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Expat und hopp?

Astrid Oldekop
"Die Rückkehr ist auch ein Neuanfang. Man kann nicht einfach dort anknüpfen, wo man aufgehört hat", weiß Brigitte Hild von der Internet-Beratung Goingglobal, die sich auf Expats spezialisiert hat.
"Ich hatte das Gefühl, in Paris hat sich die Welt schneller gedreht", seufzt Anja Hebgen. ?Da konnte ich doch nicht einfach zurückkommen und wieder im alten Job arbeiten. So als hätte sich nichts geändert!" Die 31-jährige Personalreferentin bei Johnson & Pohnson zog die Konsequenz und kündigte - vor ihrer Rückkehr nach Deutschland.

Noch in Paris vermittelte ihr ein Headhunter die Stelle als Personalleiterin beim Nudelhersteller Barilla in Köln. Dort betreut sie nun deutsche Expatriates. ?Es war sehr viel einfacher, in einen neuen Posten zurückzukommen, ganz neu anzufangen, mit neuen Kollegen und neuer Wohnung", resümiert sie heute.

Die besten Jobs von allen


?Neun Prozent der Expatriates wechseln nach ihrer Rückkehr das Unternehmen", weiß Bernd Kuhnert von der Kienbaum Vergütungsberatung. Die Dunkelziffer liegt höher; denn sind die Mitarbeiter erst wieder im Schoß des Unternehmens, verliert das internationale Personalmanagement sie aus den Augen und der Statistik. US-Studien zufolge wechselt sogar jeder Vierte im Jahr nach der Rückkehr - oft zur Konkurrenz.

Die Rückkehr wird von vielen unterschätzt", warnt Brigitte Hild, Chefin von Goingglobal, einer Internet-Beratung für Expats. Ins Ausland zu gehen, sei ein bisschen wie ein Abenteuer, auf das man sich vorbereitet. ?Die Rückkehr ist auch ein Neuanfang. Man kann nicht einfach dort anknüpfen, wo man aufgehört hat." Damit rechneten die Rückkehrer aber nicht - und erlebten einen zweiten Kulturschock. Ohne den Reiz des Exotischen.

Diejenigen, die nach der Rückkehr in ihrem Unternehmen bleiben - und das sind immer noch die meisten -, durchleben zuerst eine schwere Zeit. Fast jeder zweite Heimkehrer macht laut Kienbaum einen ähnlichen Job wie vor der Entsendung - und empfindet das als absoluten Rückschritt. ?Nichts ist schlimmer, als zurückzukommen und festzustellen, dass sich nichts bewegt hat und man selbst den Auslandsaufenthalt für überflüssig erachtet," beschreibt Bernd Kuhnert diese Erfahrung.

?Im Ausland sind viele Entsandte wie ein großer Fisch in einem kleinen Teich. Sie können oft viel selbstständiger arbeiten und entscheiden als in Deutschland," weiß Brigitte Hild. ?Nach der Rückkehr muss der Expat vielleicht dafür kämpfen, dass ihm überhaupt ein Handy zusteht. Das ist erst einmal ein Schock."

Kein Wunder, dass die meisten aus dem Ausland zurückgekehrten Manager den neuen Job als ?degradierend" und die Schwierigkeiten teilweise als ?demoralisierend" bezeichnen, wie eine Studie der Universität Bayreuth ergab.

?Die Kollegen hatten kein Interesse an meinen Auslandserfahrungen", musste Bau-Ingenieur Martin Steinbrecher, 29, enttäuscht feststellen, der für die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit in Äthiopien und für ein Beratungsunternehmen an der Elfenbeinküste gearbeitet hat. ?Immer hieß es: ,In Deutschland gelten andere Regeln als dort draußen‘."

Auch privat ist meist kaum noch etwas wie vorher: Die Freunde sind weg, die Partner haben meist keinen Job mehr und die Familien müssen sich mit der mangelhaften deutschen Kinderbetreuung herumschlagen. Auch finanziell wird's schwierig: Die Auslandsprämien fehlen und alles muss auf einmal gekauft werden: Auto, Waschmaschine, Küche.

Damit der Schock nicht allzu hart ist, empfehlen Experten, die Rückkehr strategisch zu planen. Kuhnert: ?Vor der Entsendung sollten Mitarbeiter im Vertrag festschreiben, wo sie nach dem Aufenthalt landen."

?Ein Unternehmen, das heute jemanden rausschickt, weiß nicht, wie es in drei Jahren strukturiert sein wird", hält Brigitte Hild dagegen. Deshalb müsse zumindest klar sein, warum der Mitarbeiter rausgeht. Soll Know-how transferiert werden oder soll der Entsandte seine Managementfähigkeiten verbessern?

Während des Aufenthaltes sollten Expats aktiv den Kontakt zum Stammhaus pflegen, meint Kuhnert. Hilfreich sei der Kontakt zu einem hierarchisch höher gestellten Mentor, der über die Entwicklungen im Unternehmen informiert. Bei der Allianz ist dieser stets Mitglied des Vorstands oder der Geschäftsleitung. In einigen Unternehmen gibt es zudem einen Fachpaten, der die Arbeit des Entsandten bewertet, seine Erfolge im Unternehmen kommuniziert.

Brigitte Hild rät, den Urlaub regelmäßig in Deutschland zu verbringen. ?Sonst ist man nicht mehr in den Netzwerken drin, diese informellen Kontakte, die so wichtig sind, wenn es um Stellenbesetzungen geht." Ein Jahr vor der Rückkehr sollte man die Fühler ausstrecken und sich aktiv ins Gespräch bringen.

Viele Unternehmen setzen diese Empfehlungen seit Jahren um. Die Mitarbeiter des Kraftwerksbauers Babcock Borsig sollen einmal im Jahr mit Familie nach Deutschland fliegen. Sechs Monate vor der Rückkehr führen die Entsandten der Heidelberger Druckmaschinen Gespräche mit Personal- und Fachabteilung.

Die Robert Bosch GmbH hilft bei der Wohnungssuche, ersetzt die Kosten für große Anschaffungen und bietet Rückkehrerseminare an. Schließlich lässt Bosch die Heimgekehrten zu Co-Moderatoren für interkulturelle Trainings schulen. ?Wo sonst könnten sie ihr Wissen so sinnvoll anwenden, wie bei der Vorbereitung neuer Expatriates?"
Dieser Artikel ist erschienen am 16.06.2001