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Erst zur Bank, dann in den Hörsaal

Von Christoph Moss
Deutschlands Studenten machen sich Gedanken über ihre persönlichen Finanzen. Ein Drittel der Nachwuchsakademiker ist sogar bereit, sich für das eigene Studium zu verschulden. Ein großer Teil von ihnen befürwortet Studiengebühren, belegt eine Handelsblatt-Studie.
Dies sind die zentralen Ergebnisse einer exklusiven Handelsblatt-Umfrage. Das Düsseldorfer Meinungsforschungsinstitut Innofact hat dazu 1008 Studenten zwischen dem 15. und dem 21. März repräsentativ befragt. Demnach würden sich 34,8 Prozent der Befragten zur Finanzierung ihrer Ausbildung verschulden. Für 54,8 Prozent käme ein Studium auf Pump dagegen nicht in Frage.Das Ergebnis ist deshalb beachtlich, weil Kredite aktuell so gut wie gar nicht zur Studienfinanzierung beitragen. Viel mehr leben Studenten heute vor allem vom Geld ihrer Eltern, von der eigenen Arbeit und vom Bafög (siehe dazu auch ?Mama und Papa zahlen?).

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Spätestens seit dem richtungweisenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Januar ist allerdings klar, dass sich Studenten an vielen deutschen Hochschulen auf Studiengebühren einstellen müssen.Bei der Bewertung dieser Gebühren sind die Betroffenen allerdings uneins. Zwar sprechen sich drei Viertel von ihnen grundsätzlich für eine entsprechende Abgabe aus; sie knüpfen dieses Votum aber an ganz konkrete Bedingungen. So ist ein Drittel der Befragten der Meinung, Gebühren sollten erst nach Ablauf der Regelstudienzeit erhoben werden. Ein weiteres Drittel kann sich Gebühren erst für ein Zweitstudium vorstellen. Und nur acht Prozent der Befragten wären bereit, schon zu Beginn des Erststudiums Gebühren zu akzeptieren.
Die Ergebnisse der Handelsblatt-Studentenbefragung (pdf-Format)
Sollten die staatlichen Universitäten ihre Studenten dann tatsächlich zur Kasse bitten, dürfte sich aber auch das Selbstverständnis der Betroffenen ändern ? vom staatlich verwalteten Bildungsempfänger zum anspruchsvollen Kunden. Dabei können die Hochschulen auf einem bemerkenswert hohen Vertrauensvorschuss aufbauen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Deutsche Hochschulen gleichwertig mit ausländischen UnisEin großer Teil der Studenten ist schon heute zufrieden mit der geleisteten Arbeit der Hochschullehrer. Fast zwei Drittel der Befragten halten ihre Professoren für kompetent in der Vermittlung von Wissen. Die Hälfte der Befragten findet darüber hinaus, dass sich das Lehrpersonal genügend Zeit für die Betreuung der Studenten nimmt.Und auch dem Vergleich mit dem Ausland halten die Hochschulen im Urteil der Nachwuchsakademiker Stand. So ist mehr als die Hälfte der Befragten der Meinung, dass die deutschen Hochschulen mindestens gleichwertig oder sogar besser als vergleichbare ausländische Einrichtungen sind. Damit einher geht die Einschätzung zu den Aussichten auf dem Arbeitsmarkt.Obwohl in Deutschland derzeit mehr als fünf Millionen Menschen einen Arbeitsplatz suchen, glaubt nur ein knappes Drittel der Befragten, im Ausland nach dem Studium bessere Berufschancen zu haben als hierzulande. Folglich sind die Studenten auch zufrieden mit ihrer eigenen Studienwahl. 68 Prozent der Befragten würden das gleiche Fach noch einmal studieren. Nur neun Prozent würden sich für eine Lehre entscheiden, wenn sie noch einmal die Wahl hätten.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.04.2005