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Europameisterschaft im Debattieren

Vom 23. bis 28. März war Berlin das argumentative Zentrum Europas: 400 Studenten aus 20 Ländern wetteiferten bei den ?European Universities Debating Championships 2006? um den Titel des besten Redners.

Debattierclubs
Alles begann 1729 an der Priceton-University: In der American Whig-Cliosophic Society trafen sich Studenten, um mit- und gegeneinander zu argumentieren und debattieren. Auch an berühmten britischen Unis wie Oxford und Cambridge wird die demokratische Streitkultur der Debatte schon seit dem 19. Jahrhundert gepflegt

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In Deutschland haben Debattierclubs noch keine lange Tradition, der erste wurde 1991 an der Universität Tübingen gegründet. Der nationale ?Verband der Debattierclubs an Hochschulen? (VDCH) existiert seit 2001. Insgesamt gibt es inzwischen mehr als 40 Debattierclubs in Deutschland

In den Clubs wird nach festen Regeln über aktuelle Themen debattiert. Die drei gängigsten Regelwerke sind der British Parliamentary Style (BPS), die Regeln der Offenen Parlamentarischen Debatte (OPD) und die Regeln des Turniers auf der Wartburg (Wartburg-Regeln).

Beim BPS, dem meist verwendeten Regelwerk, sind Redezeiten und Fragerechte genau festgelegt. Das Thema wird kurz vor der Debatte festgelegt, Pro- oder Contraposition der Redner ausgelost. Meist haben die Teilnehmer 15 Minuten Zeit um die eigene Rede vorzubereiten. Pro Debatte treten vier Zweierteams gegeneinander an. Eine Jury bewertet schließlich die einzelnen Redner und bestimmt die Sieger

Vor und während einer Debatte müssen komplexe Sachverhalte schnell durchdacht, gegliedert und angemessen vorgetragen werden. Rhetorik und Argumentation entscheiden über Sieg und Niederlage.

Das Debattieren ermöglicht den Teilnehmern, ihre Argumentationsweise zu verbessern, verhilft ihnen zu einem sicheren Auftreten und mehr Schlagfertigkeit. Aber auch soziale Kompetenzen wie das Zuhören, die Konsenssuche und freies Sprechen werden während der Debatten gefördert.

Berlin Debating Union e.V.
Die Berlin Debating Union wurde 1999 als Debattierclub der Berliner Universitäten gegründet. Inzwischen zählt der Verein 75 Mitglieder.

Neben den wöchentlichen Debatten gibt es auch Seminare für Anfänger, in denen es erst einmal darum geht, die Angst vorm Reden zu verlieren. " Ich habe bei meiner ersten Debatte vor zwei Jahren nur ein paar Minuten durchgehalten, weil mir danach einfach nichts mehr eingefallen ist?, erzählt der 24-jährige Fabian Probst. ?Aber das macht nichts, weil es jedem so ähnlich geht.?

Entgegen des weitverbreiteten Klischees geht es im Debattierclub nicht immer nur um ernste Themen wie etwa Politik. "Manchmal gibt es auch so genannte Spaßdebatten", so Fabian Probst. "Beispielsweise darüber, ob Männer rosa Schlipse tragen dürfen.

Dieser Artikel ist erschienen am 21.03.2006