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Ein Handy-Mann für Faurecia

Von Holger Alich
Grégoire Olivier übernimmt beim Automobilzulieferer Faurecia, einer Tochter des Peugeot-Konzerns, das Steuer. Keine leichte Aufgabe, steht das Unternehmen doch im Zentrum des Schmiergeldskandals in der Autoindustrie. Und auch operativ läuft es schlecht.
PARIS. Faurecia profitiert von der Krise in einem anderen Unternehmen. Grégoire Olivier, 46, die Nummer zwei bei Faurecia, verlässt im Streit den französischen Aeronautik- und Elektronik-Konzern Safran und übernimmt ab September den Spitzenposten bei Faurecia. Der Autozulieferer bestätigte am Freitag entsprechende Presseberichte.Die Börse nahm die Nachricht mit Skepsis auf, die Aktie gab rund zwei Prozent nach. ?Faurecia braucht einen Sanierer. Es gibt Zweifel, ob Olivier das Zeug dazu hat?, sagte eine Pariser Analystin. Denn eben wegen der schlechten Ergebnisse der von Olivier verantworteten Kommunikationssparte gab es bei Safran Krach.

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Bei Faurecia wartet eine echte Restrukturierungsaufgabe auf den jugendlich wirkenden Manager. ?Die Marge ist seit fünfzehn Jahren rückläufig?, kritisiert eine Analystin. Zudem muss Olivier das Image der PSA-Tochter aufpolieren. Anfang August war Pierre Lévy als Faurecia-Chef zurückgetreten, da er gewusst hatte, dass seine Mitarbeiter Manager von Kunden wie VW schmierten.Mit Autos kennt sich Olivier zwar weniger aus, dafür mit Technologie: Bei Safran stieg er zum zweiten Mann auf, als Ende 2004 der Flugzeugmotoren-Hersteller Snecma überraschend mit dem Handy-Hersteller Sagem fusionierte, den Olivier leitete.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Olivier wurde bei Safrans nie recht glücklich.Richtig glücklich wurde der siebenfache Vater aber bei dem in Safran umgetauften Konzern nie. Analysten forderten, dass der Konzern die darbende Handy-Sparte abgibt. Im Juli musste Safran nach Problemen in der Kommunikationssparte eine Gewinnwarnung veröffentlichen.Beobachter halten dem als diskret geltenden Olivier zugute, dass er bei Safran nicht volle Handlungsfreiheit gehabt habe. In seinem Lebenslauf finden sich durchaus Belege für seine Kämpfernatur, nicht nur im Wirtschaftsleben: Er hat einst in der Judo-Nationalmannschaft für Frankreich gekämpft.Seine Karriere kennt bisher nur eine Richtung: nach oben. Ingenieur-Abschluss der Ecole de Mines, 1990 Berater von Premierminister Michel Rocard, dann Wechsel zum Aluminium-Konzern Pechiney, wo ihm erste Restrukturierungserfolge in den USA gelingen.Beim Handy-Hersteller Sagem heuert Olivier im April 2001 an, als die Tech-Blase bereits geplatzt ist. Er spart das Unternehmen gesund und stärkt das Verteidigungsgeschäft. Aber von der Fusion mit Snecma, die sein Ziehvater und Aufsichtsratschef Mario Colaiacovo einfädelte, sei Olivier nie begeistert gewesen, heißt es.Nun zieht er die Konsequenzen.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.08.2006