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Ein Schubs vom großen Jungen

Von Oliver Stock
Der Hedge-Fonds-Manager Florian Homm mischt jetzt als Großaktionär auch beim Champions-League-Vermarkter Highlight mit. Der Zerleger? wird er genannt. Oder: ?Der Krieger der Liga?. Wird Florian Homm seinem Ruf auch diesmal alle Ehre machen?
Florian Homm ist auch Großaktionär bei Borussia Dortmund. Foto: dpa
HB BASEL. ?Es gibt einen Bass. Es gibt Bläser. Und es gibt die Violine. Und wir spielen das ganze Orchester?, sagt er selbst. Bei seiner jüngsten Erwerbung, dem Schweizer Filmrechtehändler Highlight Communications mit Aktien an der Frankfurter Börse, zu dessen Generalversammlung er eilt, soll es mehr der stetige Bass sein als die schrille Violine.Homm hält die Firma, an der er für geschätzte 40 Millionen Euro 15 Prozent der Anteile erworben hat, für eine ?Wachstumsperle?. Er will den Takt langfristig vorgeben: ?Das hat nichts damit zu tun, dass wir plötzlich Heilige geworden wären.? Den Heiligen nähme man ihm auch nicht ab. Wenn er zu Hause auf der Terrasse seines Herrenhauses in Mallorca zigarrenqualmend auf- und abstreicht, ist das einzig Friedliche der Blick über die Orangenplantage auf die Kathedrale von Palma. Der ehemalige Basketball-Nationalspieler gäbe einen guten Paten in einem Mafiafilm ab. Er spricht wie ein großer Junge, wenn er prahlt: ?Mehr als fünfzig Sachen? habe er am laufen. Gemeint sind Investitionen, die er mit Hilfe seiner FM Fund Management Limited mit Sitz auf den Cayman-Inseln bei überwiegend deutschsprachigen Firmen verteilt.

Die besten Jobs von allen

Der Finanzdienstleister MLP und die Beteiligungsgesellschaft WCM waren darunter. Ihre Kurse rauschten in die Tiefe, kaum dass Homm eingestiegen war. Getreu den Taten, die man seinem Namenspatron Sankt Florian zuschreibt, hinterließ Homm verbrannte Erde.Auch beim Autoverleiher Sixt war er dabei, was ihn ein Ermittlungsverfahren einbrachte wegen des Verdachts, gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen zu haben. ?Bei Sixt hatte ich ein bisschen Knatsch?, sagt Homm. Erich Sixt hatte das bisschen Knatsch damals als ?Angriff auf sein Lebenswerk? bezeichnet.Wer das System Homm verstehen will, muss sich auf den Finanzmärkten auskennen. ?Uns muss man noch hören können, wenn draußen schon der Sturm heult?, sagt Homm. Der professionelle Krachmacher beschreibt damit seinen Anspruch, auch dann Geld zu verdienen, wenn die Kurse sinken. Wie das geht, hat der Harvard-Student und mit Auszeichnungen bedachte US-Fondsmanager in Übersee gelernt: Er leiht sich Aktien aus, verkauft sie, wartet, bis der Kurs sinkt, kauft sie zurück und gibt sie dem Ausleiher wieder ? an der Differenz verdient er. Kapitalismuskritiker fänden darin ein Schulbeispiel, Fachleute sprechen nüchtern von Short Selling.Die Manager von Sixt und Co. haben allerdings noch einen Zwischenschritt in Homms Geschäftsidee ausgemacht: Sie behaupten, dass er die sinkenden Kurse provoziert, in dem er öffentlich über die Unternehmen herzieht. Homm sieht das anders: ?Beteiligungen kaufen und weglegen funktioniert nicht?, Konflikte müssten deswegen sein. Der Zwei-Meter-Mann sieht so aus, als könnte er sie aushalten.Dann kam im November 2004 der Einstieg bei Borussia Dortmund und Homm, der bislang nur einer mehr oder weniger laut zeternden Finanzgemeinde bekannt war, wurde schlagartig auch für Fußballfans zum Begriff. Ein Sanierungsplan wurde von ihm gestützt. ?Dortmund ist erst mal in ruhigerem Fahrwasser?, sagt er, obwohl der Club gerade seinen erwarteten Verlust um zehn Millionen Euro in die Höhe geschraubt hat. Derzeit helfe er bei der Suche nach Sponsoren.Und jetzt Highlight Communications. In der Branche hat die Firma durchaus einen Ruf, verfügt über einige Gewinnbringer: Sie hält die Rechte für die Vermarktung der Champions League. Sie hat einen großen Home-Entertainment-Bereich, vertreibt DVD mit Hollywood-Monumenten, deren Erwerb längst abgeschrieben ist. ?Wenn die einen Klassiker neu auflegen, setzen die sofort drei Millionen Scheiben ab?, glaubt Homm. Als Beispiel fällt ihm ?Spiel mir das Lied vom Tod? ein.Highlicht vermarktet auch die Rechte für den Eurovision Song Contest, den ehemaligen Grand Prix d?Eurovision ? ?Denken Sie an die Einschaltquoten?, schwärmt Homm ? und ihr gehört mehrheitlich die Münchener Constantin Film. Die hat unter Ex-Sat-1-Chef Fred Kogler und mit Top-Produzent Bernd Eichinger einige Kinohits produziert.Homm spricht auf Grund der breiten Angebotspalette von einem ?ausgeglichenen Geschäftsmodell?. Branchenexperten stimmen ihm zu, warnen allerdings, dass ? wie immer im Filmgeschäft ? ein Flop bei Constantin den ganzen Konzern in die roten Zahlen rutschen lassen kann. 18 Millionen Euro warf die Gruppe 2004 ab. ?Kein Sanierungs-, sondern ein Optimierungsfall?, glaubt Homm. ?Die brauchen einen Schubs, damit sie die andere Hand aus der Tasche nehmen.?Bei der Generalversammlung in Basel am Freitag schubste Homm schon mal. Mit einem Katalog von 88 Fragen bombardierte er das verunsicherte Management, am Ende kündigte Bernhard Burgener genervt seinen Rückzug als operativer Highlight-Chef an. Homm beschreibt es als sein Ziel, die Kosten des Unternehmens zu drücken. ?Diesmal?, sagt er nach dem turbulenten Treffen und kurz bevor ihn das Flugzeug zurück nach Palma bringt, ?ist es ein ganz großer Junge, der sie schubst.?Vita von Florian Homm1960 wird er geboren und wächst als Spross der Neckermann-Dynastie in der hessischen Kurstadt Bad Homburg auf.1978 gründet er seine erste Aktiengesellschaft und gehört, noch bevor er seinen Abschluss an der Harvard Business School macht, zum Analysten-Team von Merrill Lynch.1993 kauft er die Krösus Vermögensverwaltungsgesellschaft und gründet später weitere Investmentgesellschaften auf den Cayman Islands, mit denen er bei Unternehmen wie MLP, Sixt und WCM einsteigt.2004 wird er der breiteren Öffentlichkeit bekannt als Großaktionär bei Borussia Dortmund, Deutschlands einzigem börsennotierten Fußballklub. Homm ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.06.2005