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Ein Fusionsmanager für die Fraspa-Spitze

Von Peter Köhler
Von engen Vertrauten wird der promovierte Jurist und Vater zweier Kinder als ?Gentleman-Banker? beschrieben. Seine Stärken seien die klare Analyse und die langfristige Perspektive.
HB FRANKFURT. Anfang Juli hatten sowohl Quensen als auch Mit-Vorstand Bernhard Schäfer um ihre vorzeitige Entlassung zum Jahresende hin aus der Doppelspitze gebeten. Offiziell wurde auf die Änderung des Niedersächsischen Sparkassengesetzes hingewiesen, die ab dem 1. Januar 2005 explizit Doppelbesetzungen ausschließt. Das Duo in Hannover war eine direkte Folge der Anfang 2003 vollzogenen Fusion zwischen Stadtsparkasse und Kreissparkasse.Was unter guten Vorsätzen begann, entwickelte sich im Sommer des ersten Fusionsjahres zu einem Albtraum für alle Vorstände und auch den Verwaltungsrat. Unterschiedliche Meinungen über Beteiligungs- und Kreditengagements bei einem KFZ-Zulieferer und einem Bürogroßhändler eskalierten derart, dass es am Ende zu einer handfesten Führungskrise bei den Hannoveranern reichte. Über Wochen ergötzte sich vor allem die Boulevardpresse am Grabenkrieg zwischen Quensen und Schäfer. Die erste Bilanz des fusionierten Instituts war ernüchternd, nur durch den Griff in die Reserven konnte ein ausgeglichenes Ergebnis dargestellt werden.

Die besten Jobs von allen

?Betriebswirtschaftlich war die Fusion trotzdem beherrschbar, aber das Tischtuch zwischen Quensen und Schäfer war zerschnitten?, sagt ein Mitarbeiter. Die Charaktere seien einfach zu unterschiedlich gewesen, während Schäfer ?Säle einstimmen konnte, beherrschte Quensen das kleine Format?, sagt ein Weggefährte.Von engen Vertrauten wird der promovierte Jurist und Vater zweier Kinder als ?Gentleman-Banker? beschrieben. Seine Stärken seien die klare Analyse und die langfristige Perspektive. Quensen sei stets abwägend und könne als ?intellektueller Vordenker? durchgehen. ?Der Mann wirkt vielleicht auf den ersten Blick distanziert, tatsächlich ist er aber im Umgang sehr angenehm?, schildert eine Mitarbeiterin sein Auftreten.Quensen, der erst am vergangenen Donnerstag vom Fraspa-Verwaltungsratschef Paul Wieandt angesprochen worden war, nimmt auf einem der heißesten Sparkassenstühle der Republik Platz.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Quensen sucht große Herausforderungen Die Fraspa hat in den vergangenen Monaten eine beispiellose Talfahrt erlebt, die erst durch das beherzte Eingreifen des neuen Verwaltungsratschefs gestoppt werden konnte. Nach einer zu großzügigen Kreditvergabe und problematischen Immobilienfinanzierungen musste auch die Fraspa tief in die Reserven greifen, um eine Schieflage zu vermeiden. Der gesamte Vorstand geriet ins Visier der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die derzeit immer noch dem Verdacht nachgeht, die Abschlussprüfer der Fraspa seien willentlich getäuscht worden.Mittlerweile sind alle früheren Top-Manager zurückgetreten oder lassen ihre Ämter ruhen. Hinzu kommt ein tiefes Zerwürfnis innerhalb der Eigentümer der Fraspa über die Zukunft des Instituts. Befürworter und Gegner eines Verkaufs der Sparkasse sind regelrecht verfeindet und schrecken auch vor persönlichen Beleidigungen nicht zurück. Die Fraspa hat eine Sonderstellung in der deutschen Sparkassenlandschaft. Mehrheitseigentümer ist mit einem Stimmenanteil von 60 Prozent die private Polytechnische Gesellschaft, eine Vereinigung von rund 300 Frankfurter Bürgern. Die restlichen 40 Prozent gehören der Stadt Frankfurt, deren Kämmerer Horst Hemzal wiederholt die Absicht geäußert hat, einen möglichst hohen Verkaufserlös für die Stadtkasse herauszuschlagen.Als Kaufinteressent gilt an erster Stelle die hessisch-thüringische Sparkassenorganisation. Die Wiesbadener Landesregierung verfolgt den Prozess bei der Fraspa mit Argusaugen, weil sie die zersplitterte Sparkassenlandschaft im Rhein-Main-Gebiet neu formieren will. Auf Grund historischer Entwicklungen überschneiden sich hier die Geschäftsgebiete von drei großen Sparkassen, was deren Ertragskraft schmälert.Quensen ist mit dieser ?Unübersichtlichkeit? bestens vertraut, war er doch von 1975 bis 1992 in leitender Position im Firmenkundengeschäft der Nassauischen Sparkasse (Naspa) tätig. Das Nachbarinstitut zur Fraspa mit Sitz in Wiesbaden hegte schon einmal Fusionsgelüste, die aber nicht zum Vollzug führten.Der gebürtige Braunschweiger Quensen sagte gestern auf Anfrage, dass er sich ?unheimlich freue? auf die neuen Aufgaben. ?Die Gemengelage im Rhein-Main-Gebiet ist mir noch sehr präsent. Endlich komme ich in das Gebiet zurück, in das ich sowieso in ein paar Jahren wechseln wollte.? Die Fraspa sei ?im Kern gesund und in den Strukturen zukunftsfähig aufgebaut?.Auch privat ist der erfahrene Fusionsmanager große Herausforderungen gewohnt. Der passionierte Bergsteiger hat schon den Kilimandscharo und einige 6 000er im Nepalgebiet erklommen, in der Ebene greift er dagegen gerne mal zum Golfschläger.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.07.2004