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Ex-Ford-Sanierer will es noch einmal wissen

Von Martin Buchenau und Stefan Menzel
Rolf Zimmermann wird Chef von Müller Weingarten. Der 59-Jährige, der als erfolgreicher Sanierer gilt, soll den schwäbischen Pressenhersteller wieder auf Vordermann bringen ? doch sein Amtsantritt bringt einige Verwirrung mit sich.
STUTTGART/DÜSSELDORF. Er lauscht konzentriert den Worten seines Vorgängers Günther Langenbucher, bis er selbst dran ist. Rolf Zimmermann erzählt in Stuttgart, dass er den Pressenhersteller Müller Weingarten seit seinen Lehrjahren als Werkzeugmacher in Rüsselsheim kennt. Er glaube fest an die ?Qualität der Produkte und der Mitarbeiter?. Als Qualifikation für den Chefposten erwähnt er seine 40-jährige Erfahrung in der Autoindustrie bei Opel, Skoda und vor allem seine letzte Station als Deutschland-Chef bei Ford. Sie brachte ihm den Ruf eines erfolgreichen Sanierers ein. Er gilt als bodenständiger Familienmensch. So fällt es ihm leicht, vertrauenswürdig zu wirken.Doch Zimmermanns Berufung ist keineswegs alltäglich. Denn er steht ab heute nicht nur an der Spitze des Traditionsunternehmens, sondern strebt eine maßgebliche Beteiligung an Müller Weingarten an. ?Es gibt eine grundsätzliche Einigung der Eigentümer mit uns?, sagt Zimmermann. Wenn er ?uns? und ?wir? sagt, meint er AEP. Das Kürzel steht für das in New York und Frankfurt ansässige Beteiligungsunternehmen Atlantic European Partners, das je zu einem Drittel ihm, dem Rechtsanwalt Michael W. Ernestus und Wolfgang Wagner gehört.

Die besten Jobs von allen

Nach seinem überraschenden Ausscheiden ?auf eigenen Wunsch? bei Ford im Jahr 2002 suchte Zimmermann eine neue Betätigung und gründete drei Jahre später AEP. Das Geld für die geplante Beteiligung stamme von den drei Partnern. ?Hedge-Fonds stehen nicht dahinter?, versichert Zimmermann. Der Hesse, den frühere Mitarbeiter als durchaus schlitzohrig charakterisieren, will keine Details nennen, nicht einmal, mit wem er verhandelt. Nach Informationen aus Finanzkreisen plant AEP nicht die Übernahme der Mehrheit.Warum Zimmermann nicht selbst erklärt, dass er wohl nur eine Minderheit anstrebt, bleibt bis zum Abschluss des Deals sein Geheimnis. Es mag an seiner Abneigung vor großen Auftritten liegen. Aber mit der jetzigen Zurückhaltung hat er zu seinem Amtsantritt mehr Verwirrung gestiftet als nötig ? oder er pokert.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Man dürfe Zimmermann nicht unterschätzen, sagen Leute, die ihn näher kennen.Laut Geschäftsbericht liegen 68,31 Prozent der Anteile an Müller Weingarten bei der Privatbank Metzler, weitere 22 Prozent hält die Beteiligungsgesellschaft von Manuel Knapp-Voith. Die restlichen knapp zehn Prozent sind breit gestreut. Nach Informationen des Handelsblatts gibt es zwischen Metzler und Knapp-Voith keine Differenzen über die Zukunft des Unternehmens. Aber beide verhandeln getrennt mit AEP. Demnach wäre ein Einstieg der AEP denkbar, bei dem sich beide Großaktionäre stufenweise von ihren Beteiligungen trennen und Metzler nicht gleich beim ersten Schritt unter 50 Prozent rutscht.Man dürfe Zimmermann nicht unterschätzen, sagen Leute, die ihn näher kennen. Auch bei Ford habe man dem Techniker allenfalls zugetraut, ein Werk auf Vordermann zu bringen, nicht aber eine angeschlagene Automarke neu zu positionieren.Jetzt landet der 59-Jährige seinen ersten großen Coup im Beteiligungsgeschäft und geht in die operative Verantwortung. Und die ist nicht gering: Im vergangenen Jahr verbuchte Müller Weingarten einen Verlust von 5,3 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 9,6 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 403 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen für 2005 keine Dividende erhalten. Wegen der Zurückhaltung der Autokonzerne rechnet der Konzern für dieses Jahr mit einem noch höheren Verlust.Müller Weingarten steht schon seit längerem zum Verkauf. Zuletzt waren Übernahmeversuche durch den österreichischen Investor Mirko Kovats und durch den Konkurrenten Schuler gescheitert.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.08.2006