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Endlich kommt der Wettbewerb

So mancher mochte zwischendurch die Hoffnung schon aufgegeben haben, nun aber ist es soweit: Ende Juni haben sich die Wissenschaftsministerinnen und -minister der Länder mit der Bundesministerin Bulmahn darüber verständigt, für die so genannte "Exzellenzinitiative zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen" den Weg frei zu machen.
So mancher mochte zwischendurch die Hoffnung schon aufgegeben haben, nun aber ist es soweit: Ende Juni haben sich die Wissenschaftsministerinnen und -minister der Länder mit der Bundesministerin Bulmahn darüber verständigt, für die so genannte "Exzellenzinitiative zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen" den Weg frei zu machen.

Ende des Gezerres
Trotz des langen verfassungs- und wohl nicht zuletzt auch parteipolitischen Gezerres konnte auf der politischen Ebene endlich Einigkeit über das erzielt werden, was aus Sicht des Hochschul- und Wissenschaftsbereichs schon längst als wünschenswert erkannt war: Für die Hochschulen stehen im Rahmen der so genannten "Exzellenzinitiative" 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung.
Und jetzt geht auch alles ganz schnell: Bis zum 1. August müssen die Hochschulen erklären, ob sie an diesem Wettbewerb teilnehmen wollen. Man kann mit einem lachenden und einem weinenden Auge sagen, dass sie schließlich genug Zeit zum Vorbereiten hatten, und viele wissen in der Tat schon seit langem, ob und womit sie sich beteiligen wollen.
Auch wenn wir 1,9 Milliarden Euro, verteilt auf sechs Jahre, bereits als einen großen Gewinn für unser Hochschulsystem anzusehen haben, müssen wir konstatieren, dass in den immer wieder als Referenz genannten Universitäten der Vereinigten Staaten mit ganz anderen Dimensionen umgegangen wird: Harvard hat ein Stiftungsvermögen (endowment) von 19 Milliarden Dollar, Yale von elf Milliarden und Stanford von acht.

Die besten Jobs von allen


FC Stanford gegen Alemannia Berlin
Um nur die "kleinste" der US-Größen zu nehmen: Aus dem Stiftungsvermögen von Stanford resultieren rund 400 Millionen Dollar Zinsen, womit ein knappes Fünftel des jährlichen Haushalts von rund 2,7 Milliarden Dollar bestritten wird. Zum Vergleich: Die Freie Universität Berlin hat ein Zehntel dieses Budgets, aber doppelt so viele Studenten zu versorgen. Zwischen Stanford und der FU Berlin besteht finanziell vielleicht ein Verhältnis wie zwischen dem FC Bayern München und Alemannia Aachen. Aber so wie Alemannia zuweilen Bayern schlagen kann, so sind FU-Wissenschaftler auf etlichen Gebieten besser als Stanford-Professoren.

Forschung braucht Integration
Es kommt also nicht nur auf das Geld an, auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Und da sind die meisten Hochschulen weltweit anders aufgestellt: Die bei uns traditionell aus den Hochschulen ausgelagerte Forschung von Max-Planck- oder Fraunhofer-Instituten ist in anderen Ländern in die Hochschulen integriert. Hier brauchen wir noch mehr Zusammenarbeit bis hin zur Integration, damit das ganze System schlagkräftiger wird.
Jetzt wird es darauf ankommen, dass das Geld nicht vertröpfelt wird, sondern konzentriert bei den Besten landet. Hierfür benötigen wir keine langwierigen Verfahren, denn die Transparenz über die Hochschulleistungen ist bei uns größer als irgendwo auf der Welt. Wenn man die Spitzenplätze in der Forschung nach den Publikationen oder den zusätzlich eingeworbenen Forschungsmitteln betrachtet, dann kann man bereits heute Wetten annehmen, wer die Begünstigten bei der Exzellenzinitiative sein werden

Mancher gewinnt, jeder profitiert
Natürlich werden nicht alle, die zu den Guten gehören, dann auch in der Tat erfolgreich sein können. Auch das ist ein Prinzip des Wettbewerbs: Nicht jeder kann gewinnen. Weil Wettbewerb aber meistens kein Nullsummenspiel ist, werden auch von diesem nicht nur die profitieren, die gewinnen. Erhebliche Impulse werden von ihm ausgehen und er wird dazu beitragen, innovative Wissenschaftsfelder zu identifizieren und Forschungsprofile weiter auszubilden. Davon haben nicht nur die am Ende erfolgreichen Bewerber etwas, sondern das deutsche Hochschulsystem und die deutsche Forschungslandschaft insgesamt. 2007 winkt zudem eine zweite Runde

Detlef Müller-Böling, 57, ist Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) und Vordenker der universitären Bildungsreform in Deutschland.
Dieser Artikel ist erschienen am 29.08.2005