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Ernüchterung statt E-Learning

Der Boom für E-Learning-Produkte ausgeblieben. Die Hoffnungen und Prognosen der Hersteller haben sich nicht erfüllt. Wie eine Studie zeigt, hat die neue Lernmethode dennoch ihre Berechtigung.
md DÜSSELDORF. Vor einem Jahr noch war die Euphorie groß. Virtuelles Lernen wurde bereits als die Methode der Zukunft gepriesen. Vor allem die Hersteller von E-Learning-Produkten malten sich kräftige Wachstumsschübe aus. Daraus ist allerdings nichts geworden. Die Zuwächse sind in der erwarteten Intensität ausgeblieben, und die Nachfrage wird wohl auch in naher Zukunft nicht entscheidend zunehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die Marktstudie der Dekra Akademie ?Klug durch E-Learning??.Demnach hat computergestütztes Lernen bislang einen erstaunlich geringen Verbreitungsgrad erreicht. Obwohl die Akademie ihre Umfrage (unter 51 Personalverantwortlichen und 214 Anwendern) auf die Dienstleistungsbranche konzentrierte, der ein großes Potenzial für den Einsatz von E-Learning zugeschrieben wird, fielen die Antworten insgesamt entäuschend aus. Für annährend die Hälfte der befragten Unternehmen ist E-Learning kein Thema.

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Am liebsten immer noch das PräsenzseminarDafür gibt es eine Reihe von Ursachen. Ein großes Problem stellt offenbar der fehlende persönliche Kontakt zum Trainer dar. Da wundert es nicht, dass für die betriebliche Weiterbildung nach wie vor das Präsenzseminar bevorzugt wird. Neben der isolierten Lernsituation wurde allerdings auch die häufig unbefriedigende Qualität der eingesetzten Programme kritisiert. Anwenderfreundliche Technik wird als eine Grundvoraussetzung gesehen, die allerdings noch nicht als ausreichend gewährleistet ist. Darüber hinaus stellten Anwender auch die zeitliche Flexibilität des E-Learning infrage. Denn anders als bei einem Seminar würden hier keine festen Termine für die Weiterbildung eingeplant.Insgesamt wird E-Learning positiv bewertetTrotz dieser Nachteile bewerten die Befragten ihre Erfahrung mit E-Learning als insgesamt positiv. Sie halten E-Learning vor allem dann für gewinnbringend, wenn es um reine Informationsvermittlung geht. Diese Ansicht wird laut Studie auch vom Markt bestätigt. So seien Lernprogramme, die sich ausschließlich auf Faktenwissen konzentrierten am erfolgreichsten. Demgegenüber steht die einhellige Meinung , dass sich mit E-Learning-Programmen soziale Qualifikationen wie Teamarbeit und Führungskompetenz nicht vermitteln lassen. Und obwohl die Implementierung und Pflege der System oft teurer als erwartet ist, dient E-Learning in den Unternehmen auch dem Ziel, Kosten zu verringern und den Verlust von Arbeitszeit zu minimieren, der durch Weiterbildung entsteht.Blended Learning ist das neue ZauberwortDie Studienergebnisse zeigen, dass es auch in Zukunft wohl keine E-Learning-Flut geben wird. Vielmehr dürften die neuen Medien ihren bestimmten Platz innerhalb eines Gesamtkonzeptes für strategische Weiterbildung einnehmen. Amerikanische Marketingexperten haben für diese Konstellation ?wie nicht anders zu erwarten ? bereits einen neuen Begriff geschaffen. ?Blended Learning? heißt das Zauberwort, dass die jeweils am besten geeigneten themen-, zielgruppen- und situationsbezogenen Lernmethoden zu einem Arrangement kombiniert. Und das natürlich auch unter Verwendung von E-Learning.
Dieser Artikel ist erschienen am 29.04.2002