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Ein Mann für die Raumstation

Von Roland Tichy
Ex-Axa-Deutschlandchef Claus-Michael Dill meldet sich zurück. Am Freitag wird der Aufsichtsrat der Damp Holding AG den 52-Jährigen zum Vorstandschef des norddeutschen Klinik- und Tourismuskonzerns berufen.
FRANKFURT/M. Dill will sich zudem im Rahmen eines Management-Buy-ins mit einem zweistelligen Prozentsatz an der Damp-Holding beteiligen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen. Dazu wird der Kölner Unternehmer Walter Wübben seine Damp-Anteile von derzeit 82 Prozent entsprechend verringern.Dill will den neuen Job schon zum ersten Januar von Carl Hermann Schleifer übernehmen, der dann altersbedingt ausscheidet und in den Aufsichtsrat der Damp Holding wechselt.

Die besten Jobs von allen

Beide kennen sich aus dem Kölner Versicherungsgeschäft. Schleifer war bis 1997 Vorstandschef der Kölner Lebensversicherung Nordstern-Colonia und wechselte in den Jahren nach der Übernahme durch die französische Axa aus dem Management in die Aufsichtsräte mehrerer Axa-Unternehmen. Und Dill war Chef der deutschsprachigen Axa-Colonia-Unternehmen, bis er nach einem Machtkampf mit Axa-Konzernchef Henri de Castries in diesem August sein Amt verlor.Schleifer hatte als Vorstandschef 1997 die damalige Ostseebad Damp GmbH & Co KG als geschäftsführender Mitgesellschafter in einer tiefen Krise übernommen: Das Ostseebad aus den 70er-Jahren mit seiner heute als brutal empfundenen Betonarchitektur und vergammelten Kuranlage schien nicht zukunftsfähig.Doch Schleifer baute das Unternehmen zielstrebig zu einem norddeutschen Klinikkonzern entlang der deutschen und dänischen Ostseeküste um: Mittlerweile zählen elf Kliniken mit über 6 000 Betten zum Damp-Konzern, der unter den deutschen Kliniken Platz acht belegt.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Er verzehnfachte den Umsatz und erhöhte die Mitarbeiterzahl.Die ursprünglichen Kurkliniken erweiterte Schleifer um Akut- und Sportmedizin bis hin zu medizinischen Fachgebieten wie Psychiatrie und Kardiologie. Er verzehnfachte den Umsatz, erhöhte die Mitarbeiterzahl von 1 700 auf 7500 und modernisierte das ursprüngliche Ostseebad Damp, das heute nur noch fünf Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt.?Positiv verdattert? sei er mit seiner Frau bei der ersten Besichtigung gewesen, sagt Dill, ?wie Schleifer das Betonmonster verändert hat?. Trotzdem sei er erst mal vier Wochen mit seinem Hund im Kreis gelaufen, ehe er sich dazu entschlossen habe, ?vom angestellten Manager zum mittelständischen Unternehmer zu konvertieren?.Dill will Schleifers Strategie fortsetzen: die Kosten in der Verwaltung senken und die Klinikkette enger zusammenführen. Außerdem will er die Kernkompetenz der Hamburger Endo-Klinik bei Operationen an Gelenken und Stützapparat unter dem Markenbegriff ?Endo? bundesweit ausbauen. ?Schleifer hat die Rakete gebaut und gestartet ? Dill muss jetzt die Raumstation zusammenbauen?, nennt Großaktionär Wübben dies.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.12.2005