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Ein Leutnant auf der Suche nach Synergien

Von Nicole Bastian und Dirk Heilmann
Er gilt als treuester Leutnant des angeschlagenen Vodafone-Chefs Arun Sarin, und in der neuen Konzernstruktur kommt ihm die Schlüsselrolle zu: Der 46-jährige Amerikaner Bill Morrow ist künftig der zweitmächtigste Manager des Mobilfunk-Weltmarktführers. Als Chef für die westeuropäischen Kernmärkte sitzt Morrow künftig zwischen den Landesfürsten von Vodafone und Konzernchef Sarin. Bisher berichteten diese direkt an die Nummer eins.
TOKIO/LONDON. Als Chef für die westeuropäischen Kernmärkte sitzt Morrow künftig zwischen den Landesfürsten von Vodafone und Konzernchef Sarin. Bisher berichteten diese direkt an die Nummer eins. Doch damit nicht genug: Die neuen Weltchefs für Marketing und für Technologie sind künftig ebenfalls Bill Morrow unterstellt.Kein Wunder, dass die britische Presse den grauhaarigen Mann mit dem Mittelscheitel und dem offenen Lächeln schon als Kronprinzen für den in der Kritik stehenden Vodafone-Chef sieht.

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Arun Sarin und Bill Morrow kennen einander aus gemeinsamen Tagen beim US-Mobilfunker Airtouch, den Vodafone 1999 übernahm ? kurz bevor der britische Konzern Mannesmann kaufte. Nach einer Zwischenstation beim belgischen Mobilfunker Proximus beginnt Morrow 1998 bei Vodafone. Zwei Jahre später wird er Vizepräsident für technologische Strategie.2001 geht der Familienvater, der in Kalifornien Ingenieurwesen und Wirtschaft studiert hat, für den britischen Konzern nach Japan.Dort leitet Morrow die Festnetztochter Japan Telecom und erregt mit deren Verkauf an den US-Investmentfonds Ripplewood Aufsehen. Seither gilt er als Experte für Fusionen und Übernahmen in Japan. Auf Konferenzen sagt er, die Hand lässig in der Hosentasche, ausländischen Firmen eine wachsende Rolle auf dem schwierigen Markt voraus.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Brücke nach JapanIm Februar 2004 kehrt Morrow in die Zentrale zurück und steigt zum Landeschef für Großbritannien auf. Als er vor einem Jahr als Präsident der Mobilfunktochter Vodafone KK nach Tokio zurückkehrt, blühen die Spekulationen, dass er nun die nächste Tochter für den Verkauf aufhübschen soll. Und so kommt es auch, obwohl Morrow eigentlich als Sanierer gekommen war.Shiro Tsuda, der vom Marktführer NTT Docomo berufene Landeschef, hatte um Hilfe gerufen. Morrow soll eine Brücke zwischen Konzernmutter und Japan-Tochter schlagen, denn diese fühlte sich vom Mutterhaus mit zweifelhaften Strategien und Produkten überfahren. Tsuda unterstützte Morrow als Chairman.Bei seinem Amtsantritt gibt sich Morrow als Realist: Schnelle Lösungen verspricht er nicht. Einiges wendet er rasch zum Besseren. Statt der in Japan unbeliebten globalen Handy-Modelle überwiegen bald wieder japanische Geräte das Produktangebot.Doch Morrow hat zu wenig Zeit, die Ergebnisse der schwierigen Tochter auf das in Europa gewohnte Niveau zu bringen. Vodafone-Chef Sarin beugt sich den Protesten der Anleger und verkauft die Tochter im März für gut zwölf Milliarden Euro an den Internetkonzern Softbank.Morrow wird sich wünschen, dass er auf seinem nächsten Posten mehr Zeit bekommt. Doch auch in Europa braucht Sarin schnelle Erfolge, denn die Investoren werden immer ungeduldiger. Morrow soll die Kosten auf reifen Märkten wie Deutschland, Großbritannien und Italien drücken und endlich mehr Synergien aus dem Vodafone-Reich herausholen.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.04.2006