine Stelle im Controlling bewerben, war allerdings bisher größtenteils buchhalterisch und nur in kleinerem Maße kalkulatorisch tätig. Sollte ich mich daher an die Gehaltstabellen für Berufseinsteiger lehnen? Welche Gehaltsunterschiede bei einer Neueinstellung (prozentual) gibt es allgemein zwischen einem Young Professional und einem Berufseinsteiger?

Ich würde Ihnen zu einer Orientierung an den Einsteigertabellen raten. Zwar sind Sie bereits seit zwei Jahren im Job, verweisen aber selber darauf, dass Ihnen im angestrebten Tätigkeitsfeld die Praxis noch weitgehend fehlt. Somit scheint mir die Schnittmenge, die Sie in einen Controllerjob einbringen können, noch recht gering. Die Gehaltsunterschiede zwischen Young Professionals und Berufseinsteigern lassen sich nicht verallgemeinern. Sie sind abhängig von Branchen, Qualifikationen und Betriebsgrößen.

Christiane: Ich habe mitgekriegt, dass meine Kollegin derbe viel weniger verdient als ich, obwohl wir beide den gleichen Job machen. Eigentlich würde ich ihr ja gerne auf die Sprünge helfen, aber ich hab Angst, dass mein Chef spitzt kriegt, dass sie die Infos von mir hat. Wie kann ich denn sowas umgehen? Oder kann ich ihr einfach so sagen, was ich verdiene?

Ihr Verständnis für die offensichtlich ungerecht entlohnte Kollegin ehrt Sie. Doch behalten Sie Ihre Gedanken für sich. Kein Chef schätzt es, wenn seine Mitarbeiter untereinander über ihre Gehälter reden. So etwas führt erfahrungsgemäß auf Dauer zu Missgunst. Übrigens bauen viele Arbeitgeber einer solchen Situation auch vor - durch entsprechende Passagen in den Arbeitsverträgen. Sie lauten: "Über die Höhe des Gehaltes wird gegenüber Dritten Stillschweigen vereinbart". Wenn Sie sich nicht daran halten, begehen Sie nicht nur streng genommen einen Vertragsbruch. Durch ein solches Verhalten zeigen Sie Ihrem Chef zwischen den Zeilen ebenfalls, dass er sich wohl nicht auf Absprachen mit Ihnen verlassen kann. So hart es klingen mag, aber: Die Kollegin ist für ihr eigenes Gehalt selbst verantwortlich.

Timmy: Hallo Herr Schössler! Hier meine Frage: Ist es in größeren Beratungsunternehmen üblich, dass bereits nach der Probezeit eine deutliche Gehaltserhöhung erfolgt? Danke für die Antwort.

Allgemein ist es üblich, dass die Gehälter nach der erfolgreich absolvierten Probezeit angehoben werden. Wie saftig diese Erhöhung ausfällt, wird in der Regel bereits im Einstellungsgespräch vereinbart - also auch hier wieder: Verhandlungssache.

Skip: Hallo! Ich hab ein ziemlich doofes Problem: Ich hatte letzte Woche mein Jahresgespräch mit meiner Chefin und ich konnte auch 800 Mark mehr heraushandeln. Natürlich hat sie mich um Vertraulichkeit gebeten. Was sag ich denn jetzt meinen neugierigen Kollegen? Die haben mir vor dem Gespräch ziemlich geholfen und aus dem Nähkästchen geplaudert.

Wenn Sie Ihre Chefin ausdrücklich um Diskretion gebeten hat, dann sollten Sie dieser Bitte, die ja eigentlich eine Aufforderung ist, auch entsprechend nachkommen. Sonst wird das in dieser Firma vermutlich für einige Zeit Ihre letzte Gehaltserhöhung gewesen sein. Bedanken Sie sich bei Ihren Kolleginnen für die tolle Unterstützung und sagen Ihnen, dass das Gespräch auch Dank deren Hilfe sehr gut gelaufen ist. Keine Summen!!!

Daniel: Gibt es eine Bauernregel wie viel Prozent mehr ich nach wie langer Zeit verlangen kann? Ab wann wird es denn unverschämt?

Die Regel besagt: In aktuellen Beschäftigungsverhältnissen in derselben Firma sollten Gehaltserhöhungen zwischen fünf und zehn Prozent betragen. Bei einem Jobwechsel liegt diese Spanne zwischen zehn und zwanzig Prozent.

Sebastian: Mein Chef ist ein ziemlich geiziger Knochen und rückt bei allen Mitarbeitern ungern mehr heraus. Jetzt hab ich mir überlegt, es mal mit der Bitte um nen Firmenwagen zu versuchen. Ich hab aber ein bisschen Bammel, weil sonst niemand nen Dienstwagen fährt. Besteht ne Chance dass ich (bin Produktmanager für Spritzgusssteile bei nem Mittelständler) damit durchkomme?

Versuch macht klug. Solange eine entsprechend gute Leistung mit zählbaren Ergebnissen (und hierauf legen besonders Mittelständler großen Wert) Ihrer Meinung nach eine Gehaltserhöhung oder die Bitte um einen Firmenwagen, auch zur Privatnutzung, objektiv rechtfertigt, sollten Sie damit bei Ihrem Chef aufwarten. Allerdings: Sehen Sie dort auf lange Sicht kein adäquates Entgegenkommen für Ihr Engagement, rate ich Ihnen, Ihren Marktwert doch einmal bei anderen Unternehmen zu testen - und im Zweifelsfall bei einem attraktiven Angebot auch zu wechseln.

: Liebe Chatter, das war's für heute. Ich hoffe, ihr konntet alle eure Fragen los werden.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.10.2001