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Es geht auch anders

Britta Domke, Heft 09/04
So kommen Sie aus der Praktikumsschleife.
So kommen Sie aus der Praktikumsschleife

Freie Mitarbeit
In Zeiten, da Unternehmen sich jede Festeinstellung dreimal überlegen, schlägt die Stunde der freien Mitarbeiter. Vor allem in der Medien- und Kommunikationsbranche sowie in IT-Unternehmen werden Projektaufträge häufig an Freie vergeben. Das ist die Chance für Absolventen, die bislang noch keine Festanstellung gefunden haben. Vorteil: Als Honorarkraft sammeln sie Praxiserfahrung, bekommen einen Fuß in die Tür und sind frei in ihrer Entscheidung, wann, wie lange und für wen sie arbeiten. Nachteil: Freie Mitarbeiter haben kein geregeltes Einkommen, keinen bezahlten Urlaub, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und müssen private Krankenversicherung und Altersvorsorge aus eigener Tasche zahlen. Nach Abzug aller Kosten bleibt oft nicht viel hängen, deshalb die Honorare nicht zu gering ansetzen. Gewerkschaften und Berufsverbände geben hier Orientierung. Tipp: Freiberufler sollten für mehrere Auftraggeber arbeiten. So entgehen sie der Abhängigkeit und dem Verdacht der Scheinselbstständigkeit.
www.freie-berufe.de

Zeitarbeit
Noch immer scheuen Akademiker vor einem Berufseinstieg über Zeitarbeit zurück. Zu Unrecht: Die Branche boomt derzeit mit zweistelligen Zuwachsraten, und ein Handikap im Lebenslauf ist Leiharbeit längst nicht mehr. Rekrutierende Unternehmen sehen es mittlerweile durchaus gern, wenn Bewerber nach ihrem Studium ein oder zwei Jahre bei Adecco & Co. ihre Flexibilität erprobt haben. Zudem haben die Zeitarbeitsfirmen ihr altes Ausbeuter-Image abgelegt: Leiharbeitskräfte profitieren mittlerweile vom neuen Branchentarifvertrag, der ihnen seit Anfang 2004 das gleiche Gehalt wie den Festangestellten im entleihenden Unternehmen garantiert. Das kommt vor allem höher Qualifizierten wie Ingenieuren, Betriebswirten, Bankfachleuten und IT-Spezialisten zugute. Die Chancen auf Übernahme stehen gut: Rund ein Drittel aller Zeitarbeitskräfte wird innerhalb eines Jahres vom entleihenden Unternehmen abgeworben. Bei Hochschulabsolventen kann die Quote je nach Fachrichtung sogar auf bis zu 70 Prozent steigen.
www.bza.de oder www.zeitarbeit-online.de Befristete Stelle
Arbeitgeber stellen in unsicheren Zeiten Neulinge oft lieber für ein zeitlich begrenztes Projekt ein. Die Gelegenheit sollte sich niemand entgehen lassen: Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung wird rund die Hälfte aller befristeten Stellen in unbefristete umgewandelt. Und ein reguläres Arbeitsverhältnis sieht im Lebenslauf besser aus als ein halbes Dutzend Praktika. Ein befristeter Vertrag kann bis zu drei Mal verlängert werden, darf aber insgesamt nicht länger als zwei Jahre dauern (in Startup-Unternehmen bis zu vier Jahren). Leider macht das Teilzeitbefristungsgesetz jenen Absolventen Schwierigkeiten, die beim gleichen Arbeitgeber bereits ein Praktikum oder einen Ferienjob absolviert haben: Laut Gesetz dürfen Arbeitnehmer nur einmal im Leben beim selben Unternehmen einen befristeten Arbeitsvertrag erhalten. Juristisch nicht eindeutig geklärt ist, ob auch ein freiwilliges Praktikum als befristeter Vertrag zu werten ist. Deshalb scheuen manche Arbeitgeber vor der befristeten Einstellung von Ex-Praktikanten zurück.
www.ratgeberrecht.de/index/is05299.html

Die besten Jobs von allen


Jobben
Um nach dem Studium erst einmal Geld zu verdienen, lassen sich viele Absolventen zur Überbrückung auch mal auf einen reinen Broterwerbsjob ein. Viele arbeiten einfach dort weiter, wo sie schon während der Uni-Zeit gejobbt haben. Doch für die Kneipe oder das Call Center wäre ein Studium eigentlich nicht nötig gewesen. Als wesentlich sinnvoller für die Karriereplanung erweisen sich Jobs in Branchen, in denen man auch dauerhaft landen möchte. Nicht nur, weil das ein prima Aufhänger für die spätere Bewerbung ist. Wer in seinem Wunschunternehmen jobbt, knüpft wertvolle Kontakte zu Kollegen und Chefs und erfährt früher als andere von frei werdenden Stellen. Als besonders durchlässig für Tellerwäscherkarrieren gelten kleinere Verlagshäuser, Sender, Produktionsfirmen, Internet- und Werbeagenturen: Sie achten weniger auf Zeugnisse und Lebensläufe als auf das, was jemand faktisch leistet. Geschichten vom Kabelträger, der sich zum Aufnahmeleiter hocharbeitete, werden in jedem TV-Studio erzählt.
www.gelegenheitsjobs.de Aufbaustudium
Nach dem Examen noch mal immatrikulieren? Sinnvoll ist das für jene Absolventen, die sich weiter spezialisieren möchten oder deren Studium nicht gezielt genug auf den Wunschberuf vorbereitet hat. Wer also nach dem Germanistik-Examen feststellt, dass die Literaturbranche nicht gerade auf ihn gewartet hat, kann beispielsweise an der Uni München einen Aufbaustudiengang in Buchwissenschaft belegen - und so seine Chancen auf eine Stelle erheblich steigern. Weiterer Vorteil: Praktika sind jetzt wieder problemlos möglich; schließlich haben Bewerber offiziell wieder den Status "Student/in". Zwar bringt das Aufbaustudium einige finanzielle Vorteile, etwa durch günstige Krankenkassenbeiträge oder das Semesterticket. Dem stehen jedoch Studiengebühren zwischen 50 und 650 Euro pro Semester für das Zweitstudium entgegen. Bafög gibt es nur noch in Ausnahmefällen. Um Nebenjobs werden Aufbaustudierende deshalb wohl kaum herumkommen. Aber auch hier gilt: strategisch auswählen (siehe auch "Jobben").
www.hochschulkompass.de (unter "Studium")

Auslandsaufenthalt
Noch keine Auslandsstation im Lebenslauf? Direkt nach dem Studium ist eine gute Zeit dafür. In Frage kommen ein befristeter Job (der idealerweise etwas mit dem angestrebten Beruf zu tun hat), eine Fortbildung oder ein Aufenthalt an einer Sprachschule. Das größte Hindernis ist meist das Geld: Flug, Unterkunft und Sprachschule müssen bezahlt werden. Besser sieht es bei befristeten Stellen oder Sommerjobs aus: Sie basieren auf den landesüblichen Mindestlöhnen, so dass sich der Aufenthalt mit dem Einkommen finanzieren lässt. Was kaum bekannt ist: Auslandsstipendien gibt es auch für Hochschulabsolventen. So fördert das europäische Programm "Leonardo da Vinci" Unternehmenspraktika und Sprachkurse im EU-Ausland mit bis zu 500 Euro monatlich, sofern das Examen nicht länger als ein Jahr zurückliegt. Andere Stipendienprogramme bieten der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD), die Fulbright-Kommission und das British Council.
www.wege-ins-ausland.de oder www.na-bibb.de

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Dieser Artikel ist erschienen am 01.10.2004