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Erste Bewährungsprobe für Klaus Kleinfeld bei Alcoa

Von Matthias Eberle und Joachim Hofer
Seit Herbst ist der ehemalige Siemens-Chef für das Tagesgeschäft des US-Aluminiumkonzerns zuständig. Heute kommen die Quartalszahlen.
NEW YORK/MÜNCHEN. Es war einer seiner letzten Tage in der Siemens-Zentrale am Wittelsbacher Platz in München. Draußen schien die warme Juni-Sonne, und der scheidende Siemens-Chef Klaus Kleinfeld riss das Fenster seines Büros weit auf, um einen Blick ins Freie zu werfen. Entgeistert schaute ihn ein Mitarbeiter an: "Haben Sie keine Angst vor einem Attentat?" Kleinfeld antwortete fatalistisch: "Jetzt ist es auch egal."Die kleine Szene zeigt, wie schwer Kleinfeld der Abschied nach 20 Jahren Siemens gefallen ist. Ob er da schon wusste, dass er ein Vierteljahr später ein Büro mitten in New York beziehen würde? Gut möglich, denn bereits im August verkündete der US-Aluminiumhersteller Alcoa die Verpflichtung des deutschen Managers. Mit einem Wechsel in die USA hatte Kleinfeld, den die Korruptionsaffäre von Siemens aus dem Amt gespült hat, schon mal kokettiert.

Die besten Jobs von allen

Am heutigen Mittwoch rückt Kleinfeld zum ersten Mal als neuer Chief Operating Officer ins Licht der Öffentlichkeit, denn Alcoa legt als erstes großes US-Unternehmen seine Quartalszahlen vor. Noch steht Kleinfeld nicht an der Front, die Ergebnisse wird Konzernchef Alain Belda mit Finanzvorstand Charles McLane präsentieren. Doch Kleinfeld ist für das Tagesgeschäft zuständig. Voraussichtlich wird Alcoa erneut schwache Zahlen präsentieren. Eine Vorlage für Kleinfeld, im Konzern mächtig aufzuräumen. Denn Marathonläufer Kleinfeld steht schon in den Startlöchern, um den 64-jährigen Belda zu beerben. Der hat Kleinfeld vor Mitarbeitern als seinen Wunschnachfolger auserkoren.In den ersten Wochen hat der 50-jährige Deutsche, der seit 2003 im Board von Alcoa sitzt, den Konzern erst einmal genau unter die Lupe genommen. Die Touren führten ihn von der Kommandozentrale in New York City bis zu den Aborigines ins west-australische Kwinana, wo der Alcoa -Kronprinz das Naturschutzgebiet "The Spectacles" besuchte. Das Feuchtgebiet ist zu einem Drittel im Besitz von Alcoa.So weit verstreut die Aktivitäten des Aluminium-Riesen auch sind: Kleinfelds Aufgabe ist es, den Konzern auf sein Kerngeschäft, die Produktion von Metall, zurückzuführen. Alcoa ist mit 30 Milliarden Dollar Umsatz zwar nicht annähernd so groß wie Siemens, dafür aber fast so verschachtelt. Neben Aluminium vertreibt der Konzern Räder, Befestigungssysteme, Präzisions- und Feinguss- sowie Bausysteme.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Belda steckt seit Jahren Prügel einBelda steckt seit Jahren Prügel dafür ein, dass er an schwachen Sparten festhält. Dass er seinen Posten bald zur Verfügung stellt, daran lässt der Konzern keinen Zweifel. Als Zeichen der Neuordnung hat Alcoa den Verkauf seiner Verpackungssparte für 2,7 Milliarden Dollar angekündigt - im Jahr 2000 hatte Alcoa fast sechs Milliarden Dollar dafür bezahlt.Jetzt hat der einstige Marktführer der Aluminiumbranche im globalen Ausleseprozess schlechte Karten. Die russische Alu-Fusion Rusal/Sual hat Alcoa an der Weltspitze abgelöst, Rio Tinto schnappte sich Alcan, andere Rohstoffkonzerne schwimmen in Geld. Aus Alcoa ist ein Übernahmekandidat geworden. Kleinfeld sei nicht gekommen, um sich übernehmen und vor die Tür setzen zu lassen, sagt Morningstar-Analyst Scott Burns. Er werde einen Verkauf aber kaum verhindern können, wenn dies im Interesse der Alcoa -Aktionäre sei.In München ist Kleinfeld seit seinem Abgang zwar nicht mehr aufgetreten. Doch angesichts immer neuer Enthüllungen im Bestechungsskandal wird seine Amtsführung auf der Hauptversammlung am 24. Januar sicher eine Rolle spielen. Aktionäre haben beantragt, ihn und seine Vorstandskollegen nicht zu entlasten.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.01.2008