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Enfant terrible schockt TV-Markt

Hans-Peter Siebenhaar
James Murdoch will den Anteil am deutschen Abo-Fernsehsender Premiere erhöhen. So greift der 35-jährige Sohn des Milliardärs Rupert Murdoch die deutsche Fernsehbranche an.
James Murdoch schmiss sein Studium und gründete ein Hip-Hop-Label.
DÜSSELDORF. Den unerwarteten Angriff, den schätzt James Murdoch. Der Filius des 77-jährigen Medientycoons Rupert Murdoch hat daher mit Sympathie verfolgt, wie Premiere-Chef Michael Börnicke in der vergangenen Woche den deutschen Fernsehmarkt aufmischte. Der Vorstandsvorsitzende des Bezahlsenders kündigte völlig unerwartet an, er wolle den Privatsender Sat 1 kaufen. Auch wenn dazu die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 offenbar (noch) nicht bereit ist ? Premiere hat sich als Akteur auf dem TV-Markt zurückgemeldet.Sein Investment Premiere gefällt James Murdoch. Mit dem jahrelangen Verlustbringer hat der Sohn aus Rupert Murdochs zweiter Ehe noch Großes vor. Deshalb plant er laut ?Wall Street Journal?, seinen Anteil am Bezahlsender auf eine Sperrminorität von 25 Prozent zu erhöhen.

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Das weltgrößte Wirtschaftsblatt muss es schließlich wissen. Denn es gehört zu Murdochs Medienkonzern News Corp. Dort ist James Murdoch seit vergangenem Jahr für Europa und Asien zuständig.Das Pay-TV-Geschäft kennt James Murdoch aus dem Effeff. Als Chef des britischen Bezahlfernsehsenders BSkyB hat der 35-Jährige vorgeführt, wie man mit Fußball richtig Geld verdienen kann. ?Gemeinsam haben wir gezeigt, dass man mit einem Appetit auf Veränderungen Erfolg erzielen kann?, schrieb James in seiner Abschiedsmail an die Mitarbeiter Ende vergangenen Jahres.Der Sohn des gerissenen MedienMilliardärs hat es bei BSkyB nicht leicht gehabt. Gegen den Willen vieler Investoren setzte der Vater vor fünf Jahren seinen Sohn als Chef durch.Die Analysten machten sich anfangs über den hyperaktiven Vorstandschef lustig. Doch schnell wurden sie eines Besseren belehrt. Er führte BSkyB zu neuen Höhen. ?James Murdoch hat eindrucksvolle Erfolge vorzuweisen. Er ist ein echter Profi?, lobt deshalb Premiere-Chef Börnicke.Lesen Sie weiter auf Seite 2: In jungen Jahren zeichnet er Cartoons Einst war Murdoch junior ein Enfant terrible. Er provoziert mal mit blond gefärbten Haaren oder schockt mit Tattoos. Mit seinen Professoren an der Eliteuniversität Harvard überwirft er sich. Ohne Abschluss verlässt er die Kaderschmiede, gründet das Hip-Hop-Label ?Rawkus? und zeichnet Cartoons für das Studentenmagazin ?Lampoon?.Vater Rupert wird es schließlich zu bunt. Er kauft 1996 die Plattenfirma und holt den Filius zu News Corp. Das kommt den Senior anfangs teuer zu stehen. Denn James Murdoch kauft für 450 Millionen Dollar die Internetfirma Pointcast, die später für ganze sieben Millionen Dollar weitergereicht wird. Doch James liefert schließlich in Hongkong sein Meisterstück ab: Mit guten Ideen holt er den asiatischen Satellitensender Star TV aus den roten Zahlen. Nun will er mit Premiere in Deutschland sein zweites Meisterstück schaffen.Für den 81-jährigen, deutschen Medienunternehmer Leo Kirch ist der Einstieg der Murdochs bei Premiere keine gute Nachricht. Denn Rupert Murdoch hat bei der Pleite des Kirch-Imperiums vor sechs Jahren viel Geld verloren. Das ist bis heute unvergessen. Und sein zweitältester Sohn James? Der kennt die Geschichte sehr genau.
Dieser Artikel ist erschienen am 16.04.2008