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Erfolg mit dem, was Gott erlaubt

Von Helge Hesse
John Cadbury legte mit religiöser Überzeugung den Grundstein für sein Imperium. Den Quäkern, denen seine Familie angehörte, war der Konsum der meisten Genussmittel verboten. Übrig blieben Tee, Kaffee und Schokolade.
DÜSSELDORF. Als John Cadbury 1824 in einer feinen Gegend Birminghams ein Lebensmittelgeschäft eröffnete, standen ihm in England weniger Wege zum Erfolg offen als anderen jungen Männern, die ? wie er ? begabt und aus wohlhabendem Hause waren. Die Cadburys gehörten der religiösen Gemeinschaft der Quäker an, weshalb John der Besuch einer Universität verwehrt blieb. Da die Quäker obendrein den Waffendienst ablehnten, kam für ihn auch die zweitbeste Lösung ? die Militärlaufbahn ? nicht in Frage.Auch das Warenangebot in Johns Laden war geprägt von den Regeln seiner Religionsgemeinschaft. Den Quäkern war der Konsum der meisten Genussmittel verboten. Sie rauchten nicht, vor allem Alkohol lehnten sie ab. Johns Eltern kämpften in der Temperenzlerbewegung leidenschaftlich gegen die Trunksucht. Mit geistigen Getränken konnte John seinen Kunden nicht dienen.

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Zu dem, was den Quäkern zu genießen blieb, gehörten Tee, Kaffee und Schokolade. Das fand sich also auch in den Auslagen Johns, der eine Lehre als Teehändler absolviert hatte. Vor allem das ?bittere Wasser? ? so ist der aztekische Begriff des kakaohaltigen Getränks ?Xocóatl? wortwörtlich zu übersetzen ? wurde zum süßen Erfolg für Generationen der Familie.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Cadbury Brothers nutzten die Zeichen der Zeit und die neue Technik der Kakaoverarbeitung.Anfangs rührt John den Kakao mit einem Mörser noch selbst an, dann entschloss er sich auf Grund des großen Erfolgs, eine kleine Fabrik zu mieten. Das Geschäft entwickelte sich so gut, dass John das Ladengeschäft an einen Cousin übergab und sich ganz der Produktion zuwandte. Mit seinem Bruder Benjamin firmierte John ab 1847 als Cadbury Brothers. Der Phantasie, mit der sie ihre Schokoladenwaren anpriesen, waren keine Grenzen gesetzt. Die Produkte erzählten von der Exotik damals noch ferner Länder oder vermittelten Ruhe und Gelassenheit und hießen Spanish Chocolate oder Churchman?s Chocolate. Die Cadburys boten Schokolade als Kekse, als Pulver, als Flocken und selbst als Heilmittel an. Sie nutzten die Zeichen der Zeit und die neue Technik der Kakaoverarbeitung. Statt sich dem Alkohol hinzugeben, trank man süßen, warmen Kakao.In den 50er-Jahren des 19. Jahrhunderts hob der damalige britische Schatzkanzler William Gladstone die hohen Zölle für Schokolade auf. Spätestens jetzt wurde Schokolade in Großbritannien zum Massenprodukt. Johns Söhne George und Richard, die 1861 die Geschäftsführung übernahmen, standen bereit, eine rasant wachsende Nachfrage zu befriedigen. Sie arbeiteten an der Verbesserung der Herstellung und perfektionierten mit Hilfe des schweizerischen Schokoladenfachmanns Friedrich Kinchelmann das Wissen um die Schokoladenherstellung.Ergebnis waren neue Schokoladensorten und später der berühmte Schokoriegel ?Cadbury?s Dairy Milk?. Die wirtschaftlichen Erfolge nutzte George Cadbury, um sich sozial zu engagieren, besonders durch die Errichtung der Modellstadt Bournville für seine Arbeiter und deren Familien.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.08.2006