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Energieriese Eon geht für Manager weltweit auf Einkaufstour

Von Christoph Mohr, Handelsblatt
Der Düsseldorfer Energiekonzern EON investiert in die Weiterbildung der Mitarbeiter. Die Eon Academy ist eine typische ?corporate university? mit wenigen eigenen Mitarbeitern und vielen eingekauften Programmen.
Die Eon AG investiert in die Weiterbildung von Top-Managern.
Zentrale, konzernübergreifende Einrichtung dazu ist die Eon Academy: eine typische ?corporate university? mit wenigen eigenen Mitarbeitern und vielen eingekauften Programmen, die seit 2004 in einem aufwendig umgebauten historischen Gebäude in Düsseldorf residiert. Dabei kommen nur etwa 1 500 der insgesamt etwa 70 000 Eon-Mitarbeiter in den Genuss dieser Programme, vor allem drei Zielgruppen: das Top-Management, die zweite Führungsriege und der viel versprechende Führungsnachwuchs.?In der Regel schicken wir unsere Manager nicht in Programme an Business Schools, sondern wir lassen uns von den Schulen Programme für unsere Bedürfnisse maßschneidern?, erklärt Ellen Feldhoff, bei der Eon-Academy für die Programmentwicklung zuständig. Dafür geht die Betriebswirtin, die über ?strategisches Management humaner Wissensressourcen? promovierte und maßgeblich am Aufbau des MBA-Studiengangs der Universität Mannheim beteiligt war, weltweit auf Einkaufstour. Maßschneidern lässt sich die Eon Academy Managerfortbildungsprogramme gegenwärtig vor allem von vier Partnern: der Harvard Business School, der London Business School, IMD (Lausanne) und der European School of Management und Technology (ESMT).

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?Wir kaufen in erster Linie General Management-Programme ein?, erklärt Feldhoff. ?Bei der Persönlichkeitsentwicklung ? Stichwort: Leadership ? sind die klassischen Trainer nicht zu ersetzen.? Im Programm der Eon Academy findet sich so etwa ein viertägiges Programm ?Leading Corporate Transformation? für 40 Top-Manager, das die Harvard Business School durchführt oder ein zehntägiges ?International Senior Managers Program? am IMD für die selbe Anzahl von Eon-Managern.Das Konzipieren solcher Programme ist ein Wechselspiel zwischen Eon Academy und Business School. ?Die Programme sind dann gut, wenn wir einen engen Kontakt zu den Dozenten haben?, weiß Feldhoff. Die Akademie ist auch bestrebt, eigene Manager als Dozenten mit in das Programm einzubauen ? manchmal bis zu einem Drittel. Im Idealfall ist ein solches Programm dann mehr als eine Managerfortbildung auf hohem Niveau: ?Es gibt Programme, da lassen wir unsere Manager auch eine Woche an einem konkreten Problem arbeiten. Oder wir nutzen das Management-Know-how einer Schule, um parallel Projekten in unserem Unternehmen zu begleiten.?All das hat seinen Preis: ?Allein für maßgeschneiderte Programme gibt die Eon Academy 4,5 Millionen Euro pro Jahr aus?, erklärt Feldhoff. Ob sich solche Investitionen lohnen, wird streng evaluiert. ?Wir lassen unsere Teilnehmer verschiedene Aspekte eines Programms bewerten, natürlich die Dozenten, aber auch Service, Logistik, Unterbringung. Nach drei bis vier Monaten machen wir darüber hinaus mit ausgewählten Teilnehmern Folgeinterviews.? Dann zeigen sich auch die Unterschiede zwischen den Anbietern: ?Die Harvard Business School ist immer noch ein Stück professioneller als die anderen?, so Feldhoffs Erfahrung.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.05.2005