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Einstiegskurs für Golf-Investments

Von Dieter Hintermeier
?Erfolg im Beruf und auf dem Golfplatz ist nicht planbar. Je mehr man ihn unbedingt möchte, desto weniger gelingt er?, sagt Christine Bortenlänger selbstsicher. Die Chefin der Münchener Börse liebt das Tempo. Auf dem Green und dem Parkett. Sie empfiehlt Anfängern mehr Gelassenheit. Hört sich nach simpler Philosophie an, wenn da nicht immer wieder die Unbilden des Alltags die schöne Theorie vermasseln würden.
Die uncharmante Angebernummer ist ihre Sache nicht, nicht auf dem Golfplatz und nicht im Beruf. Grund hätte Christine Bortenlänger dazu durchaus genügend, auf dem Golfplatz und im Beruf. Die Chefin der Münchener Börse spielt erst seit knapp einem Jahr Golf und hat ein 36-Handicap. Sie war die erste weibliche Geschäftsführerin einer deutschen Börse und mit 33 Jahren die jüngste Top-Managerin in einer solchen Position. Das war eine kleine Sensation in der von Männern dominierten Welt der Makler und Banker. Christine Bortenlänger führte nicht nur das operative Geschäft der Börse, sie rückte auch in den Vorstand auf.Solches Tempo eines Anfängers wird üblicherweise von Männern erwartet und auch nur bei Männern geduldet. Christine Bortenlänger weiß das und spricht ebendeswegen nicht darüber. Aber sie hat eine Erklärung: ?Erfolg im Beruf und auf dem Golfplatz ist nicht planbar. Je mehr man ihn unbedingt möchte, desto weniger gelingt er?, sagt sie selbstsicher.

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Christine Bortenlänger blinzelt in die Sonne. Der Himmel über dem Münchener Golfclub in Thalkirchen zeigt sich von seiner blau-weißesten Seite, als sie den kleinen, weißen Ball vorsichtig auf das Tee legt. Ihre Gesichtszüge werden jetzt ernst und konzentriert. Für den Abschlag auf der ersten Spielbahn hat sie das Fünfer-Eisen gewählt. Sie nimmt mit dem Schläger Maß, korrigiert noch einmal die Griffhaltung und holt aus. Keine zwei Sekunden später trifft sie den Ball und befördert ihn mit elegantem Schwung 120 Meter ins frisch gemähte Fairway. Genau beobachtet sie den ?Landeplatz? des Balles. Und dann ist es wieder da, das Lächeln in ihrem Gesicht. Ein bisschen stolz ist sie, genießt den kleinen Erfolg, der ja nach ihrem Rezept nicht planbar ist. Aber vielleicht lernbar??Gelassen bleiben, nichts erzwingen wollen?, sagt sie dazu. Hört sich nach simpler Philosophie an, wenn da nicht immer wieder die Unbilden des Alltags die schöne Theorie vermasseln würden. Sie schiebt nach: ?Man muss natürlich auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.? Aha, so wie sie vor knapp einem Jahr, als Bortenlänger nach nur sechs Wochen Training an ihrem ersten Golfturnier teilnahm und sich dabei vom blutigen Anfänger-Handicap 54 auf Handicap 36 herunterspielte. ?Es war ein guter Tag, die Sonne schien, ich spielte in einem netten Flight mit. Und: Ich traf die Bälle.?Einfach so? Nicht ganz. Die Börsen-Managerin hatte die Wochen vor dem Turnier eifrig trainiert. Mit Coach. Der ist für eine tempogewohnte Anfängerin, die vermutlich schon diesen Begriff nicht leiden kann, unverzichtbar. Sie will vorankommen, nicht verbissen, aber entschlossen. Bortenlänger trainierte vor allem die richtige Technik. Wegen der Lockerheit auf dem Platz und weil man dann eben nicht gleich aussieht wie ein Anfänger. Und danach richtig viel alleine üben, sagt sie. Befohlene Einsamkeit auf der Driving-Range sozusagen!Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Vorteile des ?Gesellschaftsgolfs? sind am Golfbag ersichtlich.Dabei kann, so sagt die ehemalige Anfängerin, Geselligkeit auf dem Golfplatz gar nicht schaden. Vor allem dann, wenn man wie Bortenlänger am Beginn der ?Golf-Karriere? steht. ?Es hat mir sehr viel gebracht, wenn ich mit Leuten spielte, die ein niedriges Handicap haben und entsprechend regelsicher waren?, erzählt sie. Die Vorteile des ?Gesellschaftsgolfs? sind am Golfbag ersichtlich. ?Ich sehe zum Beispiel, welchen Schläger die erfahrenen Golfer in den unterschiedlichen Spielsituationen aus der Tasche ziehen.? Dieser Rat ist so selten wie nützlich, denn viele Anfänger-Golfer haben sich schnell ihre drei Lieblingsschläger ausgeguckt und lassen den Rest achtlos im Bag stecken. Schlechte Angewohnheit, findet Bortenlänger und rät Anfängern, den Schläger immer mal wieder auszuwechseln und einen neuen auszuprobieren.Dabei schadet es nicht, wenn der Golf-Coach die Wahl des Schlägers begutachtet. Der erkennt eben auch, zu welchem ?Schwungtyp? sein Schüler zählt. Der eine schlägt hart und schnell, ein anderer wiederum hat einen gleichmäßigen und langsamen Schwung. Die Kombination aus beiden ist das Wahre, findet Bortenlänger. ?Schnell und gleichmäßig sollte der Schwung sein?, sagt sie. Die Fahne hat sie schon aus dem Loch gehoben, jetzt sucht sie konzentriert nach der richtigen Putter-Technik.Das Putten unterschätzen die meisten Golf-Anfänger, meint sie. Für viele sei der weite Abschlag das Maß aller Dinge. Klar, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein Abschlag, der über 200 Meter fliegt, die Golferbrust gehörig schwellen lässt. Aber hat man sich flott auf das Green vorgespielt, spielt der Ball verrückt. In dieser Situation schafft man es plötzlich nicht, ihn aus zwei Meter Entfernung im Loch unterzubringen. Zwei, drei Schläge gehen vorbei, bis der Ball endlich dorthin verschwindet, wo er hingehört. ?Beim Golf wird jeder Schlag mitgezählt?, kommentiert Bortenlänger lakonisch solche Situationen und empfiehlt deshalb allen Anfängern, sich möglichst häufig auf dem Übungs-Puttinggreen sehen zu lassen. ?Auf dem Green trennt sich die Spreu vom Weizen?, sagt sie und trifft mit ihrem Ball ins Loch.Hartnäckigkeit und Geduld machen die Meisterin. Auch auf dem Parkett, dem der Börse, versteht sich. Dort sind Hektik und Ungeduld ein schlechter Ratgeber, weiß die Expertin für beide Genres. ?Auf dem Golfplatz und auf dem Parkett muss man die Leistung zum richtigen Zeitpunkt auf den Punkt bringen?, erzählt Bortenlänger zwischen zwei Abschlägen.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Der Golfer sollte sich von einem missratenen Schlag sofort wieder ?frei machen?.Jeder Golfer und jeder Börsianer weiß, dass man nicht immer erfolgreich sein kann. Bei einem landet der Schlag weit außerhalb des Fairways, beim anderen kostet der Fehlschlag auch noch Geld. Für Bortenlänger sind beide Situationen nicht ausweglos. Der Golfer sollte sich von einem missratenen Schlag sofort wieder ?frei machen?, um sich ?voll auf den nächsten? zu konzentrieren.Keinen anderen Tipp bekommt der Börsianer mit auf den Weg. ?Wenn eine Anlage nicht den gewünschten Erfolg hatte, sollte man den Verlusten nicht hinterhertrauern, sondern die Gründe dafür analysieren und sich dann einem vielversprechenderen Investment widmen.?Christine Bortenlänger hat ihre Dissertation über die Automatisierung von Börsen verfasst. Das Thema ihrer Doktorarbeit war offensichtlich kein Zufallsprodukt oder aus wissenschaftlicher Not geboren, denn ?Geld und Börse? durchziehen ihre berufliche Vita wie ein roter Faden. Nach dem Abitur folgte eine Banklehre, dem sich ein Betriebswirtschaftsstudium anschloss. Erste berufliche Station nach den akademischen Weihen war die Bayerische Vereinsbank, später folgte dann der Wechsel zu einer Unternehmensberatungsgesellschaft.1998 engagierte sie die Münchener Börse als stellvertretende Geschäftsführerin. Eine Karriere in Stakkato-Schritten.Das ist Christine Bortenlängers Leben, sie drückt gern aufs Tempo. Schon steht sie auf dem Green der letzten Spielbahn. Jetzt muss sie putten. Vier Meter sind noch zu überwinden, dann wäre die Golfpartie zu Ende. Ein sanfter Schwung, es macht Klack, als der Schläger den Ball trifft und dieser eine Sekunde später am Loch vorbeikullert.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Nicht kleinkriegen lassen!Dann eben noch mal. Nicht kleinkriegen lassen! Mit dieser Devise hat sie eine leider durchaus typische Managerinnen-Vita vorzuweisen: Denn neben der Karriere musste sie sich alleinerziehend um ihren Sohn kümmern. Sie will das nicht kommentieren, sieht sich wohl auch nicht als schlagendes Beispiel für die Notwendigkeit der von Familienministerin von der Leyen angestoßene ?Krippen?-Debatte. Sie weiß und erträgt, dass Frauen, die solche ?Taten? vollbringen, in den Medien der Einfachheit halber gerne das Etikett ?Powerfrau? angeklebt bekommen.Bortenlänger will sich nicht gegen dieses Etikett wehren. Aber es erfüllt sie nicht mit Stolz, weil ihr Berufsweg immer noch singulär ist. ?Es gibt in Deutschland noch zu wenig Frauen in Führungspositionen?, führt sie an und verweist auf die Dax-30-Unternehmen, in denen es noch keine Frau zum Vorstand gebracht habe. Das liege nicht an den Frauen. Ehrgeizige und qualifizierte gebe es genug. Nur die ?Strukturen? hinderten diese am beruflichen Aufstieg. Also doch Frau von der Leyen und ihre medienverstärkte Kampagne für den Erziehungs- wider den Karrierevater.Bortenlänger startet den ultimativen Schlag. Nun soll er sitzen, der Putt. Wenn es um?s Golfen geht, wird die für gewöhnlich sachliche und auf sehr angenehme Weise unaufdringliche Christine Bortenlänger überaus präsent. ?Auf dem Golfplatz kann ich unheimlich gut abschalten?, sagt sie dann ganz euphorisch. Sie muss nicht im Geiste die ungelösten Führungskräfte-Aufgaben mit aufs Green schleppen.Wer seine beruflichen und privaten Probleme und Problemchen immer mit im Gepäck hat, der wird beim Golfen nicht glücklich, davon ist die Börsenchefin fest überzeugt. Sie zitiert gerne einen Bekannten, der einmal zum Besten gab, dass er schon viel schlimmere Tage auf dem Golfplatz verbracht habe als im Büro. Dem Mann fehlte ganz offenbar das Abschalt-Gen, über das Frauen wohl in höherer Dosis verfügen, weil sie sich vielleicht nicht so wichtig nehmen. Gelassenheit eben!Lesen Sie weiter auf Seite 5: ?Golf ist eine wunderbare Sache, wenn der Kopf frei ist.??Golf ist eine wunderbare Sache, wenn der Kopf frei ist?, weiß die frühere Leistungssportlerin, die für die Basketballerinnen des FC Bayern München in der zweiten Bundesliga spielte. Dahin kommt man auch nur, wenn man abschalten, sich ganz auf eine Sache konzentrieren kann.Und die Umgebung ist wichtig, trägt zur Kunst des ?freien Kopfes? nicht unerheblich bei. Vulgo: Suchen Sie sich den richtigen Golfclub. Anfängerin Bortenlänger fand ihn nicht sofort. ?Meinen ersten Golfclub-Besuch habe ich nicht in positiver Erinnerung. Man trat mir dort genauso arrogant gegenüber, wie ich es mir in meinen Vorurteilen ausgemalt hatte?, schimpft sie.Aber abschrecken ließ sie sich davon nicht. Der sofortige Wechsel des Clubs war für sie das Mittel, die Lust am Golfen nicht gleich zu Beginn zu verlieren. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung gibt sie Anfängern den Rat mit auf den Weg, nicht gleich in den ?erstbesten? Club einzutreten. ?Fast alle bieten eine Jahresmitgliedschaft an. Man muss sich ja nicht gleich festlegen?, sagt sie lächelnd.Die Runde ist gespielt, der letzte Putt getan. Christine Bortenlänger strahlt. Ach ja, ein Tipp noch: Widerstehen Sie den Spezies, die Golf zur Religion erklären. Solche Zeitgenossen sollten Sie auf Abstand halten, findet die Börsenchefin. Golf sei schließlich ein Spiel und kein enervierender, philosophischer Diskurs. Solche Leute machen keine Karriere, nicht auf dem Platz, nicht im Büro.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.03.2007