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Ein guter Franchise-Geber berät seinen Partner auch bei der Finanzierung

Hans Lang
Nach den Grundsätzen des Franchisings ist der Franchise-Geber nicht verpflichtet, seinem Franchise-Nehmer bei der Finanzierung seines Ladens zu helfen. Doch diese Theorie ist durch die Praxis längst überholt.
Nach den Grundsätzen des Franchisings ist der Franchise-Geber nicht verpflichtet, seinem Franchise-Nehmer bei der Finanzierung seines Ladens zu helfen. Doch diese Theorie ist durch die Praxis längst überholt. Denn wenn ein Franchise-Geber im Rahmen seines Leistungspakets keine spezielle Finanzierungsberatung anbietet, wird er viele geeignete Wunschpartner nicht als Franchise-Nehmer gewinnen können.

>> Aus rechtlichen Gründen muss sich ein Franchise-Geber dabei darauf beschränken, seinem künftigen Partner die Richtung für die passende Finanzierung zu weisen und die systembezogene Zuarbeit zu leisten. Zu dieser Kompass-Funktion zählen die Vermittlung von Finanzierungsgrundsätzen, eine Übersicht über geeignete öffentliche Förderprogramme, die Vorbereitung auf die Bankgespräche und gegebenenfalls die Vermittlung eines seriösen Gründerberaters, der auf Finanzierungsfragen spezialisiert ist.

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>> Bei den Finanzierungsgrundsätzen geht es um die verschiedenen Finanzierungsarten und deren Kosten. Der zukünftige Franchise-Nehmer sollte ein Gefühl dafür bekommen, welche Kosten entstehen, wenn er zum Beispiel einen erheblichen Teil seiner Ausgaben mit Hilfe von Überziehungskrediten finanziert, was leider häufig vorkommt, oder aber die Leasingfinanzierung favorisiert

>> Viele Franchise-Nehmer erwarten wie selbstverständlich eine Förderung durch die öffentliche Hand. Es ist sicher Aufgabe des Franchise-Gebers darzulegen, unter welchen Voraussetzungen welche Förderprogramme geeignet sind. Einem Franchise-Geber wird es nur gelingen, sich einen sachkundigen Überblick über die wichtigsten rund 100 Förderprogramme zu verschaffen, wenn sich einer seiner Angestellten zumindest mittelfristig die Hälfte seiner Arbeitszeit damit befasst.

>> Bei der Finanzierungsberatung kann der Franchise-Geber den Franchise-Interessenten auch auf die meist zahlreichen Bankgespräche vorbereiten. Generell erhält der Existenzgründer ja auch die Fördermitteln über seine Hausbank. Der zukünftige Franchise-Nehmer muss der Bank sein Gründungskonzept nahe bringen und sich selbst verkaufen. Es ist deshalb nicht sehr förderlich, wenn der Franchise-Geber dabei sitzt und das Wort führt. Der Franchise-Partner muss den Franchise-Vertrag kennen und verstehen, das Geschäftskonzept und die Unternehmensphilosophie des Franchise-Gebers aus eigener Überzeugung positiv darstellen und seine persönlichen Angaben nebst beruflichem Werdegang und Qualifikationen schlüssig darstellen. Das kann und sollte er trainieren.

>> Natürlich kann der Franchise-Geber all diese Beratungsfunktionen an einen externen Spezialisten abgeben. Dieser vertritt allerdings allein die Interessen des Franchise-Nehmers, wenn für die Beratung ein Zuschuss der öffentlichen Hand in Anspruch genommen wird. Eine geförderte Förderberatung ist so nicht zulässig

>> Auf jeden Fall muss der Franchise-Geber dem Franchise-Nehmer für das Bankgespräch jene Unterlagen zur Verfügung stellen, die dieser selbst nicht besorgen kann: Franchise-Vertrag, Darstellung des Franchise-Systems und des Franchise-Gebers, Markt- und Wettbewerbsposition des Franchise-Gebers, Standortanalyse, den detaillierten Investitionsplan, die Auflistung sonstiger Kosten für den Franchise-Nehmer, Standort bezogene Rentabilitätsvorschau für zwei bis drei Jahre, Ergebniszahlen bestehender Franchise-Nehmer, den Brief der Deutschen Ausgleichsbank, dass dem eingereichten Franchise-Vertrag eine Förderung nicht entgegensteht. Nach Möglichkeit sollte dazu auch ein Liquiditätsplan und eine Aufführung der Leistungen des Franchise-Gebers zur effizienten Betriebsführung gehören, zum Beispiel Buchführungsservice und Betriebsvergleiche.

>> Bereits in einigen Jahren sollen die Kreditkonditionen davon abhängig gemacht werden, wie der Kreditnehmer bei einer fachkundigen Bewertung abschneidet (Stichwort Basel II). Der Franchise-Nehmer sollte sich deshalb vor allem solchen Franchise-Systemen zuwenden, die durch die gute Aufbereitung aller finanzierungsrelevanten Systemdaten zu einer guten Bewertung beitragen. Verfügt das Franchise-System über eine solide Eigenkapitalbasis, verbessert das ebenfalls Kreditwürdigkeit und Bonität.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.04.2001