Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Europas 100 beste Arbeitgeber

Von Katrin Terpitz
Nur die Mitarbeiter können die Stärken und Schwächen eines Unternehmens richtig einschätzen. Wer aber sind nach ihrer Einschätzung die besten Arbeitgeber Europas? Eine in ihrer Form einzigartige Studie des Great Place to Work Institute Europe zeigt, bei welchen Arbeitgebern Beschäftigte sich besonders wohl fühlen.
Google-Forschungslabor in Zürich: Das US-Unternehmen belegt Platz zwei der besten großen Arbeitgeber. Foto: PR
DÜSSELDORF. Zwei Softwareschmieden führen die Rangliste der ?Besten Arbeitgeber in Europa 2008? an. Microsoft und die 90-Mann-Firma Reaktor Innovations aus Finnland wurden am Dienstag in London vom Great Place to Work Institute Europe zu Spitzenreitern in der Kategorie Großunternehmen sowie kleine und mittlere Firmen gekürt. Auch auf den Folgerängen finden sich viele IT-Firmen wie Google und Cisco (Rang zwei und drei der Großen) sowie die Münchner ConSol Software und 4flow aus Berlin (Rang zwei und drei der kleinen und mittleren Firmen).Frank Hauser, Geschäftsführer des deutschen Great Place to Work Institutes, erklärt, warum: ?In Sachen Mitarbeiterorientierung sind Softwarefirmen prototypisch, denn das Know-how ihrer Leute ist das einzige Kapital. Die Unternehmen wissen: Ihr Erfolg liegt allein in den Köpfen und der Leistungsbereitschaft der Beschäftigten. Und Menschen sind eben keine Maschinen, die von selbst laufen.? Zugleich stellt Hauser klar: Um ein exzellenter Arbeitgeber zu sein, ist eine schillernde Branche keine Voraussetzung. Das Ranking zeigt: Auch Altenheime oder Krankenhäuser können sehr attraktive Arbeitsplätze bieten.

Die besten Jobs von allen


Geschätzte Finnen: Europas 50 beste kleine und mittlere Arbeitgeber
Über 1 250 Unternehmen mit insgesamt 148 000 Beschäftigten stellten sich in 15 europäischen Ländern dem Wettbewerb ? ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die Benchmarkstudie, die vor sechs Jahren mit Unterstützung der Europäischen Union ins Leben gerufen wurde, ist in ihrer Form einzigartig. Anders als Umfragen zu den beliebtesten Unternehmen, die Absolventen nach dem Arbeitgeber ihrer Träume befragen ? den sie allerdings nur vom Hörensagen kennen ?, basiert dieses Ranking zu zwei Dritteln auf Bewertungen der Mitarbeiter. Und nur die können Stärken und Schwächen ihres Arbeitgebers tatsächlich einschätzen. Hauser: ?Wie in einer Ehe sind nicht Flirt und Flitterwochen entscheidend, sondern der Alltag.?
Umhegte Microsofties: Europas 50 beste große Arbeitgeber
Die stichprobenartig befragten Mitarbeiter gaben ein ausführliches Votum zu ihrem Arbeitgeber ab. Dabei ging es um die Kriterien Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamgeist. Die Rücklaufquote lag etwa in Deutschland bei 70 Prozent. Zu einem weiteren Drittel floss die Unternehmenskultur in die Wertung ein, dazu wurden Personalentscheider auf Herz und Nieren geprüft. Die Bewertung ergab sich dann in Relation mit vergleichbaren Firmen.Erfreulich: Deutsche Arbeitgeber können in Sachen Mitarbeiterorientierung europaweit sehr gut mithalten. 18 Firmen, die sich mit einer Niederlassung in Deutschland bewarben, kamen unter die besten 50 Großunternehmen ? allein sieben unter den Top Ten, wie Microsoft Deutschland: ?In Mitarbeiterbefragungen schneiden wir in puncto Zufriedenheit regelmäßig sehr gut ab?, sagt Brigitte Hirl-Höfer, Direktorin Personal. ?Microsofties? schätzen demnach vor allem die Möglichkeiten, sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln, das hohe Maß an Eigenverantwortung, ein familienfreundliches Umfeld sowie offene Kommunikation und Kollegialität. Nur ein Beispiel: Die elektronischen Terminkalender der Manager sind für die Mitarbeiter einsehbar. Die Kultur der Offenheit und Transparenz gepaart mit Spaß an der Arbeit überzeugte die Jury.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Starke Mitarbeiterorientierung zahlt sich für Unternehmen ausDer gute Ruf unter den Mitarbeitern wirkt wie ein Magnet. Viele neue Mitarbeiter unterschreiben ihren Arbeitsvertrag nach einer Empfehlung von Microsofties, erzählt Hirl-Höfer. ?Für uns ist es sehr wichtig, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.? Aus gutem Grund: Weil Spezialisten fehlen, musste Microsoft im vergangenen Jahr im boomenden Markt für Unternehmenssoftware etwa fünf Prozent Wachstum einbüßen.Wie Microsoft sind die besten Arbeitgeber Europas auf Wachstumskurs. Fakt ist: Mitarbeiterorientierung und unternehmerischer Erfolg gehen bei ihnen Hand in Hand. Im Schnitt stieg ihr Umsatz 2007 im Vorjahresvergleich um 26 Prozent, während sie zugleich 16 Prozent mehr Beschäftigte anheuerten. Das heißt: Die Mitarbeiter verbessern die Produktivität stetig. Die besten Arbeitgeber sind zudem sehr innovativ. Das zeigt sich daran, dass fast alle der 100 Besten in den vergangenen drei Jahren ein neues Produkt auf den Markt gebracht haben. Im EU-Schnitt ist es gerade einmal die Hälfte, so die Studie.Starke Mitarbeiterorientierung zahlt sich für die Unternehmen aus. ?Die Fehlzeiten- und Wechselquoten sind sehr niedrig?, bestätigt Hauser. Auch bei Spitzenreiter Microsoft liegt die Fluktuationsrate deutlich unter dem Branchendurchschnitt. So entfallen Kosten und Zeit für Rekrutierung und Einarbeitung, ganz zu schweigen vom Wissenverlust. ?Die begehrten High Potentials können nur dann gehalten werden, wenn sie die Unternehmenskultur als mitarbeiter- und werteorientiert wahrnehmen?, betont die Microsoft-Personaldirektorin.Das haben inzwischen immer mehr Firmen beherzigt. Die Qualität der besten Arbeitgeber in Europa hat sich seit dem Start vor fünf Jahren stetig verbessert. Heute sind 91 Prozent der Mitarbeiter der 100 Besten überzeugt, dass sie insgesamt gesehen einen ?großartiger Arbeitsplatz? haben.Das Abschneiden in Rankings nehmen Arbeitgeber, die eine professionelle Markenbildung betreiben, sehr ernst, beobachtet Wolfgang Jäger, Professor für Personal- und Medienmanagement an der FH Wiesbaden. ?Teilweise sind die Zielvereinbarungen der Verantwortlichen für Personalmarketing sogar an den Auf- oder Abstieg in Arbeitgeber-Ranglisten gekoppelt.?Auch im Hause Microsoft ist die Zufriedenheit der Mitarbeiter ein wichtiger Faktor, wonach sich die variablen Gehaltsbestandteile der Manager bemessen. In Zeiten des Fachkräftemangels tragen direkte Vorgesetzte immer mehr Verantwortung dafür, dass sich Mitarbeiter wohl fühlen und ihr Bestes geben. Für Frank Hauser von Great Place to Work gilt deshalb immer noch der alte Managerspruch: ?People join companies, they leave managers.?Lesen Sie weiter auf Seite 3: Deutschlands beste Arbeitgeber gesuchtDeutschlands beste Arbeitgeber gesuchtDer Wettbewerb: Ohne engagierte Mitarbeiter ist unternehmerischer Erfolg nicht möglich. Zum achten Mal können Firmen ab 50 Beschäftigten ihre Qualität als Arbeitgeber unabhängig prüfen lassen. Das renommierte Great Place to Work Institute untersucht in einer Benchmark-Studie, wie konkurrenzfähig Ihr Unternehmen als Arbeitgeber ist. Olaf Scholz, Bundesminister für Arbeit und Soziales, unterstützt den Wettbewerb. Das Handelsblatt ist Medienpartner.Das Verfahren: Alle Teilnehmer erhalten eine fundierte und kostengünstige Bestandsaufnahmen ihrer Arbeitsplatzkultur sowie qualifizierte Unterstützung für Verbesserungen, sagt Frank Hauser, Leiter des Great Place to Work Institute Deutschland. In der Bewertung spielt das anonyme Votum der Mitarbeiter die Hauptrolle. Die Personalabteilung muss sich zudem einem Audit zur Unternehmenskultur stellen.Die Auszeichnungen: Die 100 besten Firmen dürfen das Gütesiegel ?Deutschlands Beste Arbeitgeber 2009? tragen. Nach drei Größenklassen werden die Bestplatzierten besonders gewürdigt. Veröffentlicht werden ausschließlich die besten 100 Firmen. Anmeldeschluss: 30.9.2008.Weitere Informationen und Anmeldeformulare unter » www.greatplacetowork.de.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.05.2008