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Empfänge

An einem Empfang teilzunehmen, ist nicht mehr als eine willkommene Gelegenheit, sich gratis satt zu essen. So sehen das zumindest die Energiesparer. Alle anderen tun allerdings genau das nicht oder nur in Maßen: Wer Empfänge als Kontaktbörse nutzen will, isst grundsätzlich vor Beginn der Veranstaltung.
An einem Empfang teilzunehmen, ist nicht mehr als eine willkommene Gelegenheit, sich gratis satt zu essen. So sehen das zumindest die Energiesparer. Alle anderen tun allerdings genau das nicht oder nur in Maßen: Wer Empfänge als Kontaktbörse nutzen will, isst grundsätzlich vor Beginn der Veranstaltung. Denn für Smalltalk aller Art kann es sich als wenig förderlich erweisen, wenn man penetrant nach dem Räucherlachs riecht, den man soeben verdrückt hat, minutenlang an einem zähen Stück Fleisch kaut oder beim Lächeln zwischen den Zähnen eine Sammlung aller im Büffet gebotenen Salatsorten zur Schau stellt. Das gilt besonders für Sie als Veranstalter, denn von Ihnen wird erwartet, dass Sie pausenlos mit den Gästen im Gespräch sind.Wenn Sie nur Gast sind, und hungrig noch dazu: Essen Sie ruhig. Aber fangen Sie möglichst nicht damit an, bevor das Büffet eröffnet ist, das wird nämlich gar nicht gerne gesehen. Und gönnen Sie sich nach Ihrem Mahl fünf Minuten auf der Toilette, um vor dem Spiegel Ihre Zähne zu kontrollieren. Es lohnt sich.

Die besten Jobs von allen

Gespräche führen auf Empfängen. Gelegenheit gibt es theoretisch immer genug, es sind ja viele Leute da. Aber auch in diesem Bereich existieren ein paar Regeln für das, was als gutes Benehmen angesehen wird:
  • Es gilt als unhöflich, ungebeten in ein Gespräch zwischen anderen hineinzuplatzen, auch wenn Sie dem einen oder anderen oder allen ganz dringend ganz wichtige Dinge zu erzählen haben. Wenn Sie vermeiden wollen, als dreiste Nervensäge angesehen zu werden, empfiehlt es sich, ein Weilchen in der Nähe erkennbar abwartend stehen zu bleiben und nach einer Gelegenheit zum Blickkontakt zu suchen.

  • Falls Ihnen der verweigert wird, müssen Sie den Tatsachen ins Auge blicken: Man hat keine Lust, mit Ihnen zu reden. Über dieses Zeichen können Sie sich natürlich schlicht hinwegsetzen und sich trotzdem in das Gespräch mischen nach dem Motto: Lieber unter ungünstigen Umständen als gar nicht. In diesem Falle sind allerdings formvollendetes Vorstellen und eine Entschuldigung angesagt.
  • Auf Empfängen können Sie viele interessante Leute treffen. Das ist aber noch lange kein Grund, während eines Gesprächs ständig die Blicke schweifen zu lassen auf der Suche nach einem Gast, der noch wichtiger für Sie sein könnte. Der, mit dem Sie gerade sprechen, merkt das nämlich. Und reagiert verunsichert bis verärgert - keine gute Voraussetzung für den Aufbau einer guten Beziehung.
  • Wenn Sie sich unbedingt aus einem Gespräch befreien müssen, gibt es auch dafür ein paar kleine Tricks. "Ich gehe mir nur eben etwas zu trinken holen und bin gleich wieder da", ist zwar oft genug eine Notlüge, zumindest, was den zweiten Teil des Satzes betrifft. Aber er wird so oft verwendet, dass er quasi zu einem offiziellen Code dafür geworden ist, dass das Gespräch jetzt zu Ende ist. "Ich drehe jetzt noch mal eine Runde" ist aufrichtiger - und entspricht oft genug auch dem Bedürfnis Ihres Gesprächspartners. Es ist schließlich nicht völlig auszuschließen, dass er sich mit Ihnen langweilt.Mit Abstand am geschicktesten ist es, eine weitere Person in das Gespräch hineinzuziehen, beide miteinander bekannt zu machen, für einen gemeinsamen Gesprächsstoff zu sorgen - und sie dann sich selbst zu überlassen. Aber das schafft nur, wer in der Kunst des Smalltalk einen Fortgeschrittenenkurs absolviert hat. Alle anderen sollten sich doch lieber etwas zu trinken holen gehen oder noch eine Runde drehen.
    Dieser Artikel ist erschienen am 17.05.2004