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Existenzgründung - ein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit

Peter Schäffer
In Zeiten, in denen das Wirtschaftswachstum nachlässt und Arbeitsplätze abgebaut werden, wächst die Zahl derer, die sich selbstständig machen wollen. Dies erscheint auf den ersten Blick paradox. Bei genauerem Hinsehen bieten sich jedoch oft gerade in der Flaute Chancen für die Selbstständigkeit.
Aufgeschreckt durch Gerüchte in seinem Betrieb, dass demnächst Arbeitsplätze in seiner Abteilung abgebaut werden, wandte sich ein 39-jähriger Ingenieur an unsere Beratungsgesellschaft, um sich über die Möglichkeit einer Existenzgründung zu informieren. Nach anfänglichem Bangen um seinen Arbeitsplatz wollte er nun in die Offensive gehen und seine vorhandenen Kundenkontakte als Sprungbrett in die Selbstständigkeit nutzen.

In Zeiten, in denen das Wirtschaftswachstum nachlässt und Arbeitsplätze abgebaut werden, spüren wir immer wieder: Die Zahl der Menschen, die sich selbstständig machen wollen, wächst! Dies erscheint auf den ersten Blick paradox, denn gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssten Existenzgründer eigentlich noch größere Schwierigkeiten beim Aufbau ihrer Existenz haben als in Boomphasen. Bei genauerem Hinsehen bieten sich jedoch oft gerade in der Flaute Chancen für die Selbstständigkeit.

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Im Falle des Ingenieurs waren es eine Marktnische und ein neuer Marktbereich, den sein bisheriger Arbeitgeber nicht mehr bedienen wollte. Er wollte sich auf die Kernbereiche zurückziehen und dafür den Aufbau innovativer Geschäftsfelder opfern. Für den Ingenieur unverständlich, da genau diese Geschäftsfelder durch veränderte Kundenwünsche entstanden waren und einen zukünftigen Markt versprachen.

Unterstützung beim Schritt in die Selbstständigkeit erhielt der Ingenieur vom Arbeitsamt. Er verlor nämlich tatsächlich seine Stelle. Das Arbeitsamt verschaffte ihm einen Platz in einem zweiwöchigen Gründungsseminar und übernahm die Teilnahmekosten. Die folgenden Wochen nutzte der 39-Jährige, um ein Unternehmenskonzept zu schreiben. Bei der Markt- und Konkurrenzanalyse, Investitions- und Finanzierungsplanung, der Umsatz- und Kostenprognose und der Planung der Umsetzung half eine Unternehmensberatung. Auch diese Beratungskosten werden bezuschusst, in Nordrhein-Westfalen mit bis zu 3.000 Mark. Der Gründer selbst zahlt in der Regel noch 1.000 bis 2.000 Mark.

Während der Ingenieur sein Konzept erarbeitete und Kreditverhandlungen mit den Banken führte, war sein Lebensunterhalt durch das Arbeitslosengeld abgesichert. Gründern aus der Arbeitslosigkeit, die mindestens einen Monat Arbeitslosengeld oder -hilfe beziehen, gewährt das Arbeitsamt danach für bis zu sechs Monate ein so genanntes Überbrückungsgeld in Höhe der vorherigen Leistung. Hinzu kommt eine Pauschale für die Krankenversicherung und Altersvorsorge.

Der Antragsteller benötigt lediglich eine Stellungnahme einer fachkundigen Stelle die auf der Basis des Unternehmenskonzeptes die fachliche Eignung des Gründers und die wirtschaftliche Tragfähigkeit seines Vorhabens bestätigt. Ansprechpartner sind in der Regel die Kammern, die eine solche Stellungnahme kostenlos erstellen.

In Nordrhein-Westfalen können Arbeitslose, die keine Leistungen vom Arbeitsamt erhalten - etwa Hochschulabsolventen und Frauen nach der Familienphase - für bis zu einem Jahr eine monatliche Hilfe zum Lebensunterhalt in Höhe von 2.000 Mark erhalten. Voraussetzung: Sie sind arbeitslos gemeldet. Diese Mittel werden jedoch nicht bei den Arbeitsämtern, sondern bei einem der 30 Regionalsekretariate in Nordrhein-Westfalen beantragt.

Zusätzliche Hilfe bieten Bund und Länder mit den zahlreichen Förderkreditprogrammen für Existenzgründungen, die mit niedrigen Zinsen und langen Laufzeiten die Startphase erleichtern. Oft haben diese Kredite eine so genannte Haftungsfreistellung. Damit steht das leidige Problem der Sicherheiten für den Kredit nicht mehr im Vordergrund. Mit dem Startgeld-Programm der Deutschen Ausgleichsbank können sogar Gründungen mit bis zu ca. 100.000 DM finanziert werden, die ohne Eigenkapital starten.Die richtigen Ansprechpartner für ihr Vorhaben werden Gründern in Nordrhein-Westfalen unter der Telefonhotline 01 80/1 30 13 00 oder auch auf der Internetseite www.go.nrw.de genannt.

Der Ingenieur brauchte vier Wochen, bis sein Unternehmenskonzept stand. Nach weiteren drei Wochen lag die Kreditbewilligung der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) für einen zinsgünstigen Förderkredit bei seiner Hausbank vor. Anstatt als Arbeitsloser einen neuen Chef zu suchen, war er nun sein eigener Chef.
Dieser Artikel ist erschienen am 13.08.2001