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Einmal Daimler, immer Daimler

Von Martin Buchenau
Große Auftritte sind seine Sache nicht: Emotionslos verkündete Tognum-Chef Volker Heuer seinen Mitarbeitern am Mittwoch die sensationelle Nachricht: Der Anbieter von Dieselmotoren hat mit Daimler-Benz einen neuen Großaktionär. Ein bisschen mehr Freude wäre durchaus angebracht - schließlich kann sich Heuer durchaus auf seine alten Konzernchefs freuen.
Tognum-Chef Volker Heuer neben einem Vorführ-Aggregat. Der Technokrat hat in der Vergangenheit schon mehrmals den Unmut der Beschäftigten auf sich gezogen. Foto: dpa
STUTTGART. Volker Heuer ist ein vorsichtiger Mensch. Das Gesicht verbirgt der Tognum-Chef hinter einem akkurat gestutzten Vollbart. Die Stimme klingt gleichförmig. Der Ingenieur legt bei Vorträgen - wie zuletzt auf der Bilanzpressekonferenz - wenig Wert auf Spannungsbögen. Ohne große Emotion spult er die Fakten herunter, die den Erfolg des Motorenbauers vom Bodensee belegen: "Wir rechnen mit einem Umsatzwachstum um zwölf Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro."Ebenso nüchtern und ohne jedes Pathos teilt Heuer in einer kurzen E-Mail am Mittwoch seinen Beschäftigten eine Hammer-Nachricht mit. "Liebe Mitarbeiterinnen, liebe Mitarbeiter, wir erhalten einen neuen Großaktionär. EQT hat ihre restlichen Anteile der Tognum AG von circa 22 Prozent an die Daimler AG verkauft."

Die besten Jobs von allen

Heuer lässt wieder einmal die Chance aus, die Beschäftigten emotional mitzunehmen. Denn er hätte stolz darauf verweisen können, dass die Arbeit des Unternehmens und seiner Beschäftigten so schlecht nicht gewesen sein kann. Denn Daimler gibt zweieinhalb Jahre nach dem Verkauf von Tognum jetzt nur für eine Sperrminorität fast 600 Millionen Euro aus. Das ist mehr als der Gewinn, der Daimler damals für den Verkauf aller Tognum-Anteile unter dem Strich übrig blieb.Der 55-Jährige würde nie etwas sagen, dass sich als Kritik an seinem Ex-Arbeitgeber sowie alten und jetzt neuen Großaktionär auslegen lassen würde - aber er freut sich, dass "Daimler zugesichert hat, dass wir eigenständig bleiben". Heuer ist eben durch und durch von seiner Daimler-Karriere geprägt. Sein Büro zieren Mercedes-Modelle. Der in Paderborn geborene Maschinenbauer startet bei Daimler-Benz als Konstrukteur und geht ab 1980 als Abteilungsleiter für Karosseriebau nach Brasilien, später nach Argentinien.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Keine warmen Worte für die BelegschaftIm Jahr 1988 kehrt er nach Deutschland zurück und leitet die Transporter-Entwicklung. Ab 1996 ist er für die Produktion der Viano-Baureihe verantwortlich. Zum 1. August 2004 wird er Chef der Off-Highway-Aktivitäten und der Daimler-Tochter MTU-Friedrichshafen. Ende 2005 werden beide Bereiche an den Finanzinvestor EQT verkauft und in Tognum umbenannt."Warme Worte an die Mannschaft sind seine Sache nicht", sagt ein Insider. Doch die wären inzwischen nötig. Denn der Technokrat Heuer hat in der Vergangenheit schon häufiger den Unmut der Beschäftigten auf sich gezogen, vor allem bei der Frage, wie viel der Vorstand beim Börsengang im vergangenen Jahr verdient hat. Der schwedische Finanzinvestor EQT hatte im Mai 2006 dem Vorstand rund um Heuer 11,7 Prozent der Aktien zu sehr günstigen Konditionen verkauft.Heute hat das Paket einen Wert von 250 Millionen Euro - rund das Zehnfache des geschätzten Einstiegspreises. Im Gegensatz zu den später ausgegebenen, rabattierten Aktien für Mitarbeiter. Sie liegen beim derzeitigen Aktienkurs noch im roten Bereich. Von aufmunternden Worten an die Belegschaft, dass sich der Kurs dem Unternehmenserfolg anpassen werde, ist aber nichts bekannt.Der Tognum-Chef, der unter Geschäftsführungskollegen durchaus offen diskutiert, liebt keine großen Auftritte. Der ersten Hauptversammlung am 10. Juni wird er jedoch nicht ausweichen können. Privat lebt der Vater zweier Söhne zurückgezogen auf dem Land am Bodensee.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.05.2008