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Ein Kind mit zwei Namen

Die Fragen stellte Hans-Martin Barthold
Interview mit Hans-Bernd Brosius, dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft.
Sind Publizistik und Kommunikationswissenschaft nur zwei Namen für ein und dasselbe Kind?

Inhaltlich gibt es tatsächlich kaum Unterschiede. Denn schließlich befassen sich beide mit Prozessen und Medien der öffentlichen Kommunikation, besonders der Massenkommunikation. In Abweichung davon ist beispielsweise die Medienwissenschaft einem breiteren Medienbegriff verpflichtet und verfolgt einen eher literatur- beziehungsweise kulturwissenschaftlichen Ansatz.

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Bekommen Publizistik und Kommunikationswissenschaft Konkurrenz durch neue anwendungsorientierte Studiengänge wie Journalistik, Technikredaktion oder Public Relations?

Der Charme der Publizistik und Kommunikationswissenschaft besteht in der Breite des Studiums. Mit einem offen konzipierten Curriculum und einem grundsätzlich generalistischen Blickwinkel erlauben sie es den Studenten, sich – ihren persönlichen Begabungen und Interessen folgend – sehr individuell und passgenau auf die angestrebte berufliche Funktion vertiefen zu können. Freilich verlangt dies die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Die strikt anwendungsorientierten und sehr stark spezialisierten Fachhochschulstudiengänge sind vor allem eine Reaktion auf die differenzierter gewordene Nachfrage. Gleichwohl schmälert das die Chancen der Absolventen aus Publizistik und Kommunikationswissenschaft in keiner Weise.

Wie sehen die Studienziele aus?

Das Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft ist keine Berufsausbildung. Statt Handwerkszeug liefern wir Schlüsselqualifikationen. Wer lediglich den kürzesten Weg in die Kommunikationspraxis sucht, hat mit uns den falschen Partner gewählt. Das eigene Handeln in kommunikativen Prozessen zu reflektieren sowie innovative Lösungsstrategien zu entwickeln, steht bei uns weit vor dem Ziel, lediglich eine Meldung journalistisch ansprechend abfassen zu lernen.

E-Mail: post@ifkw.uni-muenchen.de
Dieser Artikel ist erschienen am 18.05.2001