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Entscheiden

Uwe Böning
Sie sind 35 oder knapp darüber. Und die Frage ist: Wie geht es weiter? Sind Sie auf dem Gipfel Ihrer Entwicklung oder noch weit davor? Bleiben Sie auf einem Plateau, vielleicht sogar für lange Zeit, oder müssen Sie demnächst wieder den Rückweg einschlagen? Wo wollen Sie hin?
Sie sind 35 oder knapp darüber. Und die Frage ist: Wie geht es weiter? Sind Sie auf dem Gipfel Ihrer Entwicklung oder noch weit davor? Bleiben Sie auf einem Plateau, vielleicht sogar für lange Zeit, oder müssen Sie demnächst wieder den Rückweg einschlagen? Wo wollen Sie hin? Was geben Sie auf? Was sind Sie bereit zu zahlen?

Eine Menge Fragen - und solche, über die nachzudenken sich lohnt. Auch schon mit Mitte Dreißig, Anfang Vierzig. Gerade haben Sie ein ordentliches Gehalt bekommen. Karrieremäßig ist scheinbar noch alles offen. Geheiratet, Kind bekommen, vielleicht auch zwei. Schöne Wohnung und Pläne für ein eigenes Haus. Wollen Sie ein Beweger oder ein Betrachter werden? Unternehmer oder Angestellter? Wollen Sie Macht oder die Akzeptanz des Teams? Sind Sie Fachexperte oder ein Kommunikator? Mount Everest oder Schwarzwald - das ist die Frage! Also: Treffen Sie eine Entscheidung! Nein, treffen Sie zehn Entscheidungen - und halten Sie sich daran.

Die besten Jobs von allen


>> Sind Sie ein Macher, dann gilt für Sie: Speed, Speed, Speed. Sind Sie ein Betrachter, dann nehmen Sie sich Zeit. Denn nur in der Zeit vollziehen Sie jene Wiederholung der Erfahrung, die Sie brauchen, um sicher zu urteilen.

>> Sind Sie ein Ergebnissprecher oder ein Sprechdenker? Ergebnissprecher denken tief nach, analysieren, schlussfolgern und veröffentlichen das Resultat ihres Denkens. Wie ein Kommuniqué. Sprechdenker gehen in den öffentlichen Dialog. Sie brauchen ihn, sonst können sie nicht denken. Irgendwann kommen auch sie zu Schluss und Schlussfolgerung. Ergebnissprecher halten Sprechdenker für labyrinthisch, unklar und langatmig. Sprechdenkern vergeht in der sachkühlen Atmosphäre von Ergebnissprechern die Lust. In welcher Gruppe müssen Sie arbeiten, um erstklassig zu sein oder sich wohlzufühlen?

>> Sind Sie Individualist oder Teamplayer? Als Individualist müssen Sie nur sich in Szene setzen, als Teamplayer auch andere. Das verlangt einen unterschiedlichen Einsatz, verschiedene Techniken und eine andere Aufmerksamkeit. Was für Sie wichtiger ist, wird man Ihnen unweigerlich anmerken. >> Verfügen Sie über rationale oder emotionale Intelligenz? Sind Sie eher Techniker, Logiker, Analytiker, Zahlenmensch oder eher Psychologe, Projektgestalter und Künstler? Agieren Sie beruflich dort, wo Sie Ihre Stärken haben. Machen Sie das andere nur zum Hobby.

>> Wollen Sie Geld oder Inhalte? Hier gilt: Ein Kompromiss ist ein Kompromiss für Ihre Entwicklung. Natürlich kann es Spaß machen, etwas Neues zu erfinden, etwas Tolles zu bauen, wirklich etwas zu gestalten, etwas Künstlerisches zu kreieren. Aber Geld verdient man im Investmentbanking mehr.

>> Gesundheit oder Karriere? Beides werden Sie nicht schaffen. Denn abgerechnet wird nicht heute, sondern in zwanzig Jahren. Reden Sie mit unseren Olympiateilnehmern. Nicht mit denen von heute, sondern mit denen von früher. Am besten mit den Turnerinnen, denn Turnen hält angeblich gesund.

>> Macht oder Moral? Die Frage scheint völlig überholt und entschieden. Mitnichten. Die allgemeine Geschichte enthebt Sie nicht einer persönlichen Entscheidung. Und die Frage wird nicht sein: Was finden Sie schöner? Sondern: Was halten Sie aus?

>> Sie stehen an einer Kreuzung. Der eine Wegweiser zeigt nach "Unternehmen gestalten". Das andere Schild zeigt in die Richtung "Menschen entwickeln". Für welchen Weg entscheiden Sie sich? Wo liegen Ihre Stärken? Konzentrieren Sie sich am besten darauf und respektieren Sie die Profis auf der anderen Route. Von ihnen zu lernen schadet auch nicht immer.

>> Was ist Ihnen mehr Wert: Öffentliches Image oder persönliche Authentizität? An beidem müssen Sie hart und lange arbeiten. Wer Image will, braucht eine klare Rolle. Er ist geprägt von einer klaren Zielgruppe, nach deren Beifall er sich richten wird. Wer persönliche Echtheit will, darf Konflikte nicht scheuen. Ob er darin stark wird oder schwach, das zeigt seine Persönlichkeit. Image hängt von außen ab, Persönlichkeit von innen.

>> Sind Sie ein Peitschentyp oder ein Schokoladentyp? Karrieristen vom Typus Peitsche treiben sich und andere unbarmherzig nach vorne. Perfektion ist ihr Maßstab, Spannung ihr Zustand und Angst vor Versagen ihr Treibsatz. Nichts ist ihnen gut genug. Schokoladentypen sind Siegertypen. Sie leben vom Zutrauen in den Erfolg - bei sich wie anderen. Sie feuern sich und andere über ein positives Feedback an. Sie sind von der Freude mehr gezogen als von der Angst getrieben.

>> Fazit: Wer schnell entscheidet, hat mehr vom Leben. Wer rechtzeitig entscheidet, hat noch mehr vom Leben. Und vergessen Sie nicht: Man kann sich nirgendwo so wohlfühlen wie im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.03.2001