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Ex-Rewe-Chef vor Trümmern seiner Träume

Der tiefe Fall des Dieter Berninghaus ist fast beispiellos unter Deutschlands Topmanagern und er hat bei dem Manager sichtbare Spuren hinterlassen. Er stolperte über Zahlungen auf dem Höhepunkt des Internet-Booms. Und dennoch ist es eine ganz andere Geschichte, die er erzählt.
Der frühere Vorstandssprecher von REWE, Ernst Dieter Berninghaus, das Landgericht in Köln.
HB KÖLN. Doch es kam ganz anders: Nach nur einem halben Jahr musste der ehrgeizige Manager den Posten räumen. Und seit Mittwoch muss sich sich Berninghaus vor dem Kölner Landgericht verantworten: wegen schwerer Untreue.Zusammen mit mehren Komplizen soll er beim 21,3 Millionen Euro teueren Kauf der Internetfirma Nexum durch Rewe unrechtmäßig Provisionen in einer Gesamthöhe von 15,2 Millionen Euro kassiert haben.

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Der tiefe Fall des Dieter Berninghaus ist fast beispiellos unter Deutschlands Topmanagern und er hat bei dem Manager sichtbare Spuren hinterlassen. Sein Gesicht wirkt grau, sein dunkler Anzug zerknittert, als er gegen 09.30 Uhr im Gerichtssaal 112 das Wort ergreift. ?Ich habe in einem Moment des Versagens mein Leben zerstört?, sagt er. ?Ich hatte schlichtweg nicht das Rückgrat dieser enormen Versuchung zu widerstehen.?Die Staatsanwaltschaft wirft dem Manager vor, beim Kauf der Internetfirma Nexum einen völlig überhöhten Kaufpreis gezahlt und dafür von den Nexum-Anteilseignern im Gegenzug Provisionen in Höhe von 6,5 Millionen Euro erhalten zu haben.Berninghaus bestreitet die Annahme der Millionenzahlung nicht. ?Es war ein schwerer Fehler, für den ich ohne Wenn und Aber die Verantwortung trage?, sagt er. Und dennoch ist es eine ganz andere Geschichte, die er erzählt. Die Geschichte wie ein Manager ganz aus Versehen ins Verderben taumelt.Als er 1999 seine ersten Posten bei Rewe angetreten habe, habe der Handelsriese über keinerlei Internet-Know-how verfügt, berichtet der Manager dem Gericht. Rewe-Chef Hans Reischl sei sehr besorgt gewesen, denn alle Wettbewerber hätten einen deutlichen Vorsprung auf diesem wichtigen Gebiet gehabt.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Es traf sich gut, das Berninghaus Kontakte zur aufstrebenden Internet-Firma Nexum hatte und einen Kauf aushandeln konnte. Die Übernahme von Nexum sei in dieser Situation die richtige Entscheidung gewesen, beteuert der Manager noch heute. Immerhin habe Nexum dank eines Großauftrags des Konkurrenten Metro sogar über handelsspezifisches Know-how verfügt. Der Preis sei vom erfahrenen Rewe-Chef Reischl angesichts der allgemeinen Internet-Euphorie sogar als günstig eingeschätzt worden.Erst nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages sei er dann von einem Züricher Anwalt der Nexum-Aktionäre zu einem Gespräch gebeten worden, schildert Berninghaus dem Gericht dann seinen Sündenfall. Der Treuhänder habe ihm gesagt, die Nexum-Aktionäre wollten sich erkenntlich zeigen und hätten auf extra für Berninghaus eingerichtete diskrete Konten eine Anerkennungsprämie in Höhe von drei Millionen Euro überwiesen. ?Es war alles so einfach. Ich habe da nicht Nein gesagt?, erzählt Berninghaus.Doch es blieb nicht bei dieser Zahlung. Einige Monate später erhielt Berninghaus über den Züricher Anwalt noch einmal eine Millionenzahlung auf eigens eingerichtete Konten.? Doch zu dieser Zeit wollte der Manager nach eigenen Aussagen schon nichts mehr von dem schwarzen Geld wissen. Er habe nicht ein einziges Mal die Bank besucht, auf der die Konten eingerichtet worden seien, sondern den Gedanken an das Geld verdrängt. ?Verdrängung war der einzige Weg, um mein Leben und das meiner Familie nicht direkt zu zerstören.?Doch die Verdrängung half nicht. Als die Steuerfahndung ihm auf die Spur kam, offenbarte sich Berninghaus seinem Aufsichtsratschef. ?Es war vielleicht das schwerste Gespräch meines Lebens?, erzählt er. Kurz darauf muss er seinen Chefposten räumen. Rewe fordert von dem Manager in einem der spektakulärsten Schadenersatzprozesse der deutschen Wirtschaft Wiedergutmachung in Höhe von über 30 Millionen Euro. Am Ende einigen sich beide Seiten auf eine Summe von 11 Millionen Euro.Berninghaus steht heute vor den Trümmern seines Träume. Sein Leben beschreibt dem Gericht mit den Worten: ?Ich bin ein allein erziehender Vater zweier Söhne im Alter von zwei und vier Jahren. Seit meinem Ausscheiden bei Rewe bemühe ich mich, die Folgen des Falles zu tragen und kümmere mich um die Erziehung meiner beiden Söhne.?
Dieser Artikel ist erschienen am 15.02.2006