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Endlich ausziehen!

Katja Stricker, Jan Wochner, Fotos: Pixelio
Abi in der Tasche. Jetzt heißt es, nichts wie raus aus dem Nest - und rein ins wilde WG-Leben. karriere abi erklärt die wichtigsten Spielregeln fürs Zusammenleben. Von A wie "Alleine" bis Z wie "Zeitungsanzeige".
A - Alleine oder im Rudel: Wer fürs Studium auszieht, hat die Qual der Wahl. Wohnheime locken mit günstigen Mieten, Apartments mit viel Ruhe. Der Klassiker sind Wohngemeinschaften. Mit einem bunt zusammengewürfelten Haufen wildfremder Menschen wird Wohnung und Miete geteilt. Für Rudeltiere, die immer gerne jemanden zum Quatschen haben, die perfekte Lebensform. Wer lieber sein eigenes Reich hat, wird sicher in einer Single-Wohnung glücklicher

B - Bewerbungsgespräch: Gerade in den großen Uni-Städten ist der Run auf bezahlbare WG-Zimmer riesig. Deshalb warten vor dem Einzug erst mal etliche kritische Fragen eurer potenziellen Mitbewohner auf euch. Nutzt das Gespräch, um gegenseitig abzuchecken, ob ihr ähnliche Vorstellungen vom Zusammenleben habt und erkundigt euch nach Miete, Nebenkosten und Co

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C - Currywurst: Mit dem Auszug aus Hotel Mama heißt es: Schluss mit Futtern wie bei Muttern. Selber kochen ist angesagt, Abwasch inklusive. Damit der Gang in die Frittenbude oder der Griff zur Tiefkühlpizza nicht Routine wird, regt in eurer WG gemeinsame Kochabende an. Das ist deutlich amüsanter als alleine hinterm Herd zu stehen. Und der Abwasch geht auch schneller

D - Damenbesuch: Gäste sind in jeder WG willkommen. Doch der dauerhafte Anblick eines turtelnden Pärchens auf der Wohnzimmercouch wird jedem Single-Mitbewohner irgendwann zu viel. Daher die Bitte an alle Verliebten: Türen zu und Rücksicht nehmen. Und den Partner nicht klammheimlich als neues WG-Mitglied einbürgern

E - Elternbürgschaft: Studenten sind laut, ständig pleite und die Unzuverlässigkeit in Person - also nicht gerade der Traum eines Vermieters. Elternbürgschaften erleichtern ihm die Entscheidung, euch trotzdem einen Mietvertrag zu geben. Eure Eltern bürgen für den Fall, dass ihr die Miete nicht pünktlich zahlt. Ein formloses Schreiben, in dem das Wort Bürgschaft vorkommen sollte, mit Unterschrift reicht

F - Finanzen: Beim Geld hört die Freundschaft auf. Daher sind klare Regelungen wichtig: Miete und Nebenkosten wie Strom und Heizung werden - je nach Zimmergröße - anteilig gezahlt, ebenso die Kosten für Telefon-, Internet- und Kabelanschluss. Ob ihr eine gemeinsame Haushaltskasse für Lebensmittel, Klopapier und Co. macht, ist eine schwierige Frage. Wenn ja, solltet ihr vorher genau klären, was daraus bezahlt wird

G - Grillen: Generell dürfen Mieter auf ihrem Balkon machen, was sie wollen - solange sie niemand anderen belästigen. Und das kann beim Grillen mit Holzkohle zum Problem werden, wenn Rauch und Qualm zum Nachbarn rüberziehen. Wer Streit vorbeugen will, steigt auf einen Elektrogrill um

H - Heimweh: Neue Stadt und kein vertrautes Gesicht weit und breit. Da kann einen schon mal das Heimweh überfallen. Das beste Gegenmittel: ausgehen. Nutzt Einführungswoche und Erstsemesterpartys, um neue Leute kennen zu lernen. Und fragt doch einfach eure neuen Zimmernachbarn, ob sie Lust auf Kochen oder Kino haben

I - Im Sitzen pinkeln: Jungs sind unverbesserlich. Sie lassen es sich nicht nehmen mehrfach am Tag ihre Zielfähigkeit unter Beweis zu stellen. Auch wenn sich bei guter Trefferquote Glücksgefühle einstellen mögen, eine saubere Klobrille bleibt in den seltensten Fällen zurück. Deshalb gilt für alle WG-Toiletten: Gepinkelt wird im Sitzen. J - Jogurtbecher: Der Griff in den Kühlschrank, wo gestern noch euer Jogurt stand, geht ins Leere. Da ist euch wohl ein lieber Mitbewohner zuvorgekommen. Um Ärger ums Futter zu vermeiden, den Kühlschrank aufteilen. Was im allgemeinen Bereich steht, ist für alle da. Die Lebensmittel im persönlichen Fach sind für die anderen tabu

K - Kaution: Wer eine Wohnung mietet, muss an den Vermieter eine Kaution zahlen. Das Geld dient dem Wohnungseigentümer als Sicherheit, falls der Mieter auszieht, ohne zu renovieren oder seine Nebenkosten zu begleichen. Bei Auszug gibt es die Kohle zurück, mit Zinsen. Maximal drei Monatsmieten darf der Vermieter verlangen. Wenn ihr die Kaution nicht auf einen Schlag habt, dürft ihr sie auch in drei Raten abstottern, wobei die erste bei Einzug fällig wird

L - Lautstärke: Wer bis tief in die Nacht die Lieblingsband aus den Boxen dröhnen lässt, kann sich auf Streit mit Mitbewohnern und Nachbarn im Haus einstellen. Und die haben das Recht auf ihrer Seite. Ab 22 Uhr muss Schluss sein mit dem Krach. Auch wenn ihr euren Geburtstag oder eine sommerliche Grillparty feiert, nach dieser Uhrzeit ist nur noch Zimmerlautstärke erlaubt

M - Mietvertrag: In vielen WGs ist ein Bewohner der Hauptmieter, der den Mietvertrag unterschreibt. Er vermietet dann die einzelnen WG-Zimmer unter. Dazu braucht er die Zustimmung des Vermieters. Nachteil für den Hauptmieter: Er haftet für die gesamte Miete. Dafür darf er seinen Untermietern kündigen. Die bessere Alternative ist meist, den Mietvertrag gemeinsam zu unterschreiben. Dann sind alle Bewohner gleichberechtigt. Muster für Untermietverträge: www.immobilienscout24.de/de/umzug

N - Nikotin: Die Küche stinkt nach kaltem Zigarettenrauch, überall stehen randvolle Aschenbecher. Beim Thema Rauchen sind klare Regeln gefragt, etwa dass nur im eigenen Zimmer und auf dem Balkon geraucht wird. Gemeinschaftsräume wie Küche, Flur und Bad sollten rauchfreie Zonen sein

O - Ordnung: Turmhoch stapelt sich das schmutzige Geschirr, leere Pizzakartons schmücken das Wohnzimmer und die Dusche ist voller Haare. Nicht in jeder WG sieht es so schlimm aus, aber wenn unterschiedliche Menschen zusammenleben, treffen auch unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit aufeinander. Wenn ihr ständigen Streit über nervige Haushaltspflichten vermeiden wollt, solltet ihr von Anfang an einen Putzplan machen. Darin könnt ihr euch einigen, wer spült, das Bad schrubbt und den Müll runterbringt

P - Provision: Gerade in Städten mit akutem Wohnungsmangel kommt ihr unter Umständen bei der Suche nach einer passenden Bleibe nicht an einem Makler vorbei. Der kassiert von euch für die Vermittlung eine Provision; sie wird aber erst fällig, wenn es wirklich zu einem Mietverhältnis kommt, also auf keinen Fall vorher Geld zahlen. Als Provision dürfen Makler maximal zwei Monatskaltmieten zuzüglich Mehrwertsteuer verlangen. Im Gegensatz zur Kaution gibt es das Geld nach Auszug nicht zurück. Q - Quasselstrippe: Gerade für WGs, in denen alle Bewohner gerne mal länger mit Freunden und Familie daheim telefonieren, lohnt sich eine Flatrate. Die Gebühr wird einfach durch alle geteilt. Alternativ hilft eine Telefonrechnung mit Einzelverbindungsnachweis, die Kosten gerecht zu verteilen

R - Renovierung: Vor dem Einzug ist der Griff zum Farbpinsel häufig unvermeidbar. Wer sein neues Zuhause in schrillem Pink oder Knatschgrün streicht, sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass er die Wände zum Auszug wieder in den Ursprungszustand bringen muss. Und um alles wieder in Weiß erstrahlen zu lassen, sind unter Umständen mehrere Anstriche nötig

S - Studentenwohnheim: Das Deutsche Studentenwerk bietet deutschlandweit rund 180.000 Wohnheimplätze. Aber auch Kirchen oder Studentenverbindungen unterhalten Wohnheime. Das Klischee vom endlos langen Flur mit zig Mini-Einzelzimmern und speckiger Gemeinschaftsküche, stimmt längst nicht mehr. In den meisten Wohnheimen gibt es ganz normale WG-Wohnungen. Vorteil des Wohnheimlebens: Die Miete ist günstig. Zudem lernen Neulinge in Nullkommanix Leute kennen, und die Toleranzschwelle für Partys liegt sicher höher als bei privaten Mietshäusern. Nachteil: Seine Mitbewohner kann man sich in der Regel nicht aussuchen. www.studentenwerke.de

T - Timing: Wer als Studienanfänger mit Minibudget eine Bleibe sucht, braucht Zeit und Geduld. Damit ihr am Ende nicht irgendein Zimmer nehmen müsst, solltet ihr früh mit der Wohnungssuche starten - möglichst einige Wochen, bevor das Semester losgeht, denn dann konkurrieren oft Hunderte Erstsemester um die wenigen günstigen Wohnungen oder WG-Zimmer der Stadt. Wer auf einen Platz in einem Studentenwohnheim spekuliert, muss häufig mit einigen Monaten Wartezeit rechnen. Daher am besten schon vor der Studienplatzzusage anmelden

U - Umzug: Endlich ausziehen. Das heißt, sein gesamtes Leben in Kisten packen - und dabei genau überlegen, was ihr wirklich in eurer neuen Heimat braucht. Schließlich sind Studentenzimmer meist nicht besonders groß. Also, entweder gnadenlos ausmisten und auf den Sperrmüll mit dem alten Ballast. Oder bei Mama und Papa lassen. Auf dem Dachboden findet sich sicher noch ein Eckchen für eure alten Bücher, CDs, Spiele und Kuscheltiere, die euch nicht ins neue Studentenleben begleiten dürfen

V - Vorratskammer: Fundgrube einer jeden WG, nirgendwo findet man so viele unterschiedliche Utensilien. Da treffen Bierkisten, Chips-Vorrat, Würstchen- und Ravioli-Dosen auf stilles Wasser, Tofu und fairen Kaffee. Und bei lange existierenden WGs mit häufig wechselnden Mitbewohnern gibt es darunter sicher auch die eine oder andere Rarität - zum Beispiel längst abgelaufene Konserven, die irgendein Ex-Bewohner bei seinem Auszug vergessen hat

W - Wohnberechtigungsschein: Er berechtigt zum Wohnen in einer günstigen Sozialwohnung und ist in der Regel für Studenten problemlos zu bekommen. Voraussetzungen sind ein geringes Einkommen und meistens ein Erstwohnsitz in der jeweiligen Stadt. Anträge gibt es bei der Stadtverwaltung in eurer Uni-Stadt. Rechtzeitig beantragen, denn ihr müsst mit einer mehrwöchigen Bearbeitungsfrist rechnen

X - x-beliebiger Mitbewohner: Mit wem soll man in einer neuen Stadt zusammenziehen, in der man niemanden kennt. Wer eine WG sucht, sollte die schwarzen Bretter in Uni und Mensa durchforsten. Auch im Internet gibt es zig Seiten, die sich auf die Vermittlung von WG-Zimmern spezialisiert haben. Der Vorteil: Meist gibt es da gleich ein paar Fotos - von Zimmer, Küche, Bad und manchmal sogar den Mitbewohnern. www.wg-gesucht.de, www.studenten-wg.de, www.wggruendung.de

Y - Yoga meets Heavy Metal: Sanfte Klänge oder harte Gitarrenriffs - beim Musikgeschmack treffen in WGs schnell Welten aufeinander. Blöderweise hilft bei voll aufgedrehten Boxen auch kein Ohropax mehr. Da hilft nur: Toleranz üben und seinen Horizont für neue Musikrichtungen öffnen. Oder seinem Mitbewohner zum nächsten Geburtstag einen Kopfhörer für die Anlage schenken

Z - Zeitungsanzeige: Das "helle und geräumige WG-Zimmer" entpuppt sich als Minikammer mit Blick auf den Hinterhof, die "gut geschnittene Zwei-Zimmer-Wohnung in bester Lage" als runtergekommene Bruchbude direkt an einer viel befahrenen Hauptstraße. Nirgendwo wird so dreist geschwindelt wie in Wohnungsannoncen. Und habt ihr endlich eure Traumwohnung gefunden, steht die Schlange der Wohnungsinteressenten bis auf die Straße. Nicht entmutigen lassen, auch ihr werdet früher oder später die perfekte neue Bleibe finden



Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2007