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Erneuter Führungswechsel bei Infineon

Auch die Speichersparte bei Infineon bekommt eine neue Führungsspitze. Nachdem bereits Vorstandschef Schuhmacher abgetreten war, ist dies der zweite Personalwechsel in der Führungsetage des Münchener Chip-Herstellers in kurzer Zeit.
HB MÜNCHEN. Der Münchener Chipkonzern hat Thomas Seifert überraschend zum neuen Chef für den wichtigen Geschäftsbereich Speicherchips (DRAMs) ernannt. Der bisherige Leiter der Sparte, Harald Eggers, verlasse das Unternehmen nach mehr als 25 Jahren auf eigenen Wunsch, ?um sich auf das Privatleben zu konzentrieren?, teilte Infineon am Mittwoch in München mit.Eggers ist 54 Jahre alt und galt als Vertrauter Schumachers. Der 40-jährige Seifert, der seine neue Aufgabe zum 1. Juni übernehmen soll, leitete seit 2002 den Bereich ?Drahtgebundene Kommunikation?, in dem Halbleiter für die Festnetzkommunikation hergestellt werden. Seinen Posten werde vorläufig der für den Bereich zuständige Finanzchef Peter Gruber übernehmen.

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Die Infineon-Aktie hatte bereits zu Handelsbeginn deutliche Kursgewinne verbucht und notierte am Nachmittag mit 10,68 ? um 3,6 % im Plus.Nicht nur der Abritt Schumachers - Nachfolger wird der bisherige Continental-Vizechef Wolfgang Ziebart - sorgte bei den Münchener zuletzt für Schlagzeilen. Auch die Zukunft des Speicher-Geschäfts stand nach dem Wechsel an der Konzernspitze im Zentrum von Spekulationen. Am Montag erst hatte ein Konzernsprecher zwar betont, dass das Segment auch künftig Kerngeschäft von Infineon sei. Strategische Veränderungen hatte er aber nicht ausgeschlossen: ?Wir prüfen regelmäßig Möglichkeiten, wie wir uns in unseren Geschäftsfeldern stärken können.?Branchenkreisen zufolge gilt dies auch für die DRAMs. Denkbar seien für die Sparte etwa die Einbringung in ein Gemeinschaftsunternehmen oder auch ein so genannter Spin-Off, hatte es geheißen. Dabei würde der Bereich als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert, der Mutterkonzern aber nach wie vor die Mehrheit halten.?Es ist nicht zuletzt auf den großen Sachverstand, die weltweiten persönlichen Kontakte und das ausgezeichnete Kulturverständnis von Dr. Eggers zurückzuführen, dass sich Infineons Speichergeschäft in dem von Natur aus zyklischen DRAM-Markt so gut entwickelt hat?, erklärte der Interimschef und Aufsichtsratsvorsitzende Max Dietrich Kley. Allerdings war der Bereich im wesentlichen für die Verluste von über 2,5 Mrd. ? verantwortlich, die der Konzern in den vergangenen drei Jahren im Zuge der Halbleiterkrise anhäufte.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.05.2004