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Europaweiter Versandhandel mit Medikamenten

Die niederländische Versandapothe­ke DocMorris darf künftig verschreibungspflichtige Arzneimittel in allen Ländern der Euro­päischen Union, also auch in Deutschland, ver­treiben. Das hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg am 11. Dezember beschlossen. Grund zur Freude für DocMorris-Chef Ralf Däinghaus: "Der Europäische Gerichtshof hat immer für den freien Waren­verkehr Partei ergriffen, denn die arzneimittelrechtliche Situation ist in allen Ländern der EU gleich", sagt er im Interview mit Junge Karriere.
Die niederländische Versandapothe­ke DocMorris darf künftig verschreibungspflichtige Arzneimittel in allen Ländern der Euro­päischen Union, also auch in Deutschland, ver­treiben. Das hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg am 11. Dezember beschlossen. Grund zur Freude für DocMorris-Chef Ralf Däinghaus: "Der Europäische Gerichtshof hat immer für den freien Waren­verkehr Partei ergriffen, denn die arzneimittelrechtliche Situation ist in allen Ländern der EU gleich", sagt er im Interview mit Junge Karriere.

Mit dem heute gesprochenen Urteil geht ein dreijähriger Rechtsstreit zu Ende: Der Versandhändler DocMorris war von der Bundesvereinigung Deutscher Apotheker­verbände verklagt worden. Das Landgericht Frankfurt hatte die Frage, ob das Versandhandelsverbot mit dem europäischen Recht vereinbar ist, an den Europäischen Gerichtshof zur Klärung weitergeleitet. Mit ihrem Urteil geben die Europa-Richter dem neuen Gesetz der Bundesregierung zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung Rückendeckung. Es erlaubt den Ver­sand­­­handel mit Medikamenten in Deutschland und tritt zum 1. Januar 2004 in Kraft.

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Gewinner der Neuregelung wird unter anderem DocMorris-Gründer Däinghaus sein: "Im Jahr 2008 werden Apothekenketten etwa 30 Prozent vom Markt ab­decken. Es wird drei bis fünf bundesweite Versandhandelsapotheken geben. DocMorris wird mindestens eine halbe Milliarde Euro Umsatz machen und die größte Apotheke in Deutschland sein", prognostiziert er gegenüber Junge Karriere.

DocMorris-Chef Däinghaus: "Wir werden die größte Apotheke in Deutschland"

Herr Däinghaus, DocMorris hat den Versandhandel etabliert. Werden Sie jetzt von großen Nachahmern gefressen?

Däinghaus: Für uns überwiegen die Chancen bei weitem. Der Versandhandel ist erlaubt, aber innerhalb Deutschlands gilt weiter die Arzneimittelpreisverordnung. Eine Lockerung ist vom Apothekerverband gestoppt worden. Das bedeutet, dass Apotheken in Deutschland nicht in den Preiswettbewerb einsteigen können. Deshalb bleiben wir in den Niederlanden. Und ich glaube auch nicht, dass Versandhäuser oder Pharmagroßhändler in den Versandhandel eintreten.
... Die Niederlande sind keine Bananenrepublik. Der Europäische Gerichtshof hat immer für den freien Warenverkehr Partei ergriffen, denn die arzneimittelrechtliche Situation ist in allen Ländern der EU gleich.
... DocMorris ist wie jede Apotheke in das Sozialsystem eingebunden.


Wodurch entsteht Ihr Wettbewerbsvorteil?

Däinghaus: Wir haben eine extrem effiziente Verarbeitung. Der Apotheker übernimmt nur noch Rezeptprüfung und Endkontrolle. Und wir kaufen große Mengen. Im Oktober haben wir 160.000 Packungen im Wert von 5,6 Mio. Euro verkauft. ...

Wie geht es weiter - wagen Sie eine Prognose?

Däinghaus: Im Jahr 2008 werden Apothekenketten etwa 30 Prozent vom Markt abdecken. Es wird drei bis fünf bundesweite Versandhandelsapotheken geben. DocMorris wird mindestens eine halbe Millarde Euro Umsatz machen und die größte Apotheke in Deutschland sein.

Das komplette Gespräch lesen Sie in der neuen Ausgabe von Junge Karriere, die am 19. Dezember erscheint.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.12.2003