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Ein sinnlicher Schwabe krempelt Mövenpick um

Von Info Reich, Handelsblatt
Oliver Altherr hat Mövenpick einen radikalen Strategiewechsel verordnet. Der 38-jährige Schwabe verlagert die Standorte raus aus den teuren Citylagen hin zu verkehrsgünstigen Autobahnraststätten und Flughäfen.
HB DÜSSELDORF. ?In dem Augenblick, wenn die Pressen laufen, verkaufen wir den meisten Saft?, verrät der Chef aller Marché-Restaurants des Schweizer Hotel- und Gastronomiekonzerns Mövenpick ein wenig von der Verkaufspsychologie seiner Restaurantkette. Bei den Umsätzen mit Saft, Eiscreme und Co. dürfte es aber gern wieder ein wenig mehr sein.Deswegen hat Altherr Mövenpick einen radikalen Strategiewechsel verordnet: Der 38-jährige Schwabe verlagert die Standorte raus aus den teuren Citylagen hin zu verkehrsgünstigen Autobahnraststätten und Flughäfen. Auch wenn frisch zubereitete Speisen und Getränke wie der live gepresste O-Saft weiterhin im Mittelpunkt des Gastronomiekonzepts von Mövenpick stehen werden: Altherr verordnet der schicken Marke eine kleine Revolution ? und auch seiner eigenen Karriere. Denn der Gastronomiemanager machte bisher vor allem in der internationalen Spitzengastronomie auf sich aufmerksam.

Die besten Jobs von allen

Altherrs Karriere liest sich wie Kapitel aus ?Guide Michelin? oder ?Gault Millau?, den beiden Evangelien der internationalen Feinschmeckergemeinde. Auf eine Ausbildung als Koch im Stuttgarter Spitzenrestaurant ?Graf Zeppelin? folgen Lehr- und Wanderjahre bei Sternekoch Dieter Müller in den Wertheimer ?Schweizer Stuben?. Schon bald folgt ein Engagement als Chef Tournant im Restaurant ?Les Prés d?Eugénie? von Michel Guérard südlich von Bordeaux, einem Mitbegründer der ?Nouvelle Cuisine?. Fünf Jahre später steht Altherr bereits als zweiter Mann im weltberühmten ?Plume? im Regent-Hotel Hongkong auf der Schwelle zum Kocholymp.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Weg an die Weltspitze ist kein ZuckerschleckenDoch der Weg an die Weltspitze der Köche ist kein Zuckerschlecken. Einen Spitzenplatz zu behaupten ist ein ständiger Kampf um die Gunst des Publikums. Nur die ganz Großen der Branche verstehen es, ihre gaumenzarten Künste in harte Münze umzuwandeln. ?Nicht jeder, der gut kochen kann, kann auch gut kalkulieren?, sagt Altherr.Vor knapp zehn Jahren entschied er sich deshalb, seine Laufbahn ins Food&Beverage-Management zu verlegen. Aber auch hier wählt er eine der feinsten Adressen der Gourmet-Welt: Das ?Kahala Mandarin Oriental? in Hawaii, Treffpunkt der Reichen und Berühmten auf der Pazifikinsel Oahu. Vor dem Wechsel zu Mövenpick war Altherr in der Luxusherberge Direktor für den gesamten Food&Beverage-Bereich verantwortlich.Menschen, die den kommunikativen Schwaben näher kennen, haben schon früh den unbedingten Ehrgeiz und die Zielstrebigkeit, mit der Altherr seine Karriere verfolgt, bemerkt. Der Sohn eines Schuldirektors aus der Kleinstadt Backnang notierte schon als junger Koch penibel jede Rezeptvariation, die er sich von den Meistern der Branche abschaute. Jede freie Minute investierte Altherr in seine Karriere. ?Während die Kollegen sich am Nachmittag eine kurze Pause gönnten, las Altherr Management-Handbücher und wurde dafür ausgelacht?, erzählt Marcus Greiner, der seit seiner Lehrzeit in den ?Schweizer Stuben? häufig den Weg des Mövenpick-Managers kreuzte.Der hat jüngst einen weiteren Gipfel der Gastronomiebranche erklommen: Das Fachmagazin ?Catering Inside? zeichnete die Mövenpick-Verkehrsgastronomie in der Kategorie ?Verkehrs-Catering? als ?Caterer des Jahres? aus.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.11.2004