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Ein Tag bei karriere

Kuhglockengeläut mitten in Düsseldorf. Neugierig lehne ich mich aus dem Büro und sehe Redaktionsassistentin Tanja Klöckener mit einer Almglocke läuten. Die karriere-Crew versammelt sich im Konferenzraum. "Presseschau!", ruft mir Redakteurin Dorothee Fricke zu. Heißt: Ein Kollege fasst die Themen aus den Zeitungen der vergangenen Woche zusammen. Presseleute müssen immer auf dem Laufenden sein.
Kornelia Turkiewicz, 20 Jahre: Traumberuf Journalistin

Kuhglockengeläut mitten in Düsseldorf. Neugierig lehne ich mich aus dem Büro und sehe Redaktionsassistentin Tanja Klöckener mit einer Almglocke läuten. Die karriere-Crew versammelt sich im Konferenzraum. "Presseschau!", ruft mir Redakteurin Dorothee Fricke zu. Heißt: Ein Kollege fasst die Themen aus den Zeitungen der vergangenen Woche zusammen. Presseleute müssen immer auf dem Laufenden sein, Themen aufstöbern, Ideen entwickeln, sonst bleibt die Zeitung irgendwann leer

Ausbildung: Studium (Journalistik, Medien oder Fachstudium), Volontariat oder Journalistenschule, Praktika und freie Mitarbeit
Gehalt: Ein Zeitschriften-Redakteur startet mit 2.669 Euro/Monat (Tarif).
Chancen: Zeitungen kommen und gehen - und mit ihnen die Jobs. Wer in der turbulenten Medienbranche Fuß fassen will, sollte früh einsteigen und jede Menge Kontakte knüpfen.
Auch sonst erinnert bei karriere nichts an den einsamen Journalisten, der hektisch Artikel in eine alte Schreibmaschine hackt. Hier, beim monatlichen Job- und Wirtschaftsmagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt, ist Teamarbeit angesagt. Viele Themen werden Wochen vorher geplant. Die meiste Zeit geht für die Recherche drauf. Interviewpartner müssen gefunden, Studien angefordert und ausgewertet werden. Klingt lässig, ist es aber nicht: Oft braucht es ein halbes Dutzend Anrufe, um den richtigen Experten ans Rohr zu kriegen, Gesprächstermine platzen, die neuesten Unternehmenszahlen kommen zwei Tage zu spät und der Redaktionsschluss rückt gefährlich nahe

Die besten Jobs von allen


Oft ist der Weg zum Konferenzraum die weiteste Reise, die die karriere-Macher am Tag zurücklegen. "Viele denken, dass Journalisten ständig um die Welt jetten", erzählt mir Redakteurin Katja Stricker. Die Realität sieht anders aus: Rund 80 Prozent der Arbeitszeit verbringt man am Schreibtisch. Die restlichen 20 Prozent sind Außentermine wie der, den ich mit Chefredakteur Jörn Hüsgen wahrnehme: Ihn begleite ich zur Preisverleihung des "karriere young-fashion awards" auf der Düsseldorfer Modemesse CPD. Mit Sabine Scheltwort, der Chefin vom Dienst, gehe ich zu einem Interview für ein Spezial über Soziologen. Wir treffen Ibrahim Mazari, Öffentlichkeitsarbeiter im E-Sports-Bereich. "Hätten Sie während Ihres Soziologiestudiums gedacht, dass Sie im PR-Bereich landen?", frage ich und bin überrascht, was sich für ein spannendes Gespräch daraus entwickelt. Am Ende habe ich zehn eng beschriebene Blockseiten und nur 50 Zeilen für den Artikel - Journalistenschicksal

Trotz der vielen stressigen "Baustellen", die sie gleichzeitig bedienen müssen, gehen die Redakteure abends guter Dinge in den Feierabend. "Irgendwie klappt am Ende doch alles", sagt Dorothee, die Hochschul-Redakteurin, und lächelt. Das nette Arbeitsklima trägt sicherlich zur relaxten Stimmung bei. Auch ich gehe gut gelaunt nach Hause: An meinem Tag im Traumjob habe ich mich wohl so gut gemacht, dass ich von einer neuen Kollegin in der Anzeigenabteilung gleich für eine Redakteurin gehalten werde. Wenn das kein gutes Omen ist!

Dieser Artikel ist erschienen am 02.09.2005