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Ein hemdsärmeliger Mathematiker im Visier der Post

Von Dirk-Hinrich Heilmann
Rennende Löwen sind das Logo der Exel Plc. Passend für ein Logistikunternehmen. Weniger passend für einen Chef wie John Allan. Man kann ihn sich nur schwer als Anführer eines Rudels vorstellen, der den nächsten Jagdzug plant. Doch wer seinen Jagdinstinkt unterschätzt, macht einen Fehler. Der 56-Jährige hat innerhalb weniger Jahre aus Exel den führenden Kontraktlogistik-Anbieter der Welt aufgebaut. Er hat von Anfang an darauf gesetzt, nicht nur Kisten und Pakete von A nach B zu befördern.
HB LONDON. Doch wer seinen Jagdinstinkt unterschätzt, macht einen Fehler. Der 56-Jährige hat innerhalb weniger Jahre aus Exel den führenden Kontraktlogistik-Anbieter der Welt aufgebaut. Er hat von Anfang an darauf gesetzt, nicht nur Kisten und Pakete von A nach B zu befördern, sondern für global tätige Unternehmen ganze Lieferketten zu betreiben und Logistik-Abteilungen zu übernehmen.Der Erfolg in diesem wachstumsstarken Markt hat Exel zu einem begehrten Übernahmeobjekt gemacht ? die Deutsche Post hat sich als Erste aus der Deckung gewagt.

Die besten Jobs von allen

Allan, nun Gejagter, war bisher stets der Jäger. Das begann so richtig, als er im Mai 2000 die Ocean Group, die er damals seit sechs Jahren führte, mit der früheren Exel verschmolz.Die geografische Reichweite der Ocean Group habe mit der logistischen Expertise von Exel eine ideale Verbindung ergeben, erinnert sich Allan im Gespräch mit dem Handelsblatt. Exel, mit seiner Zentrale in Bracknell im Londoner Speckgürtel, wurde der Markenname für den Logistik-Anbieter, und Allan machte sich daran, weltweit Lücken zu füllen und Kompetenzen zu ergänzen. Er kaufte auf Pharma, Auto oder IT spezialisierte Transportfirmen, er akquirierte in Brasilien, den USA, Japan und China, Deutschland, Italien und Österreich, in der Türkei und in Südafrika.Was er nicht kaufte, waren Flugzeuge oder Containerschiffe ? die mietet Exel je nach Bedarf an. ?Wir wollen unseren Kunden intelligente Dienstleistungen liefern und ihnen nicht eine teure Flotte verkaufen?, sagt Allan.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Mächtiger Kaufinteressent vor der TürHeute beschäftigt Exel 111 000 Menschen in 135 Ländern. Die Kundenliste ist ein ?Who is who? der Wirtschaft: Procter & Gamble, Nestlé, Unilever Wal-Mart, Carrefour und Tesco sind ebenso darunter wie Ford, VW und Daimler-Chrysler.Geduld und Beharrlichkeit bewies Allan zuletzt mit dem Kauf des englischen Konkurrenten Tibbett & Britten. Fünf Jahre hat er sich um den Kauf bemüht, im Juni klappte es. Der Umsatz wächst damit auf einen Schlag um die Hälfte und wird im laufenden Jahr wohl die Zehn-Milliarden-Euro-Marke übertreffen. Die nächsten beiden Jahre sollten eigentlich der Integration dienen, und das Wachstum sollte zur Abwechslung von innen kommen, wie Allan vor kurzem ankündigte.Das hat sich gestern schlagartig geändert. Nun steht mit der Post ein mächtiger Kaufinteressent vor der Tür. Und auch wenn die Gespräche mit den Deutschen scheitern: Das Thema Übernahme wird Allan erhalten bleiben. Nach dem Kauf von Tibbett & Britten hatte er noch gesagt, er halte es für möglich, aber wenig wahrscheinlich, dass Exel von einem größeren Konzern übernommen werde: ?Wir brauchen keine größere Muttergesellschaft und würden lieber unabhängig bleiben?, sagte er im Juni. Harte Abwehrhaltung klingt anders.Die Deutsche Post, konzediert er, ist ein gut geführtes Unternehmen. Das sagt man in der Branche auch von Exel. Als schlau und beharrlich charakterisieren Branchenkenner Allan. Wo sich Post-Chef Klaus Zumwinkel als kühler Stratege präsentiert, wirkt Allan hemdsärmelig und bodenständig. Aufgewachsen in Schottland, studierte er Mathematik und Physik. Seine Karriere begann er bei Unilever, einem Unternehmen, das ihn mit Kundenorientierung und einem festen Wertesystem beeindruckte. Sieben Jahre lang saß er dann im Vorstand der BET Group, bevor er zu Ocean ging.In drei Jahren erreicht Allan die interne Exel-Altersgrenze von 60 Jahren, dann könnte er mehr Zeit fürs Golfspiel und für die Familie, für Kunst und Musik finden. Ein vorzeitiges Ende der Laufbahn durch eine Übernahme könnte er finanziell wohl verschmerzen: Seine Exel-Aktien sind mehr als zwei Millionen Pfund wert. Hinzu kommt ein Vielfaches an Aktienoptionen, deren Ausübung sich dank des jüngsten Kurssprungs lohnen dürfte.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.09.2005