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Erfolgreiche Karrieren lassen sich nur in Konzernen machen

Martin Roos, Illustration: Sabine Kobel, Foto: PR.
Absolventen träumen von der Superkarriere im großen Konzern. Warum nur? Wer international und erfolgreich sein will, muss nicht bei McKinsey, Porsche oder Siemens anfangen. Mittelständler bieten die meisten Jobs, Topmarken und die Chance, sich beruflich bestens aufzustellen.
Natürlich ist ThyssenKrupp ein internationaler Konzern mit vielen Möglichkeiten. Und auch in Ludwigsburg bei Stuttgart zu arbeiten, ist nicht schlecht ? das Freizeitangebot ist groß. Doch Marc Beckers, 32, wollte mehr. Mehr vom Job, mehr vom Leben. Er wechselte 2004 in die Provinz zu Falke. Ein Risiko? War er doch allein schon bei der Ludwigsburger Tochtergesellschaft von ThyssenKrupp für die Personalentwicklung von 1.000 Leuten zuständig! Falke hat in ganz Deutschland gerade mal 1.200 Mitarbeiter. Doch nicht nur die Marke des Strumpfherstellers lockte ihn ins Hochsauerland. Auch die inhaltliche Verbesserung. ?Je größer ein Konzern ist, desto mehr muss man sich spezialisieren. Ich wollte breiter arbeiten?, sagt Beckers. Zu seinem Job in einem Team von vier Mitarbeitern gehört neben Personalentwicklung heute auch Personalstrategie, Recruiting und arbeitsrechtliche Beratung.

Jobturbo Mittelstand > Kleinere Unternehmen wie Falke bieten Vorteile, auf die man in Großkonzernen oft vergeblich wartet: früh Verantwortung tragen, kurze Wege, schnelle Umsetzung der Projekte, Tür an Tür arbeiten mit dem Chef. Auch angesichts der über 3,3 Millionen Unternehmen in Deutschland, die zum Mittelstand zählen, ist es erstaunlich, dass viele Absolventen oft nur von Konzernkarrieren träumen. Die Mittelständler vergeben fast 70 Prozent aller Arbeitsplätze. Darunter 600.000 Positionen für Führungskräfte. Selbst Chef werden ist dort heute so einfach wie nie. Laut der aktuellen Mittelstandsstudie der DZ Bank planen 54 Prozent der Mittelständler in den nächsten zehn Jahren einen Führungswechsel ? nur in jedem dritten dieser Betriebe wird ein Familienmitglied die Leitung übernehmen

Die besten Jobs von allen


Als Generalist im Personalwesen sieht sich Beckers gut für den Arbeitsmarkt gerüstet. Wie lange er in Schmallenberg bleibt, ist ungewiss. Doch die Vorzüge der Provinz hat er bereits lieben gelernt: Zum Job braucht er nur fünf Minuten, die Miete ist halb so teuer wie in Stuttgart, für gut 100 Quadratmeter zahlt er 500 Euro. Und auch die Freizeitangebote der schwäbischen Alp sind schnell vergessen. Der Wanderer kommt im Hochsauerland ebenso auf seine Kosten wie der Wintersportler: Schmallenberg hat eigene Skilifte.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2007