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Erstgespräch beim Personalberater

Jahrreiß, Elisabeth H.
Jedem Bewerber ist hinlänglich bekannt, dass der erste Eindruck entscheidet; dass dieser erste Eindruck in der Regel für den Berater schon der zweite ist, bleibt so manchem Bewerber verborgen.
Der Erstkontakt mit einem Personalberater kann sich über zwei Wege ergeben: Entweder der Personalberater spricht Sie auf eine von ihm zu besetzende Position an, oder Sie kontaktieren einen Personalberater, der in einer von ihm geschalteten Anzeige als Ansprechpartner für weitere Auskünfte genannt ist. Aus täglicher, oft leidvoller Erfahrung, möchte ich Ihnen heute den zweiten Aspekt näher bringen.

Ich habe festgestellt, dass der Ernst des Bewerberlebens offensichtlich häufig erst mit dem persönlichen Interview beginnt. Dem Verhalten bis dahin misst der Kandidat oft keine Bedeutung bei; leider, denn mancher wird von uns auf Grund seiner in dieser Phase zu Tage getretenen Unprofessionalität gar nicht erst eingeladen oder ist schon vor Beginn des Gespräches mit einer schweren Hypothek belastet - selbst im umkämpften Kandidatenmarkt.

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Jedem Bewerber ist hinlänglich bekannt, dass der erste Eindruck entscheidet; dass dieser erste Eindruck in der Regel für den Berater schon der zweite ist, bleibt so manchem Bewerber verborgen. Ein Bewerber, den ich zum Interview einlade, hat mit mir oder einem Projektleiter schon mindestens ein Telefonat geführt; seine Unterlagen sind von einer Assistentin oder dem Projektleiter gesichtet worden, er hat Termine gemacht, sich angemeldet, gewartet, kurzum: Er hat eine Visitenkarte hinterlassen, bevor unser Gespräch überhaupt begonnen hat.

Die Informationen aus diesen Begegnungen sind wichtig und geben oft nicht zu unterschätzende Hinweise für die Beurteilung: für Glaubwürdigkeit, Souveränität oder Führungsstil. Jeder Interviewer wird nach Belegen für die Ausführungen des Kandidaten suchen, dessen tatsächliches Verhalten in einer vermeintlich unbeobachteten Situation oder mit vermeintlich unwichtigen Menschen mehr als aussagekräftig ist.

Die Lust, einen Bewerber überhaupt einzuladen, der sich schon bei der Vorabauskunft disqualifiziert hat, hält sich in Grenzen.

Eine Reihe von Anregungen mag Ihnen für den Erstkontakt hilfreich sein:

  • Studieren Sie vor der Kontaktaufnahme die Anzeige im Detail. Jeder Berater wird Ihnen gerne ausführlich weitere Informationen zu der Position geben, aber eben nur weitere. Ersparen Sie es ihm, nach Dingen zu fragen, die in der Anzeige bereits beschrieben sind.

  • Wahrscheinlich ist eine Bewerbung für Sie eine besondere Situation, für den Berater ist sie Alltag. Versetzen Sie sich auch einmal in seine Situation. Können Sie sich vorstellen, wie viele Bewerber auf eine Anzeige telefonisch Auskunft einholen? Hilfreich ist es, die Anzeige, um die es geht, konkret zu benennen, mit Erscheinungsdatum, Medium, ausgeschriebener Position und/oder angegebener Kennziffer. Wer sagt, "ich wollte einfach nur einige zusätzliche Informationen haben", kann keine Höchstnote bei den oft geforderten Schlüsselqualifikationen Problembewusstsein, Lösungsorientierung, Zeitmanagement und Organisationsvermögen erwarten.

  • Welche Fragen haben Sie wirklich? Machen Sie sich ein paar Stichpunkte.

  • Überlegen Sie sich, welche unterschiedlichen Ansprechpartner Sie erwarten: die Telefonzentrale, die Sekretärin, der Projektleiter, der Berater. Mit wem besprechen Sie was?

  • Wenn der Klient, also das suchende Unternehmen, in der Anzeige nicht genannt ist, hat dies einen Grund, nach dem zu fragen selbstverständlich erlaubt, meistens jedoch fruchtlos ist. Überflüssig und lästig ist das detektivische Löchern des Beraters (möglichst nach dem Ausschlussverfahren). Der Berater ist zur Vertraulichkeit verpflichtet, nicht nur Ihnen, sondern auch dem Klienten gegenüber. Respektieren Sie dies.

    Sollten Sie Befürchtungen haben, dass der Berater nicht seriös arbeitet, brechen Sie das Gespräch ab, sollten Sie Befürchtungen haben, dass es sich bei dem Unternehmen um Ihren jetzigen Arbeitgeber handelt, sprechen Sie den Berater hierauf an. Er wird selbstverständlich diesen - auch mündlichen - Sperrvermerk berücksichtigen.

  • Bereiten Sie sich darauf vor, dass Berater oder Projektleiter den Kontakt nutzen, um Ihnen einige Fragen zu stellen. Schreiben Sie einen Lebenslauf auf, der die allerwichtigsten Daten enthält - in höchstens fünf Sätzen.

  • In der Regel ist es für den Berater eine wichtige Information, wie hoch Ihr derzeitiges Einkommen ist und wie es sich zusammensetzt. Nennen Sie Ihr Gehalt und verlangen Sie eine Rückmeldung vom Berater, ob die Position in etwa so dotiert ist, dass sie auch von dieser Seite für Sie interessant sein könnte.

  • Gehen Sie mit allen Ihren Ansprechpartnern so um, wie Sie es mit dem Berater tun. Welchen Eindruck würde es auf Sie machen, wenn jemand Ihre Sekretärin herablassend behandelt und zu Ihnen ausnehmend freundlich ist? Gute Mitarbeiter vermerken ihre Beobachtungen auf den Unterlagen. Das geht von "unfreundlich, kompliziert bei der Terminierung, arrogant, will alles grundsätzlich nur mit dem Berater besprechen", bis "hat Anzeige nicht gelesen".

    Ich denke, für Sie sind meine Hinweise alle selbstverständlich, und so bin ich gespannt auf den Erstkontakt mit Ihnen.

    Die Autorin ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Unternehmens- und Personalberatung Jahrreiss & Partner in München
  • Dieser Artikel ist erschienen am 27.02.2001