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Engel verzweifelt gesucht

Die Fragen stellte Peter Nederstigt.
Angesichts der Zurückhaltung von Wagniskapitalgesellschaften werden Business Angels bei der Frühphasenfinanzierung an Bedeutung gewinnen. Den Einstieg erleichtern Netzwerke.
Karl Gerhard Schmidt, Chef der SchmidtBank, und Bernd Rödl, Wirtschaftsprüfer und Gründer von Rödl & Partner, sind Hauptsponsoren der Nordbayerischen Business Angels (NBA). Mit NBA-Geschäftsführer Rouven Westphal erklären sie, wie mehr Menschen als Business Angels zu gewinnen sind.

Herr Rödl, Business Angels helfen jungen Unternehmen mit Rat und Kapital. Was ist wichtiger?

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Rödl: Auch wenn ich selbst als Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt arbeite, halte ich die finanzielle Unterstützung für wichtiger. Denn was nützt mir ein guter Rat, wenn ich nicht das Geld habe, ihn umzusetzen.

Herr Schmidt, warum engagiert sich ein Banker als Business Angel? Machen Sie sich nicht selbst Konkurrenz?

Schmidt: Nein, ich sehe das eher als Ergänzung. Eine Bank deckt ja nicht alle wirtschaftlichen Aktivitäten ab. Ich finde, als privates Bankhaus trägt man aber auch Verantwortung für die Region, in der man verwurzelt ist. Daneben hoffe ich auch, durch meine Beteiligung an jungen Unternehmen künftige Kunden zu gewinnen.

Warum werden so wenig potenzielle Business Angels wirklich aktiv? In einer Studie wird das Verhältnis auf 200.000 zu 27.000 beziffert.

Westphal: In der Tat klaffen Potenzial und Engagement in ganz Deutschland auseinander. Im NBA gibt es mehr als 40 aktive Business Angels. Rund 100 weitere Interessenten stehen mit uns in Verbindung. Aktive Hilfe kommt in Deutschland erst langsam auf.

Schmidt: Bisher hatten viele Unternehmer aufgrund ihrer eigenen Arbeit auch gar keine Zeit, sich mit der Frage zu befassen, was sie für andere Unternehmen tun können.

Rödl: Ein weiterer Aspekt ist die Angst vor neuen Branchen. Viele ältere Unternehmer kennen sich mit Themen wie Internet oder Biotechnologie nur wenig aus.

Herr Rödl, sie haben alleine eine Kanzlei mit 2.200 Mitarbeitern aufgebaut. Wie wirkt sich das bei Ihrem Engagement für junge Unternehmen aus?

Rödl: Einerseits neige ich dazu, anderen die Starthilfe zu geben, die ich selbst nicht hatte. Andererseits sehe ich auch die Gefahr, dass die Gründer heute zu sehr in Watte gepackt sind.

Viele Venture Capitalists (VC s), die ebenfalls junge Firmen mit Eigenkapital unterstützen, investieren ihr Geld momentan nur sparsam. Gilt das auch für Business Angels?

Westphal: Wir spüren zur Zeit noch keine Zurückhaltung bei unseren Mitgliedern. Business Angels verfolgen bei ihren Investitionen eine längerfristige Perspektive als die VC s. Bei ihnen steht der Exit - also der Verkauf des Investments - nicht so stark im Vordergrund. Schön ist, dass die Business Angels jetzt mehr Anteile für ihr Geld erhalten.

Das NBA arbeitet schon mit VC s zusammen. Welche Vorteile haben diese von einer gemeinsamen Investition?

Westphal: Im vergangenen Jahr haben sich Mitglieder des NBA an 18 Unternehmen beteiligt. In jedem zweiten Fall investierten sie gemeinsam mit einem VC. Der Business Angel fungiert gleichzeitig als Ratgeber. Die VC s sparen damit Zeit und Personal. Allerdings geht die Kooperation bei der Aufteilung der Anteile auf Kosten des VC s.

In Anlehnung an die Wagniskapitalfonds hat das Munich Business Angels Network (MBAN) im vergangenen November einen Fonds für Business Angels aufgelegt. Ist das eine Möglichkeit, mehr vermögende Personen für ein Engagement zu gewinnen?

Rödl: Der MBAN-Fonds ist ein gutes Modell. Ich persönlich finde aber, dass die Arbeit als Business Angel viel von ihrem Charme verliert, wenn man in einen anonymen Fonds investiert, anstatt auch als Ratgeber zu fungieren.

Schmidt: Ich traue mich auch noch nicht, so etwas anzubieten. Dazu fehlen Erfahrungen. Eine Frage ist zum Beispiel: Wer ist verantwortlich, wenn eine Investition schief geht. Als Business Angel tragen Sie das Risiko selbst.

Rödl: Eine Alternative ist die Zusammenarbeit mehrerer Business Angels, wie sie in unserem Netzwerk auch praktiziert wird.

Welche Vorteile bietet ein solches Netzwerk - außer dass man weiß, an wen man sich bei der Suche nach einem Business Angel wenden muss?

Westphal: Die Investoren haben den Vorteil, dass die uninteressanten Businesspläne ausgefiltert werden. Der Gründer erhält bereits viel Know-how, ehe es zu einer Beteiligung kommt. So erklären wir ihm auf Wunsch am Telefon, warum wir sein Geschäftskonzept noch nicht für ausgereift halten. Außerdem versuchen wir, Investoren, die nicht im Interesse der Gründer handeln, von vorneherein auszuschließen.

Rödl: Ich glaube, ein Netzwerk wie NBA trägt aber auch dazu bei, mehr Menschen für ein Engagement als Business Angel zu gewinnen, denn dazu müssen sie "Zeugen" vorweisen. Auch hier gilt: Der Erfolg lehrt den Erfolg.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.05.2001