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Electronic Arts macht Ex-Manager zum neuen Chef

Von Axel Postinett
Führungswechsel beim Video- und Computerspielehersteller Electronic Arts (EA): Der bisherige langjährige Chef Larry Probst wird bereits zum 2. April durch John Riccitiello ersetzt. Riccitiello war bis 2004 President und Chief Operation Officer bei EA. Jetzt kehrt er zurück und soll das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen.
Analysten wie Evan Wilson von Pacific Crest Securities sehen den Schritt positiv: ?EA ist in den zwei Jahren, in denen Riccitiello weg war, kaum vorangekommen?, sagte Wilson der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Börsenwert des Unternehmens aus dem kalifornischen Redwood City lag bei seinem Ausscheiden bei rund 16 Mrd. Dollar, nach Börsenschluss am 26. Februar 2007 und vor der Verkündung seiner Rückkehr waren es immer noch 16 Mrd. Dollar.EA, der größte unabhängige Produzent von Video- und Computerspielen, hatte zuletzt enttäuschende Zahlen vorgelegt und musste einräumen, den Erfolg der Nintendo-Spielekonsole ?Wii? unterschätzt zu haben. Gleichzeitig traf das Unternehmen die verspätete Einführung von Sonys Playstation 3 hart. Hier wurden früh Millionen von Dollar in Spiele investiert. EA und Sony sind seit Jahren partnerschaftlich eng verbunden.

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Im wichtigen Weihnachtsquartal 2006 war der Netto-Gewinn von EA um 38 Prozent eingebrochen, bei nur behauptetem Umsatz. Im November wurde eilig ein Softwarestudio gekauft (Headgate Studios), um den Rückstand bei Nintendo-Spielen aufzuholen. Nintendo hatte im traditionell umsatzschwachen Januar nach Angaben der Marktforscher NPD Group von seiner Wii mit 436 000 Geräten in den USA fest doppelt soviel verkauft wie Sony von seiner PS3.Der 47-jährige Riccitiello gilt als deutlich risikofreudiger als Larry Probst. Der 56 Jahre alte Manager hatte EA mit einem Schwerpunkt auf Sportspielen wie Fußball, Autorennen und Football sowie teuren Lizenzen für Serien wie ?Harry Potter? zum Marktführer mit fast drei Mrd. Dollar Jahresumsatz gemacht. Jetzt zieht er sich als Executive Chairman in das Board von EA zurück.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Riccitiellos offensive Ausrichtung dürfte der Wall Street gefallen.Riccitiello gilt als Anhänger des amerikanischen Nationalsport Baseball. Sein Wahlspruch für das Geschäft stammt aus dem Sport: ?Swing for the Fences?: Wenn du den Ball auf dem Schläger hast, dann dresche drauf, dass er die Zäune des Stadions hinter sich lässt ? spiele immer auf den ?Homerun?, nie auf das ?erste Base?.Dieser nach vorne drängende Ansatz dürfte der Wall Street gefallen. Unter der Führung von Larry Probst setzte EA zuletzt überwiegend auf sichere Pferde wie erfolgreiche Serienfortsetzungen bekannter und beliebter Spiele.Der Bereich Mobiltelefon-Spiele wurde lange vernachlässigt, bis EA schließlich Ende 2005 den Marktführer Jamdat für 680 Mill. Dollar übernahm. Auch im Online-Geschäft konnte Electronic Arts bisher nicht die Marktführerschaft erringen. Im Spielekonsolenbereich führt heute Microsoft mit Xbox Live, bei PC-Multiplayerspielen geben große Angebote wie ?World of Warcraft? von Vivendi Universal den Ton an.Michael Pachter vom Investmenthaus Wedbush Morgan hält die Ernennung von Riccitiello für einen gelungenen Schachzug auch mit Blick auf künftige Akquisitionen und Wachstum in neuen Bereichen: ?Er hat durch seine Private-Equity-Tätigkeit in jedes Unternehmen reingeschaut, das in den vergangenen zwei Jahren zum Verkauf stand?, sagt Pachter. ?Er weiß, wo da draußen Werte vorhanden sind?.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.02.2007