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Ein Madman für Michigan

Von Frank Siering
Nach Ronald Reagan, Arnold Schwarzenegger und dem Ringer Jesse Ventura will nun der Hardrock-Altstar Ted Nugent Gouverneur werden ? Schon jetzt ist er ein Feindbild für liberale Politiker.
LOS ANGELES. Langsam pirscht sich die Jagdgesellschaft an das grasende Reh. Der Pfeil gleitet aus dem Köcher, der Bogen wird gespannt. Anvisieren, ausatmen, Schuss. Ted Nugent hat zugeschlagen. Jubelnd streckt der 57-Jährige der TV-Kamera seine Zunge entgegen und präsentiert mit diebischem Stolz und zum Entsetzen vieler Tierfreunde vor dem Fernseher seine erlegte Beute.Als durchgeknallt galt Nugent schon während seiner Zeit als Hardrock-Musiker. Ob seiner extrem dramatischen Auftritte, so ritt er einmal auf einem Bison auf die Bühne, tauften die Medien den Detroiter ?Motor City Madman?. Über 30 Alben nahm er auf, über 30 Millionen Mal wurden sie verkauft. Noch heut tourt er regelmäßig.

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Und er pirscht als Star einer Reality-TV-Sendung auf dem Nischensender Outdoor Live Network jede Woche mit fünf Gästen über sein riesiges Ranch-Gelände im texanischen Crawford und zeigt den ?verweichlichten Städtern, wie man Wild erlegt? ? sehr zum Ärger von Bürgerinitiativen und Tierschützern.Ted Nugent ist das egal, er liebt die Kontroverse. Und die will er nun in der Politik suchen und es seinem großen Vorbild George W. Bush gleichtun: Wenn im November der neue Gouverneur von Michigan gewählt wird, will er kandidieren. In diesem Bundesstaat ist Nugent groß geworden und nur deshalb dort weggezogen, weil in dem Haus seiner Familie ein Schwamm entdeckt wurde, der seine Ehefrau Shemane krank gemacht hatte.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Alle Nugent Kinder erhalten Ausbildung im WaffengebrauchNach Ronald Reagan, Arnold Schwarzenegger und dem Ringer Jesse Ventura jetzt Ted Nugent? ?Warum eigentlich nicht?? holt Nugent im Interview mit dem US-Sender MSNBC aus.Als Vorstandsmitglied des Waffenbesitzerverbandes National Rifle Association vertritt Nugent eine typische Wild-West-Haltung, was die Kontrolle von Handfeuerwaffen in den USA angeht: ?Jede Familie sollte eine Waffe im Haus haben.? Er selbst bildet seine vier Kinder seit dem fünften Lebensjahr an Waffen aus. Und auch sonst spricht er seine Meinung deutlich aus: ?Wir sind eine Nation von Dieben und Betrügern, weil keiner mehr die Wahrheit sagt.?Meinungsumfragen zufolge hat der Rocker sehr gute Chancen, die Wahl zu gewinnen. ?Ted ist ein Mann des Volkes. Er schert sich nicht um das, was gerade politisch korrekt ist. Er spricht vom Herzen?, sagt der texanische Gouverneur Rick Perry.Doch manchmal ist das Herz schneller als der Kopf. Gefragt nach dem US-Rechtssystem, schoss es aus Nugent hervor: ?Es ist zu langsam, zu kompliziert. Wenn jemand einen Mord begeht, gehört er sofort erschossen, ohne Verhandlung, ohne die Verschwendung von Steuergeldern.?Vor allem Demokraten lieben diese verbalen Durchfälle des republikanischen Rockers: ?Ted Nugent kann von einem politisch denkenden Menschen nun wirklich nicht ernst genommen werden?, sagt die kalifornische Senatorin Barbara Boxer. Fragt sich nur, ob die Wähler das auch so sehen.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.03.2006